Weitwanderwege

Welterbesteig Wachau 1: Krems – Dürnstein

Die Fakten
12,4 km 365 hm 370 hm
Start: Krems
Ziel: Dürnstein
Etappenbeschreibung und Karte

Diese Wanderung habe ich bereits im September 2020 unternommen, aber ich fand es schwierig darüber einen Beitrag zu verfassen. Einerseits, weil ich so viele Fotos hatte und es schwer fand eine Auswahl zu treffen; andererseits, weil es ein paar nervige Momente gab, bei denen ich nicht recht wusste, wie ich sie beschreiben sollte.

Zuerst aber ein paar Worte zum Welterbesteig Wachau: Dieser führt in 14 Etappen durch die Welterberegion Wachau, zunächst am Nordufer der Donau von Krems nach Melk und dann am Südufer wieder zurück nach Krems. Er gehört zusammen mit drei anderen Weitwanderwegen zu den „Best Trails of Austria“. Durch die sehr gute öffentliche Erreichbarkeit aller Start-/Endpunkte können die einzelnen Etappen von Wien aus sehr gut auch als Tagestouren unternommen werden.

Und so habe ich mich also an einem sehr heißen Spätsommertag am Vormittag auf den Weg gemacht, um die erste Etappe zu gehen. Vom Bahnhof Krems führte der Weg zunächst durch den historischen Stadtkern und dann zum Alauntalweg hinauf, wo ich bald erste schöne Blicke auf Krems hatte.

Was mir von Anfang an auffiel, war die sehr gute Kennzeichnung des Weges. Das Symbol des Welterbesteigs findet sich beinahe schon absurd häufig so ziemlich überall – auf Steinen, Bäumen, Leitplanken, … Zusätzlich gab es immer wieder auch eine ausführliche Beschilderung mit Wegangaben. Ich hatte ja bei einigen Wanderungen schon meine liebe Not mit der Wegkennzeichung, aber hier hatte ich das Gefühl, dass es schwierig wäre den Weg nicht zu finden.

Als ich eine knappe Stunde unterwegs war und Krems allmählich hinter mir ließ, tauchte hinter mir eine Gruppe junger Männer auf, mit reichlich Bierdosen ausgestattet und lautstark Schlagermusik horchend. Ich war vor allem von der lauten Musik über Lautsprecher sehr genervt – die meisten Menschen gehen nicht in die Natur, um dort mit Musik zwangsbeglückt zu werden. Um etwas Abstand zwischen uns zu bringen, entschloss ich mich für eine erste kleine Pause, während der ich einen Apfel aß und las. Als ich davon ausging, dass die Gruppe nun weit genug voraus sein müssten, machte ich mich auch wieder auf den Weg.

Landschaftlich waren die nächsten Kilometer traumhaft, mit wunderschönen Blicken über die Donau, die Weinberge und zurück nach Krems. Ich kann mir gut vorstellen, was für ein prächtiges Farbenspiel man hier im Spätherbst erleben würde.

 Da es nur ab und zu sanft bergauf ging, war der Weg sehr angenehm und leicht zu gehen, auch wenn ich ziemlich in der Sonne gebraten wurde.

Leider dauerte es nicht lange, bis ich wieder die Schlagermusik vernahm. Als ich bei einer Wegbiegung erneut auf die Gruppe stieß, die dort Fotos machte, legte ich einen Zahn zu, um sie nun hinter mir zu lassen. Zunächst rechnete ich ständig damit, dass ich hinter mir bald wieder die Musik hören würde, aber als das nicht der Fall war, entspannte ich mich und konnte die Skulpturen genießen, die nun den Weg säumten.

Immer öfter ging es jetzt auch durch Wälder und an interessanten Felsformationen vorbei, ehe sich mir schließlich ein erster Blick auf die Burgruine Dürnstein bot.

Eigentlich würde die erste Etappe direkt hinunter nach Dürnstein führen und die Ruine erst am Beginn der zweiten Etappe auf dem Plan stehen, aber ich entschied mich für einen Abstecher zur Burg. Diese ist dafür bekannt, dass König Richard Löwenherz hier auf seiner Heimkehr vom Kreuzzug gefangen gehalten wurde. Auf dem Weg hinauf zur Burg gab es daher auch einige Infotafeln, die von der Geschichte der Burg und der Gefangennahme berichteten.

Von der Ruine, wo einiges los war, hatte ich auch einen schönen Blick auf die Barockstadt Dürnstein und über die Donau.

Als Abstieg hinunter nach Dürnstein wählte ich den Eselsteig, der im Vergleich zum etwas längeren Weg über die Forststraße als „schwierige Variante“ bezeichnet wurde, die „festes Schuhwerk“ erfordert. Der Steig führte teilweise recht einfach über Stufen, teilweise aber auch etwas herausfordernder eine steilen, schmalen Pfad hinab. Ich war daher etwas überrascht, dass mir nicht nur zahlreiche Erwachsene mit absolut ungeeignetem Schuhwerk entgegenkamen, sondern diese oft auch kleinere Kinder mit Flip Flops dabei hatten. Umso irritierter war ich daher, als ich unten in Dürnstein beim Einstieg des Eselsteigs ebenfalls zwei Tafeln mit einem Hinweis auf das erforderliche Schuhwerk sah.

Okay, es handelt sich hier nicht um einen alpinen Klettersteig, aber wenn man kleine Kinder trotz solcher Hinweise ungerührt mit Flipflops mitnimmt, finde ich das ziemlich fahrlässig.

Nach der Beschallung durch die Schlagermusik war ich daher jetzt zum zweiten Mal genervt und das setzte sich leider unten in Dürnstein fort. Es handelt sich wirklich um ein malerisches Städtchen, aber die Altstadt war sehr überlaufen und Abstand halten war eine Herausforderung. Auf den Fotos macht es gar keinen so vollen Eindruck (zumal ich natürlich versuchte niemanden aus nächster Nähe zu fotografieren), aber ich fühlte mich ziemlich überfordert von dem ganzen Gewusel – und auch von den horrenden Preisen, die man hier etwa für ein Eis oder einen Kaffe zu zahlen hatte. Als ich bei Wanderplänen im Oktober die Wachau ins Auge fasste, ließen mich auch die Übernachtungspreise ziemlich mit den Ohren schlackern.

Ich verweilte also nicht mehr allzu lange in Dürnstein, sondern machte mich mit dem Bus auf den Weg zurück nach Krems.

Mein Fazit nach diesem sehr langen Beitrag: Die erste Etappe des Welterbesteigs ist landschaftlich traumhaft schön; ich konnte mich kaum sattsehen an dem Panorama, das sich mir bot. Die Beschilderung ist außerdem vorbildlich. Die Gegend – zumindest Dürnstein und dessen nähere Umgebung – scheint aber touristisch ziemlich überlaufen zu sein und die Preise spiegeln das deutlich wieder. Alles in allem war das also ein etwas durchwachsenes Erlebnis, das mir aber trotzdem sehr viel Lust auf weitere Etappen des Welterbesteigs gemacht hat. Ich glaube auch, dass es auf den anderen Etappen etwas ruhiger sein sein und hoffe, dass ich bald Gelegenheit haben werde auf diesen zu wandern.

7 Comments

  • Konstanze

    Erst einmal muss ich zugeben, dass ich gerade ziemliche Probleme hatte das Wort „Welterbesteig“ zu erfassen, weil ich es wie „Welter-Besteig“ lass und das klang schon etwas komisch. *g* Dann kann ich deine Genervtheit angesichts der ur-österreichischen „Wandertruppe“ sehr, sehr gut verstehen. Als ich früher noch regelmäßig mit dem Hund im Wiehengebirge unterwegs war, gab es so einige Tage im Jahr (Himmelfahrt! *uff*), wo meine ruhigend und abgelegenen Spazierwege eher ans Oktoberfest erinnerten. Weder die Gesellschaft, noch die Musik sind Dinge, die man auf einer Wanderung zur Begleitung haben möchte. Und ich kann auch sehr gut verstehen, dass dich die Verantwortlungslosigkeit so einiger „Mitwanderer“ – gerade angesichts der guten und unmissverständlichen Beschilderung – verstehen. Diese Personen bringen ja nicht nur sich selber in Gefahr, sondern auch ihre Kinder … Dummerweise gibt es zu viele Menschen, die Warnhinweise und Regeln nicht ernst nehmen und denken, dass sie für sie schon nicht gelten. *seufz*

    Ich finde es schön zu hören, dass der Weg so gut ausgeschildert war und nun frage ich mich, ob andere Wege auch so intensiv ausgewiesen würden, wenn dort das Tourismusaufkommen ebenfalls so hoch wäre. *g* Die Aussichte, die du auf denen Fotos zeigst, sind einfach traumhaft und ich mag sogar die Kunst am Wegesrand, obwohl ich da sonst gern ganz banausenhaft dran vorbei gehe. 😉

    • Tine

      Haha, ich wollte gerade genau das gleiche schreiben, wie du in deinem ersten Satz. 😀 Ich habe auch richtig lange gebraucht. Und auch ansonsten stimme ich dir absolut zu. Diese Männertruppe hätte mich auch richtig doll genervt. Ich mag so rücksichtloses Verhalten überhaupt nicht. „Wir wollen Musik hören, also müssen alle anderen das auch!“ – Die Art zu denken, ist mir sowas von fremd.

      Ansonsten finde ich die Bilder aber auch absolut beeindruckend und kann mir gut vorstellen, wie toll der Blick war!

      • Neyasha

        Haha, auf die Idee, dass man es als Welter-Besteig lesen könnte, bin ich gar nicht gekommen, aber hier sind einfach der Weg und die Wachau als „Weltkulturerberegion“ so bekannt, dass es sich von selbst erklärt.

        Mir ist so ein rücksichtsloses Verhalten ja auch sehr fremd, daher nervt es mich umso mehr. Vor allem, wenn ja offenkundig ist, dass da so einige andere Wanderer unterwegs sind (wenn man sich komplett alleine wähnt, kann ich das noch eher verstehen).
        Was das Tourismusaufkommen und die Beschilderung betrifft: Der Welterbesteig wurde bewusst geschaffen, um die Gegend auch für Wanderer reizvoller zu machen, weil das sonst ein klassisches Radfahr-Gebiet ist (also nicht auf demselben Weg natürlich, sondern unten an der Donau entlang). Und da genug Geld vom Tourismus in die Region fließt, konnte man das wohl entsprechend professionell aufziehen.

        • Konstanze

          Der Begriff „Welterbe“ ist ja auch verbreitet genug, aber irgendwie hatte ich bei der Länge des Wortes dann doch ein Brett vor dem Kopf. *g*

          Schade, dass in anderen Gebieten nicht erst das Geld investiert wird, dass dann dafür sorgt, dass die gut beschrifteten und verwalteten Wege auch Touristen anziehen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch schön, dass es für dich noch Ecken gibt, die nicht so überlaufen sind, auch wenn das für den einen oder anderen abenteuerlichen Umweg sorgt. 🙂

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