Von Alland nach Klein-Mariazell
Die Fakten
20,2 km 511 hm 465 hm
Start: Alland
Ziel: Klausen-Leopoldsdorf
An-/Abreise: jeweils der Bus 306 von/nach Baden oder Eichgraben-Altlengbach
Schwierigkeit: an sich eine einfache Wanderung, aber teilweise sehr verwachsene und schlecht erkennbare Wege
Meine letzte Wanderung sollte eine eher gemütliche Tour im Wienerwald werden. Ich wollte schon länger nochmal nach Klein-Mariazell wandern, da ich dort zwar 2020 schon bei meiner 2. Etappe der Via Sacra gewesen war, damals aber wegen einer Hochzeit die Kirche nicht besichtigen konnte. Also startete ich am späten Vormittag in Alland und ging, als ich den Ort hinter mir gelassen hatte, erst einmal an Pferdekoppeln vorbei.


Schließlich führte der Weg in den Wald, wo es allerdings nicht allzu viel Schatten gab. Ich folgte hier dem Allander Wanderweg 3.

Nach etwa vier Kilometern verließ ich den Wanderweg 3 und bog in einen kleinen Weg ein, der Richtung Hafnerberg wies und nun blau markiert war.


Bereits nach dem ersten Stück wurde der Weg ziemlich unangenehm zu gehen. In der tiefen, feuchten Erde sank ich tief ein und immer wieder lagen zahlreiche Äste auf dem Weg.


Ich war zwar etwas genervt, aber nicht irritiert, da ich solche Wege öfter mal erlebe. Allerdings wurde ich nach einer Weile misstrauisch, weil ich länger keine Markierung mehr gesehen hatte und mittlerweile mit einer deutlich stärkeren Steigung rechnete. Daher checkte ich meine Wanderapp und stellte fest, dass ich bereits seit mehreren hundert Metern auf dem falschen Weg war – einem Weg, der in der Wanderapp gar nicht erst existierte und auch nicht auf meinen Wanderkarten, wie ich später zuhause feststellte. Daher hatte ich wohl auch nicht gut genug aufgepasst, da ich ja gar nicht mit einer Abzweigung gerechnet hatte. Zum Glück bog hier ein Pfad rechts ab, der steil den Waldhang hinaufführte und mich hoffentlich zu meinem eigentlichen Weg bringen würde. Dieses Verbindungsstück war sehr anstrengend zu gehen, da die lockere Erde bei dem steilen Anstieg sehr rutschig war und auch hier überall Äste lagen. Schließlich hatte ich es aber geschafft und wunderte mich nun nicht mehr, dass ich den markierten Wanderweg übersehen hatte, da dieser komplett verwachsen war. Es gab nun aber wieder in regelmäßigen Abständen blaue Markierungen und zeitweise auch weitere Schilder, also musste ich hier tatsächlich durch.


Ich kämpfte mich also durch teilweise schulterhohes Gestrüpp, Dornen und Spinnweben weiter bergauf, bis ich schließlich endlich auf einem vernünftigen Weg landete.

Hier suchte ich mir erst mal einen Baumstumpf im Schatten und machte eine dringend benötigte Mittagspause. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ein wenig die Nase voll und überlegte, ob ich von Klein-Mariazell einfach auf kürzestem Weg und auf der Straße nach Altenmarkt an der Triesting gehen sollte.
Zunächst hatte ich aber noch ein paar Kilometer bis nach Klein-Mariazell vor mir, die zum Glück nun besser zu gehen waren. Ich traf schließlich auch auf die Via Sacra und hatte nun zumindest für ein Weilchen die von mir erhoffte gemütliche Wanderung.


Schließlich errreichte ich Klein-Mariazell, einen der ältesten Marienwallfahrtsorte in Österreich. Bereits im Jahr 1136 wurde hier ein Benediktinerkloster gegründet. Die zugehörige Stiftskirche wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgestaltet. Besonders im 18. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Blütezeit und die Kirche erhielt ihre prächtige barocke Ausstattung mit Fresken des Malers Johann Wenzel Bergl, der unter anderem auch das Deckenfresko im Augustinerlesesaal, den Gartenpavillion im Stift Melk und einige Räume in Schönbrunn gestaltet hat.
1782 wurde das Kloster im Zuge der Reformen Kaiser Josephs II. aufgehoben, aber auch wenn die Klosteranlage verfiel und zum Teil abgetragen wurde, blieb die Kirche erhalten. In den 1990er-Jahren wurde sie restauriert und als Wallfahrtsort neu belebt.




Auf der Orgelempore gibt es noch das Chorgestühl aus der Zeit der Benediktiner-Mönche zu bewundern.


Im kleinen Klostergarten gibt es einen Themenpfad mit Informationstafeln zu Johann Wenzel Bergl.


Nach dieser kleinen Besichtigung war ich mit dem Weg wieder einigermaßen ausgesöhnt und nach einem Kaffee in der Stiftstaverne beschloss ich, doch meine ursprünglich geplante Route fortzusetzen. Da ich ab jetzt dem Mödlinger Rundwanderweg 448 folgen würde, hoffte ich, dass es keine weiteren Schwierigkeiten mehr geben würde.
Ich verließ Klein-Mariazell Richtung Norden und folgte für etwa drei Kilometer der Straße, ehe schließlich ein Weg leicht bergauf abzweigte. Da es dann gleich wieder durch hohes Gras ging, zippte ich jetzt trotz Wärme die Beine meiner Wanderhose wieder an, um vor Zecken, Spinnen und etwaigen weiteren Dornen geschützt zu sein.


Vorerst war der Weg aber gut zu gehen und ich kam gut voran. Bis der Pfad schließlich auf eine Forststraße stieß, die in der Wanderapp auch wieder nicht existierte.

Der Weg sollte hier einfach geradeaus weitergehen. Oben sieht man die Markierung, wo der Weg auf die Straße stößt, aber auf der anderen Seite konnte ich nirgends einen Weg im Wald erkennen. Nach etwas Herumsuchen erspähte ich hinter hohen Zweigen einen Weg und dort in der Ferne eine Markierung.

Also hier wieder mitten hindurch zum Weg. Zu dem Zeitpunkt wünschte ich mir, ich hätte in der Stiftstaverne zum Kaffee auch einen Apfelstrudel gegessen, aber immerhin fand ich nun unterwegs etliche Walderdbeeren.
Schließlich stieß der Waldweg auf eine weitere, diesmal auch verzeichnete Forstraße, der ich jetzt Richtung Klausen-Leopoldsdorf folgte.

Als ich schon dachte, dass ich „nur“ noch durch die Unterführung unter der Wiener Außenring Autobahn müsste, fand ich mich vor einer Sperre wieder. Als ich gerade die Karte konsultierte, kam ein Einheimischer mit Hund des Weges und erklärte mir, dass ich am Feiertag die Sperre ignorieren könnte, da dann auf der Baustelle nicht gearbeitet wird.


Wir gingen ein Stück gemeinsam, bis ich dann auch schon die Bushaltestelle in Klausen-Leopoldsdorf vor mir hatte. Da ich bis zur Abfahrt des Busses noch eine Weile Zeit hatte, erkundete ich noch den kleinen Regionalshop und wartete dann auf einer Bank im Schatten.


Fazit: Es lohnt sich auf alle Fälle Klein-Mariazell zu besichtigen. Der Weg dorthin war allerdings ziemlich mühsam und abenteuerlicher als gedacht. Dementsprechend würde ich eher empfehlen der Via Sacra zu folgen, die von der ebenfalls sehr schönen Wallfahrtskirche Hafnerberg nach Klein-Mariazell führt.