Wege in Europa

Gendarmstien: Fazit

Wie meistens am Ende einer mehrtägigen Wanderung blicke ich auf diese zurück und ziehe ein Fazit zu verschiedenen Aspekten wie Wegbeschaffenheit, Infrastruktur, Ausrüstung, etc. und meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Weg:


Wegführung und Wegbeschaffenheit

Der Gendarmstien hat seinen Namen von den dänischen Grenzgendarmen, die am Nordufer der Flensburger Förde von 1920 bis 1958 die Landesgrenze züberwachten. Für ihre Patrouillengänge nutzten sie teils vorhandene Wege, teils wurden auch neue Wege angelegt. In den späten 80er Jahren wurde dieser alte Weg zu einer Wanderstrecke ausgebaut und markiert sowie mit Informationstafeln und Rastplätzen ausgestattet. Die ca. 84 Kilometer sind auf fünf Etappen aufgeteilt. Ich war vier Tage lang auf dem Gendarmstien unterwegs und habe dann noch eine Etappe des Alsstien angehängt.

Der Weg verläuft die meiste Zeit in unmittelbarer Nähe zur Küste und gilt als beliebte Wanderstrecke in Dänemark, wobei ich nur selten anderen Wanderern begegnet bin. Meistens geht es über kleine Pfade, ab und zu auch weglos am Strand entlang und manchmal über Wald- und Feldwege. Nur selten geht es auf Straßen entlang – meistens nur, wenn der Weg durch Ortschaften verläuft. Obwohl es eine einfache Wanderung ohne Steigungen ist, gibt es auch einige steinige Uferabschnitte, bei denen man mitunter über Baumstämme klettern muss.

Die Markierungen in Form eines Männchens in Uniform sind sehr gut und zahlreich. Wie immer empfehle ich trotzdem die Verwendung einer Wanderapp oder Karte als Backup, aber die meiste Zeit ist die Orientierung problemlos anhand der Markierungen möglich.

Ich fand den Weg sehr schön und abwechslungsreich zu gehen. Die Küste wechselt immer wieder ihren Charakter und neben der schönen Landschaft gibt es auch kulturell manches zu sehen, wie etwa das Ziegeleimuseum Cathrinesminde oder die Düppeler Schanzen. Daher lohnt es sich meiner Meinung nach auch, wenn man sich für den Weg Zeit lässt. Aufgrund der wenigen Höhenmeter könnte man ihn auch in drei Etappen unterbringen, was ich ursprünglich überlegt hatte (weil ich eigentlich noch den gesamten Alsstien anschließen wollte). Aber ich bin ganz froh, dass ich es doch etwas gemütlicher angegangen bin und entsprechend Zeit für einige Besichtigungen hatte.


Unterkünfte und Verpflegung

Der Gendarmstien ist oft sehr ruhig, aber kein einsamer Wildnistrail. Man kommt oft durch Ortschaften und dementsprechend gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten. Da in Dänemark die Supermärkte in der Regel sieben Tage die Woche geöffnet haben, ist die Verpflegung also kein Problem – solange man sich eben selbst verpflegt. Einkehrmöglichkeiten gibt es nämlich nicht so häufig. Aber mit ein wenig Vorausplanung ist es in der Regel nicht notwendig Essen für mehr als einen bis eineinhalb Tage mitzuführen.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es entlang des Weges an sich in allen Komfort- und Preiskategorien. Hilfreich für die Planung ist dabei diese Webseite. Ich hatte in erster Linie Übernachtungen in meinem Zelt geplant; letztendlich habe ich dann die Hälfte der Zeit im Zelt geschlafen. Zweimal habe ich wetterbedingt umgeplant, einmal habe ich am gewünschten Etappenziel keinen passenden Zeltplatz gefunden. Dazu muss man sagen, dass in Dänemark wildcampen nicht erlaubt ist. Es gibt aber ausgewiesene Zeltflächen und Waldstücke, in denen man gratis zelten kann. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Unterständen – Shelter -, die teils gratis genutzt, teils bezahlt werden müssen. Manche kann man reservieren; in manchen wiederum gilt „first come, first serve“.

Leider habe ich immer noch so ein bisschen meine Probleme mit den Sheltern und Gratis-Zeltplätzen. Zum einen ist es ein Komfortproblem: Ich hätte einfach gern Trinkwasser und ein WC in der Nähe. Das ist manchmal der Fall, aber gerade entlang des Gendarmstiens gab es solche „Luxusplätze“ nicht so oft. Und ansonsten ist es eine Kopfsache: Ich fühle mich ganz alleine oft immer noch nicht wohl bzw. mache mir bei den Sheltern auch manchmal Gedanken, wer vielleicht sonst so dort ist. Letztendlich wird das mit mir und den Shelterplätzen wohl nur dann was werden, wenn ich entweder nicht alleine unterwegs bin oder vielleicht mal Bikepacking ausprobiere. Mit dem Fahrrad wäre es dann auch kein Problem, wenn man doch noch ein paar Kilometer weiter zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit fährt.

Daher habe ich einmal auf einem normalen Campingplatz übernachtet (von denen es ein paar entlang des Weges gibt) und zweimal auf einem privaten Zeltplatz. Einer war bei einer alten Dame im Garten und einer war tatsächlich „einsam“ im Wald, aber die Besitzer des Grundstückes wohnten in der Nähe. Ich finde es ganz toll, wenn so etwas angeboten wird. Ich habe jeweils an die 5 Euro gezahlt und hatte ein WC, Wasser und eine überdachte Sitzgelegenheit.

Wenn man also nicht so eine Barriere im Kopf hat wie ich, gibt es in Dänemark etliche Möglichkeiten, um gratis und legal draußen zu übernachten. Aber wenn man etwas mehr Komfort möchte, wird man auf dem Gendarmstien auch fündig. Von den Unterkünften (ein Zimmer in Padborg, eine Gartenhütte in einem Weingarten in Skelde und eine Ferienwohnung bei Fynshav) habe ich keine mehr als einen Tag im Voraus gebucht und hatte trotz Ferienzeit Erfolg.


Ausrüstung

Zum Thema Zelt und Komfort kann ich erfreulicherweise vermelden, dass sich mein Schlaf im Zelt stetig verbessert. Nachdem ich letzten Herbst eine breitere Isomatte gekauft habe, die einen enormen Unterschied macht, ist meine neueste Errungenschaft dieses Jahr ein Quilt statt meinem Mumienschlafsack. Ein Quilt ist anders als ein Schlafsack nicht geschlossen. Man kann ihn bei Wärme offen wie eine Decke nutzen oder ihn bei kälteren Temperaturen an den Füßen zuziehen und ihn an der Matte festschnallen. Das hört sich vermutlich etwas schwer verständlich an, wenn man das noch nie ausprobiert hat, aber ich muss sagen, dass das ein wahrer Gamechanger ist. Ich habe mich nicht so eingeengt gefühlt wie im Schlafsack und als Seitenschläferin, die auch gern mal die Schlafposition ändert, hatte ich darin viel mehr Bewegungsfreiheit.

Ebenfalls sehr erfolgreich war mein Umstieg auf Trailrunning-Schuhe und Zehensocken. Ich habe vor allem letztes Jahr bei meiner langen Wanderung mit Blasen zwischen den Zehen und Schmerzen an den Fußsohlen gekämpft. Nun habe ich Trailrunning-Schuhe ohne Goretex ausprobiert – für mehr Dämpfung und bessere Belüftung. Das hat tatsächlich gut geklappt, auch wenn die Zehensocken vielleicht sogar die wichtigere Änderung waren. Sie sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Zehen können dadurch nicht aneinander reiben und ich hatte diesmal wirklich gar keine Probleme mit Blasen. Nun war es auch nur eine recht kurze Wanderung, aber letztes Jahr haben die Fußprobleme ja auch schon innerhalb der ersten Woche begonnen.

Zur Kleidung gibt es diesmal nicht allzu viel zu sagen; ich hatte das mit, was sich bei vergangenen Wanderungen bereits bewährt hat. Die große Änderung/Neuerung war diesmal das Zelt (samt Schlafausrüstung) und in Verbindung damit auch der größere Rucksack.

Ansonsten hatte ich meine übliche Ausrüstung mit, über die ihr hier mehr lesen könnt. Anders als im letzten Jahr hatte ich zusätzlich noch einen kleinen Esbit-Kocher dabei.

Und dann hatte ich natürlich wieder ein Mini-Aquarellset mit dabei. Natürlich konnte ich mit noch reduzierterem Gepäck und gänzlicher Konzentration aufs Wandern an sich längere Etappen gehen. Aber ich mag meine Mischung aus Wandern, Besichtigen, Lesen und Malen. Besonders das Malen an schönen Plätzen bei Wanderpausen hat mir sehr viel Spaß gemacht und meine Aquarell-Miniaturen sind wie ein kleines Tagebuch meiner Wanderung.


Abschließende Gedanken

Als allgemeines Fazit bleibt mir zu sagen, dass der Gendarmstien ein sehr schöner und lohnenswerter Wanderweg ist. Dänemark hat man ja nicht unbedingt als Destination zum Wandern im Kopf, aber bereits letztes Jahr war ich ganz begeistert und es gibt dort noch einiges mehr, was ich irgendwann erwandern möchte – oder ich probiere es doch mal mit Bikepacking, wofür Dänemark aufgrund der Topografie ja wie prädestiniert ist.

Das Wandern mit Zelt ist für mich noch immer mit manchen Hürden verbunden – sowohl logistische als auch Hürden im Kopf, aber ich taste mich immer mehr heran und weiß inzwischen auch besser, was für mich funktioniert. Eine zweite Christine Thürmer oder Cheryl Strayed werde ich zwar in meinem Leben wohl nicht mehr, aber ich werde weiterhin daran arbeiten meine Komfortzone in kleinen Schritten zu erweitern. Mein „Haupturlaub“ dieses Jahr im Spätsommer wird zwar ganz ohne Zeltausrüstung stattfinden, aber ich mag eben auch die Abwechslung. 🙂

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