Wege in Österreich

2 Tage in der Wachau: Von Melk über Emmersdorf nach Willendorf

Mitte Oktober war noch einmal (spät)sommerliche Wärme angesagt, daher beschloss ich nochmal mit meinem Zelt loszuziehen, ehe es dafür zu kalt wäre (so hartgesotten bin ich noch nicht, dass ich bei winterlichen Temperaturen zelten möchte ;-)). Nach etwas Herumrecherchieren beschloss ich, am Freitag direkt von der Arbeit aus nach Melk zu fahren, von dort eine kurze Wanderung nach Emmersdorf zu machen und am Samstag dann eine etwas längere Tour über Maria Laach nach Willendorf. Im Zuge dessen habe ich auch meine alten Beiträge vom Welterbesteig Wachau überarbeitet und freigeschaltet, da ich auf diese stellenweise Bezug nehme.

Hier nun mein Bericht von beiden Tagen; die Karten der beiden Etappen gibt es ganz am Ende des Beitrags:

Freitag: Von Melk nach Emmersdorf

Die Fakten
11 km 201 hm 219 hm
Start: Bahnhof Melk
Ziel: Donaucamping Emmersdorf

Am Freitag verließ ich am Nachmittag das Büro mit meinem Rucksack und fuhr mit dem Cityjet nach Melk, wo sich der Weg durch die Stadt unerwartet beschwerlich gestaltete: Es war Kirtag und ich konnte mich nur im Schneckentempo durch die Menschenmassen schieben. Später las ich in den NÖN einen Artikel darüber, der folgendermaßen begann: „Morgen ist der 13. Oktober – und das heißt alle Jahre wieder: Ausnahmezustand in Melk. Der Kolomanikirtag diesen Freitag wird die Massen in die Stadt locken.“ Ja, das kann ich so bestätigen!

Als ich schließlich die Stadt hinter mir gelassen hatte und Richtung Donaukraftwerk ging, wurde es ruhiger und ich begegnete nur noch einzelnen Radfahrern. Für mich ging es ab jetzt an der 8. Etappe des Welterbesteigs Wachau entlang, die ich im Mai 2021 schon einmal in umgekehrte Richtung gegangen war. Der Weg führte mich über das Kraftwerk, von wo aus ich noch einmal einen Blick zum Stift Melk hatte.

Von hier ging es nun durch Hohlwege leicht bergauf nach Rantenberg. Hier hatte ich bei meiner damaligen Tour vergeblich den Stempel für den Welterbesteig gesucht, aber inzwischen gibt es eine neue Stempelbox und so konnte ich die letzte Lücke in meinem Stempelpass schließen (auch wenn der Stempel leider nicht gut sichtbar ist).

Von Rantenberg ging es nun vorbei an noch sonnigen Feldern und durch schon dämmrige Wälder hinunter nach Emmersdorf, wo ich mich im Selbstbedienungs-Genussladen noch mit Abendessen eindeckte.

Genau rechtzeitig, um vor der Dunkelheit das Zelt aufzustellen, erreichte ich den Campingplatz in Emmersdorf. Der Platzwart wollte mich hier noch zur Buchung eines Campingfasses verführen, aber wozu hätte ich denn dann extra mein Zelt mitgeschleppt. Ich blieb also standhaft und errichtete mein Zelt auf dem zu dieser Jahreszeit schon sehr ruhigen Platz.

Den restlichen Abend verbrachte ich dann mit Lesen und Teetrinken. Es gibt auf dem Campingplatz einige schöne Sitzbänke sowie eine Miniküche mit Wasserkocher und beides nutzte ich ausgiebig. Als es dann doch ziemlich kalt wurde, kuschelte ich mich im Zelt in den warmen Schlafsack und freute mich über die (trotz Straßennähe) relative Ruhe – bis um etwa 21 Uhr eine feuchtfröhliche Gesellschaft auf den Campingplatz heimkehrte, wo sie ihre Feier erst einmal fortsetzten. Zum Glück kehrte aber kurz nach 23 Uhr doch einigermaßen Ruhe ein.

Samstag: Von Emmersdorf nach Willendorf

Die Fakten
20,2 km 575 hm 555 hm
Start: Donaucamping Emmersdorf
Ziel: Bahnhof Willendorf

Nach einer mäßig guten Nacht (auch aufblasbare Isomatten sind leider kein Ersatz für eine richtige Matratze) wurde ich um etwa 5 Uhr wach, aber da es um diese Zeit noch finster und sehr kalt war, blieb ich noch liegen und döste vor mich hin. Um kurz vor 7 hüllte ich mich in meine Daunenjacke, die mir nachts als Kopfpolster gedient hatte und machte Frühstück, das ich am Ufer der Donau genoss.

Bis ich dann das Zelt abgebaut und alles zusammengepackt hatte, war es schon nach 8 Uhr und in der Sonne so warm, dass ich im T-Shirt loswandern konnte. Für den ersten Teil der Strecke folgte ich der Jauerling-Runde und den entsprechenden gelben Markierungen. Es ging zunächst in Emmersdorf an der Kirche St. Nikolaus vorbei und an der Straße entlang durch Felder und die Ortschaften Großam und Grimsing.

Von Grimsing führte mich der Weg nun bergauf durch die idyllische Grimsinger Schlucht. Umso höher ich kam, umso herbstlicher wurde die Landschaft.

In Zintring verließ ich die Jauerling-Runde und wählte einen direkteren Weg nach Maria Laach. Dieser führte mich zwar großteils über eine Straße, aber es waren kaum Autos unterwegs. Da inzwischen der Wind ziemlich auffrischte, war es allerdings auf dem recht ungeschützten Weg stellenweise recht ungemütlich. Zur frühen Mittagszeit erreichte ich Maria Laach, das die reinste Wanderoase ist: Es gibt nicht nur viele Sitzgelegenheiten und Wanderkarten, sondern auch ein öffentliches WC und einen rund um die Uhr geöffneten Selbstbedienungs-Bauernmarkt. Diesen kannte ich schon von einer Wanderung, die ich hier vor zwei Jahren mit einer Freundin unternommen hatte. Ich hatte mich schon den ganzen Vormittag auf den Kaffee und die Jauerlinger Mosteckerl gefreut und deckte mich entsprechend für die Mittagspause ein. Im Gästebuch, das in dem Laden aufliegt, fand ich sogar noch unseren Eintrag vom Oktober 2021.

Nach der Mittagspause, die wegen des starken Windes eher kurz ausfiel, machte ich mich wieder auf den Weg und folgte nun für die nächsten drei Kilometer dem Welterbesteig Wachau. Es ging begleitet von schönen Panoramablicken über Straßen und durch Wälder.

Bei Schleinkhof, wo der Welterbesteig rechts nach Aggsbach Markt hinunterführt, wandte ich mich nach links und folgte einer Markierung nach Willendorf. Der Waldweg war zunächst etwas verwachsen und führte dann in Serpentinen hinunter an die Donau, wo ich einen schönen Blick auf die Burgruine Aggstein hatte. Diese hatte ich 2021 bei einer meiner Wanderungen am Welterbesteig Wachau besichtigt.

An der Donau entlang ging es nun zu meinem heutigen Ziel Willendorf, wo 1908 mit der altsteinzeitlichen Venus von Willendorf einer der bekanntesten archäologischen Funde von Österreich gemacht wurde. Die Statuette selbst steht im Naturhistorischen Museum in Wien, aber in Willendorf gibt es ein kleines Museum und am Fundort eine überdimensionale Nachbildung. So konnte ich dann mit der vielleicht berühmtesten Frau von Österreich noch ein Selfie machen. 😉

Nach Besichtigung des Museums brachte mich die Wachaubahn nach Krems. Dank netten Gesprächen mit einer Mitreisenden und schönen Blicken auf die Wachau war das eine sehr kurzweilige Zugfahrt. In Krems konnte ich mir in der Touristeninformation mit der nun kompletten Stempelkarte die goldene Wandernadel für den Welterbesteig Wachau holen, ehe ich mit dem Zug zurück nach Wien fuhr.

Fazit: Eine sehr schöne Tour, die perfekt für diese warmen Tage geeignet war. Die Etappe Melk-Emmersdorf hatte ich bei meiner ersten Wanderung bei ganz anderem Wetter erlebt, daher war das eine lohnenswerte Wiederbegehung.

3 Comments

  • Konstanze

    Ich muss zugeben, dass die Campingfässer sehr gemütlich aussehen, auch wenn es schade ist, dass so viele Autos davor geparkt sind. Ich kann aber verstehen, dass du dein Zelt auch nutzen wolltest – und vermutlich war es insgesamt so für dich auch ruhiger, selbst wenn die Zeltwände die „Afterparty“-Geräusche nicht besonders gut abgehalten haben.

    Gratuliere zur goldenen Wandernadel! (Oh, und was mir gerade noch einfällt: Ich habe eben in einem Blogbeitrag eine Anmerkung zu Wanderwegen in Estland gelesen. Die sollen wohl sehr gut gepflegt und mit Toiletten und Ruheplätzen ausgestattet sein. Das wäre doch mal ein Ziel für dich (und sei es nur, weil deine Blogleser dann wieder schöne Fotos genießen könnten). 😉 )

    • Judith

      Es wäre sicher sehr gemütlich in so einem Fass gewesen, aber da ich ja extra mit Zelt losgezogen bin, um dieses vor dem Winter nochmal zum Einsatz zu bringen, hätte das ein wenig den Sinn meiner Wanderung untergraben. *g*
      Dass Estland sehr gut ausgestattete Wanderwege und viele Möglichkeiten zum Zelten hat, ist mir vor kurzem auch mal untergekommen.

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