Sebaldusweg 2: Maria Neustift – Breitenau
Die Fakten
26,5 km 905 hm 823 hm
Start: Maria Neustift/Camping Unterbuchschachner
Ziel: Breitenau/Sebaldus Camping
Schwierigkeit: einfache Wege, aber anstrengende Etappe aufgrund der Länge und der Höhenmeter
Wie so oft, wenn ich im Zelt schlafe, war meine Nacht recht durchwachsen. Von der Weide nebenan war fast die ganze Nacht das Gebimmel von Kuhglocken zu hören (und zwar durch meine Ohropax hindurch) und es war unerwartet kalt. Ich hatte laut Vorhersage mit nächtlichen Temperaturen um die 12 Grad gerechnet, aber tatsächlich waren es dann deutlich unter 10 Grad. Als ich mich am Morgen aus dem warmen Schlafsack hinaus wagte, musste ich feststellen, dass das Außenzelt tropfnass war. Durch die starken Temperaturunterschiede und die Lage des Campingplatzes in einer Talsenke und direkt an einem Bach gab es sehr viel Kondensation. Ich bemühte mich zwar das Zelt abzuwischen, musste es aber dann doch ziemlich nass einpacken.
Zumindest wurde mir dann aber gleich warm, als ich loswanderte, da es nach Maria Neustift über Wiesen kräftig bergauf ging. Ich musste auch wieder eine Weide queren und wurde von zwar anscheinend freundlichen, aber sehr neugierigen Kühen verfolgt, was dazu führte, dass ich mein Tempo ziemlich beschleunigte. Zumindest wurde ich für den anstrengenden Start bald darauf belohnt, als ich bei einer Kapelle etwas oberhalb von Maria Neustift traumhafte Blicke hatte.


In Maria Neustift machte ich eine kleine Pause für einen Morgenkaffee und besichtigte die Wallfahrtskirche, auch wenn ich diese vom Voralpenweg schon kannte. Hier war alles geschmückt und vorbereitet für eine Hochzeit. Als ich die Kirche verließ, kam gerade eine größere Pilgergruppe an, die auf dem Weg nach Mariazell war.


Für mich ging es zunächst auf einer Straße, dann auf Wald- und Wiesenwegen weiter bergauf. Bald hatte ich einen schönen Blick zurück auf Maria Neustift.

Danach folgte einer der schönsten Abschnitte an diesem Tag, als ich an Blumenwiesen vorbei über eine Hügelkuppe wanderte und dabei traumhafte Ausblicke hatte.




Von hier könnte man weiter hinauf zur Freithofbergalm wandern, allerdings müsste man für den Sebaldusweg wieder hierher retour gehen, worauf eine Informationstafel auch deutlich hinwies. Auf diesen Abstecher verzichtete ich lieber und folgte dem Weg, der nun erst einmal bergab führte.


Nachdem ich die Großraminger Straße gequert hatte, ging es erneut bergauf und zwar nun in einer längeren Steigung Richtung Lindaumauer. Bei einem Hof bot mir ein freundlicher Bauer Wasser an, was bei den mittlerweile schweißtreibenden Temperaturen sehr willkommen war. Erfrischt ging ich also weiter bergauf und war wenig erfreut, als ich bald darauf eine weitere Kuhweide vor mir hatte – wo die Kühe sich alle genau vor der Zauntreppe versammelten. Sie machten zwar keinen aggressiven Eindruck, aber ich hätte mich von der Zauntreppe nahezu durch sie hindurchquetschen müssen, worauf ich sehr wenig Lust hatte. Letztendlich schlug ich mich für ein Stück durch den Wald, ehe ich die Kühe hinter mir gelassen hatte.

Nun ging es kräftig bergauf und ich kam ordentlich ins Schnaufen. Angesichts der eh schon anstrengenden Etappe und meinem schweren Rucksack verzichtete ich auf einen Abstecher zur Lindaumauer. Somit erreichte ich nach etwa 10 Kilometern meinen heute höchsten Punkt mit knapp 1000 Metern und nutzte einen Felsen als Rastplatz.

Als ich hier meine Jause verzehrte, kamen zwei Wanderinnen daher, die eine Tagestour zur Lindaumauer machten. Wir unterhielten uns ein Weilchen und sie erzählten mir, dass sie ein älteres Ehepaar getroffen hätten, das auch den Sebaldusweg geht. Das müssen dieselben gewesen sein, die ich auch schon am Vortag getroffen hatte. Schließlich zogen wir wieder unserer Wege – die beiden hinauf zur Lindaumauer, ich auf einem Waldweg bergab.


Als der Weg wieder aus dem Wald hinausführte, hatte ich weitere tolle Ausblicke, ehe es erneut in den Wald ging. Zumindest musste ich dadurch nie allzu lange in der prallen Sonne gehen.





Bei einem Haus gab es ein sehr nettes und verlockendes Angebot, aber da ich noch mit ausreichend Wasser versorgt war, läutete ich nicht an. Als ich danach erst einmal für eine Weile auf der Straße ohne Schatten unterwegs war, hätte ich mir aber doch ein kühles Getränk gewünscht (mein Wasser war zu dem Zeitpunkt eher schon eine warme Suppe).


Leider gab es jetzt auf den nächsten Kilometern bis Gaflenz keinen Schatten mehr. Ich erreichte daher Gaflenz mit hängender Zunge und suchte den Dorfladen auf, um mich nun doch mit einer Erfrischung und Gemüse sowie Hüttenkäse für mein Abendessen einzudecken. In Gaflenz gab es auch eine weitere Stempelbox und ein öffentliches WC – also alles, was das Wanderherz so begehrt.


Hier hätte ich jetzt gern auch für den heutigen Tag Schluss gemacht, aber ich hatte noch vier Kilometer bis zum Campingplatz vor mir. Diese letzte Stunde zog sich ziemlich, da es die ganze Zeit an der Straße entlangging und zwar ab und zu durch schattigen Wald, meistens aber durch die Sonne, die jetzt am Nachmittag erbarmungslos herunterbrannte.
Schließlich erreichte ich aber den nagelneuen Campingplatz, der passenderweise „Sebaldus Camping“ heißt und direkt auf einem Bauernhof liegt. Ich freute mich über eine kalte Dusche, wusch auch meine Kleidung und packte schließlich nach dem Abendessen wieder meine Malsachen aus. Lustigerweise erweckt der Ausschnitt des Bildes den Eindruck, als würde mein Zelt einsam in der Landschaft stehen – dabei waren links davon ein paar Campingwägen und rechts mähte der Bauer gerade die Wiese.


Fazit: Eine sehr schöne Etappe mit tollen Ausblicken, die durch die unerwartet hohen Temperaturen allerdings ziemlich anstrengend war. Vor allem die letzten Kilometer zogen sich ziemlich. Wenn man nicht zum Campingplatz geht, hat man allerdings einen anderen Weg aus Gaflenz hinaus – nämlich hinauf zur Sebalduskirche am Heiligenstein. Aber dazu mehr bei der dritten Etappe.