Über die Pollauer Berge nach Mikulov
Die Fakten
18,8 km 836 hm 833 hm
Start: Pavlov
Ziel: Mikulov
An- und Abreise: vom Bahnhof Břeclav mit dem Bus 570 nach Pavlov; von Mikulov fahren Regionalzüge nach Břeclav und Znojmo
Schwierigkeit: einfache Wege, aber sehr viel bergauf und bergab
Die tschechische Stadt Mikulov nahe der österreichischen Grenzen wollte ich schon besuchen, seit ich beim Weinviertelweg von Drasenhofen einen schönen Blick bis dorthin hatte. Nun hat die Gelegenheit endlich gepasst und ich habe es mit einer Wanderung durch die Pollauer Berge verbunden. Ich startete meine Wanderung in dem kleinen Ort Pavlov, wo ich zunächst zum Archäologischen Park ging. In der Gegend von Pavlov wurde das bislang größte jungpaläolithische Jägerlager in Zentraleuropa entdeckt. Neben Spuren von Behausungen und Mammutknochen wurden auch Elfenbeinschnitzereien, Keramik und weitere Artefakte gefunden, die in dem Museum sehr schön präsentiert werden.


Danach startete ich meine Wanderung so richtig und ging an der Kirche von Pavlov vorbei Richtung Pollauer Berge, wo ich die Ruine Maidenburg/Děvičky bereits aus der Ferne sehen konnte.


Auf dem Weg dorthin konnte ich große Schwärme von Vögeln beobachten – es ist eindeutig Herbst.



Durch Weinberge ging es zunächst gemächlich bergauf und ich hatte einen schönen Blick zurück auf Pavlov und auf das „südmährische Meer“, das in den 1980er Jahren durch die Aufstauung der Thaya entstanden ist.


Im Wald wurde der Weg bald darauf steiler, bis ich schließlich die Ruinen der Burg erreichte. Die Maidenburg wurde im 13. Jahrhundert errichtet und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Von oben hatte ich schöne Ausblicke und nutzte ein Bänkchen in der Sonne, um mit einer Skizze anzufangen.






Von der Ruine ging es im Wald weiter bergauf zum Maidenberg/Děvín. Da hier auch der südmährische Jakobsweg verläuft, begleiteten mich immer wieder Markierungen mit der Jakobsmuschel. Vom Berg hatte ich einen schönen Blick auf meinen weiteren Weg, aber man sieht hier auch ganz gut, wie dunstig es in der Ferne war und wie trocken derzeit alles ist.



Erst bergab und dann wieder bergauf wanderte ich weiter zu einer weiteren Ruine aus dem 13. Jahrhundert, nämlich jene der Burg Waisenstein/Sirotčí hrádek, die hier auf zwei Kalksteinfelsen erbaut wurde. Leider fanden dort gerade Bauarbeiten statt (vielleicht zur Sicherung der Struktur oder um eine Aussichtsplattform zu errichten), daher waren alle Wege durch und auf die Felsen gesperrt.



Ich ging also um die Ruine herum und erneut bergauf. Auf dem Tafelberg, den ich nach insgesamt acht Kilometern erreichte, machte ich meine Mittagspause. Von hier hatte ich einen Blick zurück auf die beiden Burgruinen (die Maidenburg ist ganz klein im Hintergrund zu sehen).

Der Weg führte nun wieder bergab und zunächst durch den Wald, ehe es ein Stück an einer Straße entlangging. Als der Weg in die Weinberge abbog, wählte ich eine falsche Abzweigung. Als ich vor einer Absperrung stand, wurde mir klar, dass ich auf der falschen Seite eines Zauns entlanggegangen war.




Auf dem richtigen Weg ging ich die letzten Kilometer bis Mikulov bzw. Nikolsburg, wo ich von einem Aussichtspunkt eine schöne Sicht auf die Stadt und den Heiligen Berg hatte.


Die Geschichte von Mikulov reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück und wurde schließlich 1249 erstmals urkundlich erwähnt, als Heinrich I. von Liechtenstein den Ort als Lehen erhielt. Unter der Familie Liechtenstein entstand hier eine strategisch wichtige Burg an der Handelsstraße nach Wien. Im 16. Jahrhundert kam Mikulov in den Besitz des Adelsgeschlechtes Liechtenstein, das es zu einer prachtvollen Residenzstadt ausbaute und auch das Schloss umfassend erweiterte.
Ich war zu spät dran, um das Museum im Schloss zu besichtigen, konnte es aber zumindest noch von außen bewundern.



Vom Schloss ging ich weiter zum Stadtplatz, der von Renaissance-Häusern gesäumt wird; darunter auch ein Sgraffito-Haus. Auch die Gruftkirche der Fürsten von Dietrichstein hatte leider geschlossen. Vielleicht mache ich im Winter nochmal einen Ausflug nach Mikulov für einige Innenbesichtigungen.
Da ich passend für den Sonnenuntergang noch auf den Heiligen Berg wandern wollte, hatte ich noch etwas Zeit und trank am Stadtplatz einen Kaffee.



Gegen 17 Uhr machte ich mich schließlich auf den Weg hinauf zum Heiligen Berg, den ich auf dem Kreuzweg bestieg. Oben auf dem Berg befinden sich einige Kapellen und die Kirche St. Sebastian; außerdem sieht man hier weit über die Landschaft und auch bis nach Österreich.



Hier oben war nun einiges los – die Idee mit dem Sonnenuntergang hatte nicht nur ich. Kein Wunder, da der Blick auf Mikulov und nach Westen ebenfalls fantastisch ist. Ich nutzte die letzten Sonnenstrahlen noch, um mein vorher begonnenes Bild fertigzumalen. Irgendwann muss ich bei meinem Mini-Aquarellset mal das Blau austauschen. Es ist eine granulierende Farbe, was für den Himmel meiner Meinung nach nicht so gut passt.

Schließlich versank die Sonne hinter Mikulov und bescherte uns allen hier oben ein sehr schönes Panorama. Schade nur, dass gerade zum Sonnenuntergang Wolken am Horizont auftauchten und das Schauspiel daher schon sehr bald vorbei war. Als ich auf dem Kreuzweg wieder hinunter ging, hatte ich aber noch einmal einen schönen Blick auf die abendliche Stadt.




Vom Fuß des Berges waren es noch knapp zwei Kilometer bis zum Bahnhof, wo ich bald darauf in den Regionalzug nach Břeclav stieg.
Fazit: Eine wunderschöne Wanderung bei tollem Herbstwetter. Die Pollauer Berge könnte man noch ausführlicher erkunden – es gibt dort noch einige interessante Felsformationen. Und auch von Mikulov habe ich erst mal nur einen kurzen Eindruck bekommen. Ein weiterer Besuch in der Gegend würde sich also bestimmt lohnen.