Wege in Österreich

Zeltwanderung im Gesäuse mit Besichtigung der Stiftsbibliothek Admont

Vergangenes Wochenende war ich mit meiner Nichte Sophie mit dem Zelt im Nationalpark Gesäuse unterwegs. Wir unternahmen am Samstag eine Wanderung und besichtigten dann am Sonntag die Stiftsbibliothek in Admont.

1. Tag: Wanderung zur Hochscheibenalm

Die Fakten
14,6 km 759 hm 677 hm
Start: Hieflau
Ziel: Campingplatz Forstgarten in Gstatterboden
An- und Abreise: Der CJX 5 bzw. R 58 fährt direkt von und nach Wien; schneller geht es aber mit einem Fernverkehrszug bis/von Amstetten.
Schwierigkeit: Viel bergauf und bergab, aber einfache Wege

Falls die Fakten zur Wanderung jemandem bekannt vorkommen: Diese Tour habe ich im Winter schon einmal unternommen und fand sie damals sehr schön. Ich war nun gespannt, wie anders alles im Sommer aussehen würde.

Wir starteten bei schon recht schweißtreibenden Temperaturen und mit schweren Rucksäcken beim Bahnhof in Hieflau und hatten erst einmal einen sanften Start mit einem flachen Weg an der Enns entlang. Nach knapp zwei Kilometern begann der Aufstieg auf die Hochscheibenalm. Die Forststraße, die zugleich eine Mountainbikestrecke ist, und der etwas steilere Wanderweg kreuzen sich hier immer wieder. Wir wählten meist den schmalen Wanderpfad, gingen aber auch ein paar Kehren aus, um zwischendurch etwas Atem schöpfen zu können. Obwohl der Regionalzug voller Fahrräder gewesen war, begegneten wir nur wenigen Mountainbikern, daher waren wir auch auf der Forstraße weitgehend ungestört. Während in und um Wien schon seit Wochen alles vertrocknet ist, war es hier noch erstaunlich grün.

Im Winter hatte ich ein wenig mit den Schneebedingungen gekämpft; nun war es die Hitze, die uns zu schaffen machte. Es hatte an dem Tag über 30 Grad und es regte sich nicht ein Blatt. Zum Glück verlief der Weg zumindest teilweise im Schatten.

Als wir schließlich den durchgehenden Anstieg von etwa 700 Höhenmetern geschafft hatten, machten wir eine wohlverdiente Mittagspause im Schatten. Danach ging es gemütlicher und bei herrlichem Panorama weiter. Wir hatten tolle Blicke auf die Planspitze und die Buchsteingruppe. Kurz nach der Hochscheibenalm begegneten wir einer Wandergruppe und nutzten die Gelegenheit für gegenseitige Fotos.

Von der Wandergruppe erfuhren wir auch, dass bei der Kroisn Alm eine Geburtstagsfeier stattfand. So waren wir nicht mehr überrascht, als wir aus der Ferne bereits Musik hören konnten. Obwohl bei der Hütte einiges los war, konnten wir doch auch noch ein Plätzchen im Schatten ergattern und ein kühles Getränk genießen.

Von jetzt an ging es nur noch bergab – zunächst auf einem Schotterweg, später auf kleineren Pfaden. Mit den schweren Rucksäcken war auch das Bergabgehen ganz schön anstrengend, aber immerhin kamen wir jetzt nicht mehr so sehr ins Schwitzen. Trotzdem träumten wir bereits vom Baden in der Enns.

Schließlich tauchten unter uns schon der Bahnhof Gstatterboden und das Naturparkzentrum auf. Hier legten wir noch ein drittes Päuschen ein und tranken einen Kaffee. Da wir uns essenstechnisch den ganzen Tag selbst verpflegten und dieses Wochenende mein Geburtstagsgeschenk für Sophie gewesen war, wollten wir uns zumindest bei den Getränken ein bisschen etwas gönnen. 😉

Gegen 16 Uhr kamen wir schließlich zum Campingplatz, wo schon einiges los war. Kein Wunder, da die Lage wirklich traumhaft ist und sich der Platz – anders als viele Campingplätze in Österreich – tatsächlich vor allem an Menschen mit Zelt richtet. Es gibt hier keine Dauercamper, nur wenige Stellplätze für Autos/Campingwägen und sehr viele Sitzgelegenheiten sowie eine Küche. Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut hatten, suchten wir gleich mal den Naturbadeplatz auf und wagten uns in die Enns. Das Wasser war eiskalt, aber es war eine herrliche Abkühlung!

Nach einer ebenfalls erfrischenden, aber nicht ganz so kalten Dusche, ließen wir den Tag sehr gemütlich ausklingen. Wir spielten Würfelspiele, bereiteten uns in der Küche unser Abendessen zu und testeten zwei interessante Limonaden aus der Umgebung. Und das alles vor der herrlichen Kulisse der Planspitze, die sich später im Abendlicht rötlich verfärbte.


2. Tag: Spaziergang nach Johnsbach und Besichtigung von Admont

Da es auf dem Campingplatz so wuselig war, war es auch nachts nicht allzu ruhig, aber mit Ohropax ging es einigermaßen und da ich so früh wieder aufwachte, konnte ich immerhin eine schöne Morgenstimmung genießen.

Nach Tee und Porridge zum Frühstück bauten wir unsere Zelte ab und machten uns auf den Weg zum nächsten Bahnhof Johnsbach. Für diesen Tag war am Nachmittag Regen angesagt und ein paar erste Tropfen fielen bereits, als wir aufbrachen. Bis nach Johnsbach waren es nicht einmal vier Kilometer, aber diese kurze Strecke hatte einige schöne Wege und Ausblicke zu bieten.

Da wir in Johnsbach bis zur Abfahrt des Zuges noch etwas Zeit hatten, gingen wir über die äußerst malerische Brücke und genossen die Blicke auf die Enns.

Der R58 brachte uns schließlich in wenigen Minuten nach Admont. Die Zugfahrten muss man hier allerdings gut planen, da es nur etwa alle drei Stunden eine Verbindung gibt. Manchmal fährt dazwischen ein Bus, aber auch hier gibt es einige eklatante Lücken.

In Admont war unser Ziel das Benediktinerstift. Die zugehörige Bibliothek ist mit einer Länge von 70 Metern die größte Klosterbibliothek der Welt und wirklich sehr sehenswert. Das Stift selbst wurde bereits 1074 gegründet und beherbergte auch schon früh eine Bibliothek. Der heutige Saal stammt aber aus dem Barock und wurde 1776 vollendet. Der von Josef Hueber geplante Raum ist außergewöhnlich hell und lichtdurchflutet und soll symbolisch für die Erleuchtung des menschlichen Geistes stehen. Die sieben großen Deckenfresken wurden von Bartolomeo Altomonte in nur einem Jahr geschaffen, als er bereits über 80 Jahre alt war.

Der Bildhauer Josef Stammel schuf die Holzskulpturen in der Bibliothek und wir erfuhren während der interessanten Führung einiges über seine Figurengruppe „Die letzten vier Dinge“.

Nachdem wir noch die weiteren Räume des Stiftes besichtigt hatten, ließen wir unser Wochenende bei einem sehr guten Mittagessen im Stiftskeller ausklingen.

Fazit: Ein sehr schönes Wochenende mit einer anstrengenden, aber lohnenswerten Wanderung und einem tollen Kulturprogramm am zweiten Tag. Der Campingplatz Forstgarten im Nationalpark ist traumhaft gelegen und ich würde außerhalb der Hochsaison hier gern nochmal eine Nacht verbringen.

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