Wege in Österreich

Sebaldusweg 1: Losenstein – Maria Neustift

Die Fakten
21,4 km 915 hm 794 hm
Start: Losenstein
Ziel: Maria Neustift/Camping Unterbuchschachner
An- und Abreise: R 58 von Amstetten nach Kastenreith und weiter mit dem R 1 nach Losenstein; ich habe in Maria Neustift übernachtet, aber an Werktagen fährt der Bus 441 nach Steyr
Schwierigkeit: trotz vieler Höhenmeter nur gemäßigte An- und Abstiege; lediglich vom Spadenberg hinunter kann es bei Nässe ziemlich rutschig sein

Seit 2020 gibt es im oberösterreichischen Ennstal mit dem Sebaldusweg einen neuen Pilgerweg. Der Heilige Sebaldus von Nürnberg war ein Einsiedler im 8. Jahrhundert, der am Heiligenstein zwischen Gaflenz und Weyer angeblich längere Zeit in einer Höhle lebte, als er auf dem Weg von Rom nach Nürnberg war. Der Heiligenstein mit der Sebalduskapelle und später einer Kirche war ein beliebter Wallfahrtsort vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhunder. Der heutige Sebaldusweg führt in 3 bis 4 Etappen über Großraming, Losenstein, Laussa, Maria Neustift, Gaflenz und Weyer. Da es sich um einen Rundweg handelt, kann man überall einsteigen.

Meine Etappeneinteilung ergab sich aus der Verfügbarkeit von Campingplätzen und öffentlichen Verkehrsmitteln, die auch an Feiertagen verkehren, da ich mich an diesem Pfingstwochenende auf den Weg begeben habe. Das hat allerdings auch zu einer größeren Umplanung am ersten Tag geführt – dazu unten mehr.

Am Freitag startete ich relativ schwer bepackt mit Zelt in Losenstein meine erste Etappe. In der Pfarrkirche von Losenstein konnte ich mir passend zum Einstieg auch gleich meinen ersten Stempel holen.

Auf einem kleinen Weg ging es gleich bergauf aus dem Ort hinaus und auf einen Güterweg, der mich in langgezogenen Serpentinen weiter bergauf brachte. Bald hatte ich einen schönen Blick zurück auf die Burgruine Losenstein.

Nach drei Kilometern zweigte ein Schotterweg rechts ab, der Richtung Ramlerhöhe führte und bald weitere schöne Ausblicke ermöglichte.

Ein Mostbrunnen lockt zu einem Abstecher auf die Ramlerhöhe. Da ich an diesem Tag noch genug Höhenmeter bewältigen würde und die Aussicht auch jetzt schon ausreichend schön war, verzichtete ich darauf aber und folgte dem Sebaldusweg direkt zur Fatimakapelle, wo ich meine Mittagspause machte.

Beim Sauzahn verließ ich den Sebaldusweg und machte eine größere Abkürzung. Der Originalweg würde über Laussa führen und von dort auf den Sonnberg und Willeitenberg. Da ich einen Großteil dieses Weges schon bei der 10. Etappe des Voralpenweges gegangen war und es mir an diesem Tag sonst mit der Anreise zu lang geworden wäre, kürzte ich hier ab. Der übersprungene Abschnitt ist aber wunderschön und lohnt sich sehr. Wenn man ihn also noch nicht kennt und eine Möglichkeit hat die Etappen etwas anders einzuteilen, würde ich ihn auf keinen Fall auslassen.

Ich zweigte nun also auf einen Wiesenweg ab, der mich bald darauf über eine Kuhweide führte. Das mag ich ja nie besonders, aber aus aktuellem Anlass war ich darauf noch weniger erpicht als sonst. In meinem Fall waren aber zum Glück keine Kälber dabei und die Kühe wirkten tiefenentspannt.

Bei traumhaften Ausblicken und vorbei an blühenden Blumenwiesen ging ich Richtung Windpark Laussa, wo ich wieder auf den Sebaldusweg stieß. Auch der oberösterreichische Mariazellerweg verläuft hier, wie unschwer zu erkennen.

Da ich bergauf in der Sonne und mit dem Zelt im Rucksack ordentlich ins Schwitzen gekommen war, legte ich bei einem Rastplatz eine Trinkpause ein. Gerade als ich wieder weitergehen wollte, stieß ein älteres Ehepaar zu mir, das ebenfalls auf dem Sebaldusweg unterwegs war. Da sie eine fixe Unterkunft in Laussa hatten und den angebotenen Shuttledienst nutzten, waren sie allerdings mit deutlich leichterem Gepäck unterwegs. Wir verabschiedeten uns und waren gespannt, ob wir uns wohl nochmal begegnen würden.

Für mich begann nun der bekannte Teil der heutigen Etappe, da ich die nächsten Kilometer bis zur Glasnerhütte bereits von der oben erwähnten Etappe auf dem Voralpenweg kannte. Damals war ich sie im Winter und in umgekehrte Richtung gegangen, daher wurde es mir bei der Wiederholung nicht langweilig – aber das wäre es ohnehin nicht bei diesen traumhaften Ausblicken.

Ich war aber auch nicht unglücklich, als ich in den schattigen Wald eintauchen könnte, auch wenn es mit den Fernblicken damit erst mal vorbei war. Es ging noch einmal bergauf zum Spadenberg und dann auf einem teilweise recht rutschigen Pfad bergab. Ich war froh, dass ich einen Wanderstock dabei hatte und hoffte, dass das ältere Ehepaar (das ohne Stöcke unterwegs war) diesen Abschnitt auch gut hinter sich bringen würde.

Schließlich erreichte ich die Glasnerhütte, wo ich auch schon schöne Blicke auf Maria Neustift hatte.

Damals bei meiner winterlichen Wanderung hatte die Hütte geschlossen gehabt, aber nun war sie offen und ich gönnte mir im Wissen auf mein eher karges Abendessen einen Jausenteller und einen Apfelsaft, ehe ich die letzten vier Kilometer zum Campingplatz in Angriff nahm. Über Wiesen und kleine Waldwege ging es hinunter in einen Talkessel zum Camping Unterbuchschachner, der zum Ferienhof Pfaffenlehen gehört, wo man auch Zimmer buchen kann. Aber ich hatte ja mein eigenes Zimmer dabei und suchte mir dafür ein schönes Plätzchen.

Der Campingplatz ist relativ klein und großteils von Dauercampern belegt. Dazu gibt es einige Plätze für Tagesgäste, aber in diesem Bereich war ich die einzige. Deshalb und weil man in Österreich irgendwie immer Aufsehen erregt, wenn man mit einem Zelt zu Fuß unterwegs ist, schauten von den Dauercampern einige neugierig bei mir vorbei. Ich kochte mir noch ein kleines Tassensüppchen und einen Tee und malte noch ein wenig, ehe es schon bald empfindlich kalt wurde und ich in meinem Schlafsack flüchtete.

Fazit: Eine sehr schöne Etappe und der perfekte erste Tag auf dem Sebaldusweg. Auch der Campingplatz ist sehr gemütlich, mit ganz tollen Sanitäranlagen und schönen Stellplätzen. Kann ich sehr empfehlen, auch wenn meine Nacht eher durchwachsen war.

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