Wege in Österreich

Ein Wochenendausflug nach Vorarlberg

Letztes Wochenende habe ich zwar keine Wanderung unternommen, dafür aber einen Ausflug nach Bregenz und Schoppernau mit meiner ältesten Schwester. Vorarlberg steht schon sehr lange auf meiner Liste und nun habe ich zumindest mal einen ersten kleinen Einblick bekommen. Da das westlichste Bundesland für mich nicht gerade ums Eck liegt, hatten wir nicht sehr viel Zeit. Wir kamen „dank“ einer größeren Oberleitungsstörung, die das ganze Wochenende den Zugverkehr beeinträchtigte, am Freitag erst nach 15 Uhr in Bregenz an und mussten am Sonntagnachmittag schon wieder abreisen. Aber dafür konnten wir doch einiges unterbringen – hier ein paar Eindrücke samt einiger Fotos:

Bregenz

Ausblicke vom Pfänder

Freitag und Sonntag verbrachten wir weitgehend in Bregenz. Wir starteten unsere Besichtigung der Start mit einem Blick von oben – nämlich vom Pfänder, dem Bregenzer Hausberg, der mit 1062 Metern einen schönen Ausblick auf die Stadt, den Bodensee und die Berge ringsum bietet. Erreichbar ist er natürlich zu Fuß, bequemer und schneller aber mit der Pfänderbahn, einer Seilbahn, die die 600 Höhenmeter Differenz von Bregenz in sechs Minuten überbrückt. Oben genossen wir den schönen Rundumblick und machten einen kleinen Spaziergang durch den recht überschaubaren Alpenwildpark.

Man könnte vom Pfänder aus auch einige Wanderungen starten, aber da an dem Wochenende fast ständig Regenschauer und (teils starke) Gewitter angekündigt waren, planten wir sehr vorsichtig und beließen es bei der Runde durch den Wildpark.

Seepromenade und Seebühne

Im Sommer finden im Zuge der Bregenzer Festspiele Opern-, Musik- und Theateraufführungen statt. Das Herzstück des Festivals ist die weltweit größte Seebühne, deren kreative und überdimensionale Bühnenbilder immer für Aufsehen sorgen. Wir waren gerade noch vor Beginn der Festspiele in Bregenz – heute Abend findet die Premiere von „La Traviata“ statt. Das diesjährige Bühnenbild, ein zerbrochener Spiegel, ist meiner Meinung nach im Vergleich zu den letzten Jahren nicht ganz so spektaktulär, aber es war trotzdem faszinierend die Seebühne aus nächster Nähe zu betrachten. Am Freitag war sie noch abgesperrt, weil Proben stattfanden, aber am Sonntag war die Tribüne dann zugänglich.

Aber auch abseits der Seebühne war es schön an der Promenade zu flanieren und die Enten im See zu beobachten. Dabei wurden wir auch Zeuge, wie ein ziemlich aggressiver Schwan eine Entenfamilie vertrieb.

Bregenzer Oberstadt

So „richtig“ lernten wir Bregenz erst kennen, als wir am Sonntag die Oberstadt besichtigten. Dabei handelt es sich um den ältesten Teil der Stadt, der leicht erhöht über der Innenstadt und dem See liegt. Die Ursprünge von Bregenz reichen schon in keltische und römische Zeit zurück, aber der Kern der heutigen Stadt liegt in der Oberstadt im 13. Jahrhundert. Sobald man durch das alte Stadttor tritt, wähnt man sich fast in einer anderen Zeit: Mittelalterliche Häuser, enge Gassen, Reste der Stadtmauer und vor allem der Martinsturm, das Wahrzeichen von Bregenz, prägen hier das Bild.

Im Martinsturm, einem ehemaligen Getreidespeicher aus dem frühen 17. Jahrhundert, befindet sich eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Stadt. Hier überbrückten wir praktischerweise auch einen kleinen Regenguss und konnten im Trockenen schöne Ausblicke genießen.

Am südlichen Rand der Oberstadt liegt die Pfarrkirche St. Gallus, die aus dem Mittelalter stammt, aber 1737 im Barockstil umgebaut wurde. Auch der Innenraum besticht durch die barocke Ausstattung, die Deckenfresken und die historische Orgel aus dem 18. Jahrhundert.

Schoppernau – Spaziergang zum Natur-Erlebnis Holdamoos

Am Samstag machten wir einen Ausflug nach Schoppernau im Bregenzer Wald, um dort unsere familiären Wurzeln zu erkunden. Bei einem sehr netten Besuch dort bekamen wir den äußerst interessanten Familienstammbaum zu Gesicht und machten auch einen Spaziergang zum Natur-Erlebnis Holdamoos. Auch hier in der Gegend könnte man natürlich ausgiebig wandern, aber abgesehen davon, dass wir nicht so viel Zeit hatten, war das Wetter erneut etwas unsicher. Als wir in Schoppernau aufbrachen, war anscheinend gerade ein Unwetter im Anmarsch und so warteten wir den Regenguss im kleinen Sportladen ab.

Danach klarte es aber überraschend schnell wieder auf und wir machten uns auf zum „Natur-Erlebnis Holdamoos“, wo es einen Kräutergarten gibt, eine kleine Hängebrücke und eine über 440 Jahre alte Vorsäßhütte. Das Vorsäß bezeichnet eine Art Zwischenalm für die Übergangsjahreszeit zwischen dem Talhof im Winter und der Alm im Hochsommer oberhalb der Baumgrenze. Im Frühling und Herbst lebten und arbeiteten die Hirten mehrere Wochen mit dem Vieh, bevor es weiter auf die Hochalm bzw. hinunter ins Tal getrieben wurde. Die Hütte in Holdamoos wurde 1582 erbaut. Als sie an ihrem ursprünglichen Standort nicht mehr benötigt wurde und abgerissen werden sollte, wurde sie sorgfältig abgetragen, ins Holdamoos versetzt und dort wieder original aufgebaut.

Von Schoppernau aus kann man eine nette Runde von etwa eineinhalb Stunden nach Holdamoos und an der Bregenzer Ach zurück machen.

Bregenzerachmündung

Ehe wir am Sonntag die Zeit vor der Rückfahrt noch in der Bregenzer Oberstadt verbrachten, machten wir am Morgen von unserer Unterkunft in Hard aus noch einen Spaziergang zum Naturschutzgebiet Mehrerauer Seeufer – Bregenzerachmündung. Auch hier wären ausgiebigere Touren etwa im Reindelta möglich, aber wir hielten unsere Runde wetterbedingt wieder eher kurz.

Fazit: Es war ein sehr schönes Wochenende, das uns erste Impressionen von Vorarlberg vermitteltete. Da Bregenz von überschaubarer Größe ist, konnten wir uns dort in der Zeit, die wir zur Verfügung hatten, ausreichend umsehen. Mit seinen kleinen Gassen in der Oberstadt und der Lage unmittelbar am See wirkt es sehr beschaulich. Vom restlichen Bundesland haben wir außer Schoppernau (und einem kurzen Eindruck von Dornbirn) nicht so viel gesehen, aber ein längerer Aufenthalt zum Wandern würde sich natürlich sehr lohnen.

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