Gendarmstien 2: Kløften – Skelde
Die Fakten
28,6 km 240 hm 245 hm
Start: Shelter Kløften
Ziel: Skelde
Schwierigkeit: einfache, aber lange Strecke mit sehr schönen Pfaden und nur wenigen Straßenabschnitten
Obwohl ich mich in meinem Zelt sehr wohl gefühlt habe alleine, war die Nacht eher mittelprächtig. Es war unglaublich schwül – kein Blatt hat sich bewegt und die Luft schien zu tropfen. Noch dazu tauchten schon am Abend etliche Nacktschnecken auf der Wiese auf und ein paar davon krochen auch außen auf mein Zelt rauf. Die verflüchtigten sich dann zum Glück von selbst, während ich frühstückte, aber das Zusammenpacken dauerte dann eine Weile, weil ich mehrmals kontrollierte, ob ich auch wirklich keinen blinden Passagier mit einpackte.
Als ich mich dann auf den Weg machte, war es zwar bewölkt, aber noch immer sehr schwül. Auf den ersten Kilometern kam ich bei unglaublich vielen schönen Rastplätzen vorbei. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich erst später unterwegs gefrühstückt.




Und so viele schöne Häuser stehen hier direkt am Meer. Da überlege ich ja schon, ob ich nicht mal einen Entspannungs- und Badeurlaub in einem Häuschen am Meer machen möchte anstatt zu wandern. 😉


Am Meer wurde es dann auch allmählich etwas angenehmer, zumal auch Wind aufkam. Es ging auf meist sehr schönen Wegen dahin (auch wenn der mit Paletten ausgelegte Weg eher kein Highlight war) und ich kam an einem kleinen Leuchtturm vorbei.





Nach etwa 8 Kilometern machte ich eine Pause und holte wieder meine Malsachen heraus. Ich habe diesmal ein etwas anderes Set mit sehr kleinem Papier mit. Das sind nun wirklich Miniaturbilder und man kann nicht sehr viele Details oder große Panoramabilder malen.

Bald nach dieser Pause erreichte ich Egernsund und nun ging es eine Weile durch Siedlungsgebiet. Ich schaute kurz in die Kirche und kam an ein paar Miniläden vorbei.




Obwohl ich jetzt etwas städtischer unterwegs war, ging es trotzdem wieder die meiste Zeit direkt am Meer entlang, das ich erst verließ, um nach Broager zu gehen.


Der Gendarmstien würde an Broager vorbeiführen, ich machte allerdings einen Abstecher in die Stadt hinein zum Supermarkt und weil ich mir gern die Kirche mit zwei Türmen anschauen wollte.
Die ursprüngliche Kirche wurde bereits 1209 erbaut und dann im Laufe der Jahrhunderte erweitert und restauriert. Die 1924 freigelegten Fresken stammen aus mehreren Zeitepochen vom 13. bis 16. Jahrhundert.






Bei der Kirche traf ich zwei deutsche Radfahrer, mit denen ich mich ein wenig unterhielt und die sehr interessiert am Gendarmstien waren. Die meisten hier – sowohl Einheimische wie auch Urlauber – scheinen den Gendarmstien zu kennen. Und ich finde es sehr schön, dass hier nicht immer die Frage kommt: „Was, du gehst allein wandern – als Frau?“ Irgendwie ist das hier so selbstverständlich und niemand wundert sich; das ist so ein Kontrast zu Österreich.
Im Supermarkt in Broager deckte ich mich mit Mittagessen ein und ging zum Ziegeleimuseum Cathrinesminde, wo ich mich auf eine Picknickbank am Meer setzte, um meinen Salat zu verspeisen. Allerdings war es zu dem Zeitpunkt so windig, dass ich aufpassen musste, damit mir nicht die Salatblätter davonflogen.


Nach meiner späten Mittagspause besichtigte ich noch das Museum und bekam eine sehr freundliche Einführung. In dem ehemaligen Ziegelwerk werden die Geschichte von Cathrinesminde, das von 1732 bis 1968 in Betrieb war, sowie der Ziegelproduktion im Allgemeinen dargestellt. Ein spannendes Museum, das ich vermutlich nicht besichtigt hätte, wenn es mir nicht in Kupfermühle empfohlen worden wäre.
Danach ging es auch wieder die meiste Zeit direkt an der Flensburger Förde entlang. In Brunsnæs überlegte ich kurz eine Abkürzung auf dem Radweg zu nehmen, aber der kleine Pfad am Meer schaute so schön aus, dass ich doch lieber diese längere Variante wählte. Und das lohnte sich auch, weil das ein unglaublich schöner Abschnitt war. Teilweise ging es über kleine Pfade, teilweise weglos am Strand entlang.




Zum Abschluss folgten dann einige Passagen auf der Straße und zwischen Feldern. Obwohl es jetzt nicht mehr so heiß war, kam ich in der Sonne noch immer ziemlich ins Schwitzen.

Hier in der Gegend war es ein bisschen schwierig, einen Schlafplatz mit Zelt zu finden. Ich hatte wieder bei einem privaten Shelter angefragt, dort aber nie eine Reaktion bekommen und Campingplätze waren auch in keiner passenden Distanz. Daher buchte ich letztendlich in Skelde ein kleines Gartenhäuschen,das hier mitten in einem Weingarten steht. Ich wurde von Rosa und Iver freundlich empfangen und das Häuschen war auch ganz entzückend.

Ein paar Meter weiter gab es ein kleines Badezimmer. Das ganze erinnerte mich ein bisschen an norwegische Pilgerherbergen, wenn auch etwas luxuriöser und entsprechend auch etwas teurer. Aber es lohnte sich sehr und ich hatte einen sehr gemütlichen Abend.
Fazit: Eine zwar lange, aber ganz tolle Etappe mit schönen Wegen und interessanten Orten.