Gendarmstien 3: Skelde – Sønderborg
Die Fakten
23,6 km 253 hm 248 hm
Start: Skelde
Ziel: Sønderborg
Schwierigkeit: einige weglose und teils verwachsene Abschnitte am Strand, aber sonst einfache Wege
In meinem kleinen Gartenhäuschen habe ich wunderbar geschlafen. Ich hatte hier die Möglichkeit einen Frühstückskorb zu bekommen und war zunächst unschlüssig, ob ich diese Gelegenheit nutzen sollte, da ich an sich noch mit Porridge-Päckchen versorgt war. Wie bei der Frage Zelt oder richtiges Bett schwanke ich auch bei der Verpflegung oft zwischen Komfortverzicht und einem gewissen Wunsch nach Luxus im Urlaub. Letztendlich gönnte ich mir diesen Luxus und bekam um 8 Uhr einen unglaublichen Frühstückskorb. Da hatte ich auch gleich genug fürs Mittagessen, zumal Rosa auch wirklich an alles gedacht hatte, was man fürs Wandern so brauchen könnte.


So saß ich also draußen und genoss mein Frühstück, ehe ich mich gegen 9 Uhr sehr gemütlich auf den Weg machte. In einem Bogen ging es zurück auf den Gendarmstien. Mein Verbindungsweg dorthin verlief zwar auf der Straße, aber sehr schön zwischen Feldern und vielen Blumenwiesen.


Zurück am originalen Weg kam ich bei ein paar Shelterplätzen vorbei. Diese hatte ich für die Übernachtung in Erwägung gezogen, allerdings wäre dann die ohnehin recht lange 2. Etappe noch um einige Kilometer länger geworden. Und das mit den Sheltern ist bei mir auch immer so eine Sache, da ich mir darüber zu viele Gedanken mache. Was, wenn sie schon belegt sind (bei einigen darf man eigentlich kein Zelt aufstellen) oder ich mich alleine dort nicht wohl fühle oder es dort kein Trinkwasser gibt (die Beschreibungen sind da mitunter etwas unklar)? Aber zu den Sheltern werde ich in meinem Fazit noch ein wenig mehr schreiben.


Der Gendarmstien führte nun auf schönen Wegen wechselweise durch den Wald und an der Küste entlang.



Nach etwa sieben Kilometern erreichte ich einen Campingplatz, wo es noch außerhalb des Platzes ein öffentliches WC inklusive einer Dusche gab. Hier könnte man also sehr gut im Meer baden und anschließend duschen. Auf den Wegweisern war mir schon ab und zu eine Muschel begegnet – nun war sogar auf der Tür des WCs eine zu finden. Hier verläuft der dänische Jakobsweg, der von Kopenhagen und Odense in Ost-West-Richtung durch Dänemark führt. Die Nord-Süd-Verbindung ist ja der Hærvejen, den ich letztes Jahr gewandert bin.


Ich hätte hier vielleicht die Gelegenheit zum Baden nutzen sollen, aber derzeit war es gar nicht so warm und ich legte stattdessen eine Pause zum Malen ein.


An diesem wunderschönen Küstenabschnitt, den ich versucht hatte auf dem Bild festzuhalten, ging es nun entlang. Der Weg führte erstaunlich viel rauf und runter und hatte traumhafte Ausblicke zu bieten.





So hätte ich noch lange dahinwandern können, aber schließlich führte mich der Weg wieder direkt hinunter an den Strand. Hier beschloss ich doch endlich mal das kühle Nass zu genießen. Da hier gar nichts los war, überlegte ich, ob ich einfach nackt baden sollte – dann hätte ich nachher keine nassen Kleidungsstücke. Es war weit und breit niemand zu sehen, aber letztendlich ging ich dann doch mit der Unterwäsche ins Meer. Meine Badeshort befand sich nämlich dummerweise irgendwo ganz unten im Rucksack und ich hatte keine Lust alles auszupacken. Das Wasser war ganz schön kalt, aber wunderbar erfrischend. Und typisch – auf einmal kamen aus beiden Richtungen Wanderer und Spaziergänger, daher war ich froh über meine kleidertechnische Entscheidung.

Bald darauf kam ich tatsächlich an einen Badestrand, wo es sich aber nun aufgrund der aufziehenden Wolken und des zunehmenden Windes allmählich leerte. Ich fand hier einen Picknicktisch für ein spätes Mittagessen und legte eine gemütliche Pause ein. Das war auch ganz gut so, denn danach wurde der Weg richtig abenteuerlich. Ein Schild wies darauf hin, dass die Strecke nun 2,5 Kilometer am Strand entlangführen würde – und dieser Abschnitt bei Flut überschwemmt ist. Das Problem hatte ich zwar zum Glück nicht, aber dennoch sank ich teilweise recht tief in den Sand ein, musste mir einen Weg durch verwachsene Abschnitte bahnen und mich über bzw. unter umgestürzte Bäume hinweg kämpfen.




Schließlich war dieser Abschnitt geschafft und es ging nun wieder auf angenehmeren Wegen weiter.



Erneut ein wunderschöner Weg, wie überhaupt die ganze Etappe bisher.
Nach 16 Kilometern verließ ich den Gendarmstien und bog nach links zu den Düppeler Schanzen ab. Dybbøl Banke bzw. die Düppeler Schanzen waren eine Wehranlage, die im Deutsch-Dänischen Krieg eine entscheidende Rolle spielte. Nach mehrwöchiger Belagerung wurden sie am 18. April 1864 von den Preußen erstürmt. In weiterer Folge verlor Dänemark den Krieg und musste im Frieden von Wien die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Sachsen-Lauenburg an Preußen und Österreich abtreten. Erst 1920 kam Nordschleswig im Zuge einer Volksabstimmung wieder zu Dänemark, während Südschleswig bei Deutschland verblieb. Man kann sich die Düppeler Schanzen anschauen und auch einige Informationen dazu lesen. Noch mehr erfährt man im zugehörigen Museum, das ich allerdings nicht aufsuchte.



Ich besichtigte dafür aber die Düppeler Mühle, die im Krieg von strategischer Bedeutung war und heute als dänisches Nationalsymbol gilt. Daher wird in der Ausstellung nicht nur die Geschichte der Mühle, sondern auch jene der Düppeler Schanzen und Nordschleswigs dargestellt. Die Mühle selbst wurde erstmals 1744 erbaut, musste aber aufgrund von Bränden und Zerstörungen mehrmals wieder aufgebaut werden. In ihrer heutigen Form stammt sie von 1936 und war bis 1990 in Betrieb.


Nach der Besichtigung ging ich nicht zurück auf den Gendarmstien, der bis Sønderborg weiter an der Küste verläuft, sondern auf direktem Wege nach Sønderborg. Die Stadt ist bekannt für das Ringreiterfest, des immer am zweiten Wochenende im Juli stattfindet. Als ich am Schloss vorbeikam, fand dort gerade eine Probe dafür statt und ich bekam also sogar noch einen kleinen Einblick.





Ich checkte am Campingplatz ein und bekam hier sogar noch zwei Semmeln geschenkt, da die Rezeption und der Kiosk bald darauf für den Abend zusperrten. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, machte ich mich nochmal auf zum Supermarkt und kaufte noch etwas Gemüse und Hüttenkäse für die Abendjause, mit der ich es mir am Hafen gemütlich machte.
Fazit: Eine wunderschöne Etappe mit interessanter Geschichtslektion zum Abschluss.