Weitwanderwege

Welterbesteig Wachau 2: Dürnstein – Weißenkirchen

Die Fakten
16,7 km 509 hm 512 hm
Start: Dürnstein
Ziel: Weißenkirchen
Etappenbeschreibung und Karte

In diesem Jahr war ich abgesehen von einem Ausflug im Jänner bisher nur in bzw. am Stadtrand von Wien unterwegs, aber gestern setzte ich endlich den Welterbesteig Wachau fort. Die erste Etappe war ich bereits letzten Herbst gegangen – meine Beschreibung der ersten Etappe sowie dieses Weitwanderweges ganz allgemein könnt ihr hier finden.

Als ich am Vormittag in Dürnstein aus dem Bus stieg, war es dort deutlich ruhiger als bei meinem letzten Besuch im September, was aufgrund der noch gesperrten Übernachtungsbetriebe und Gastronomie nicht überraschend war. Ich ging aber gar nicht wirklich in den Ort hinein, sondern schlug gleich den Weg hinauf zur Burgruine Dürnstein ein.

Nach schweißtreibenden 15 Minuten steil bergauf erreichte ich den unteren Eingang zur Ruine und überlegte, ob ich noch einmal einen Abstecher hinauf machen sollte. Der eigentliche Wanderweg führt unten vorbei und ich war ja bereits im Herbst bei der Ruine gewesen. Da diesmal aber etwas weniger hier los war, wollte ich doch die Gelegenheit nutzen, mir die Burg in Ruhe anzusehen. Die zusätzlichen Höhenmeter lohnten sich schon alleine für diesen malerischen Blick durch ein Burgfenster hinunter auf Dürnstein.

Danach ging es weiter auf dem eigentlichen Weg, der durch Wald und über Fels noch eine ganze Weile weiter mitunter steil bergauf führte. Den Großteil der etwa 500 Höhenmeter dieser Etappe überwindet man daher gleich auf den ersten zwei Kilometern.

Irgendwo bei diesem Aufstieg schaffte ich es aber eine falsche Abzweigung zu nehmen und unterhalb der Starhembergwarte vorbeizugehen. Das bescherte mir einen kleinen Umweg und als ich die unspektakulär kleine Warte erreichte, war ich mir nicht sicher, ob ich mir diesen nicht hätte sparen können. Immerhin gab es aber von der Warte einen ganz netten Rundumblick.

Nur fünf Minuten von der Warte entfernt befindet sich die Fesslhütte, eine der Stempelstellen dieser Etappe. Die Hütte hatte zwar wegen Corona noch geschlossen, aber die Tische und Bänke draußen waren gut gefüllt mit Wanderern und Familien, die dort ihre eigene Jause verzehrten. Mir war es für eine Pause noch etwas zu früh und auch zu voll, daher stempelte ich nur rasch meinen Wanderpass und ging dann weiter.

Von jetzt an ging der Weg für den Großteil der Strecke durch den Wald, manchmal auch am am Waldrand entlang mit Blicken über die bewaldeten Hügel. Statt einem langen steilen Anstieg gab es jetzt ein stetiges Auf und Ab, das aber nicht mehr so anstrengend war wie die ersten Kilometer.

Ich erlebte hier mal wieder jenes Paradoxon des Wanderns, das mir letztes Jahr schon mehrmals aufgefallen war: Während bei Hütten und einzelnen Aussichtspunkten oft die Hölle los ist, sind die Wanderwege rundherum wie leergefegt. Ich glaube, ich war fast zwei Stunden lang im Wald unterwegs, ehe ich überhaupt wieder einer Menschenseele begegnete. Dafür traf ich aber zwei tierische Gesellen, die zunächst zwar schnell vor mir ins Gras flüchteten, sich dann aber wieder hervorwagten, als ich eine Weile lang still wartete.

Übrigens herrschte auf dem Weg nicht nur ein Mangel an Menschen, sondern auch an Bänken. Das hatte ich jetzt davon, dass ich die Sitzgelegenheiten der Fesslhütte verschmäht hatte. Also musste ein Stein am Wegesrand für meine Pause herhalten.

Nach langem, nahezu meditativen Wandern durch den Wald hatte ich nach etwa zehn Kilometern wieder einen Blick auf die Donau und konnte auch in der Ferne Dürnstein und noch weiter weg Stift Göttweig sehen. Nach diesem kurzen Ausblick ging es noch einmal in den Wald, wo sich ein kleiner Pfad bergauf und bergab durch die Bäume schlängelte. Es gab sogar eine kurze gesicherte Passage, bei der die Seilsicherung allerdings nicht wirklich nötig gewesen wäre.

Nach diesem letzten Waldabschnitt öffnete sich mir schließlich der Blick auf die typischen Terrassen der Wachau und auf das äußerst malerische Etappenziel Weißenkirchen.

Der Weg führte mich an der Kirche vorbei in die Stadt, wo ich noch ein wenig Zeit hatte, ehe der Bus 715 zum Bahnhof nach Krems abfuhr. Bei der Fähranlegestelle gönnte ich mir daher ein Eis und setzte mich damit in die Sonne, während ich die Rollfähre beobachtete, die unermüdlich Fußgänger, Radfahrer und Autos über die Donau transportierte.

Fazit: Die zweite Etappe bietet etwas weniger schöne Ausblicke als die erste; meistens führt sie durch den Wald. Ich fand, dass sie sehr nett und ruhig zu wandern war, aber wenn jemand möglichst viel typische Wachaublicke haben möchte, würde ich diese nicht unbedingt empfehlen. Mir hat sie dennoch sehr gut gefallen und vor allem das letzte Stück nach Weißenkirchen ist traumhaft schön. Ob es hier in „normalen“ Zeiten touristisch tatsächlich ruhiger ist als in Dürnstein, kann ich allerdings nur schwer beurteilen – aufgrund der aktuellen Umstände lassen sich hier kaum Vergleiche ziehen.

6 Comments

  • Tine

    Puh, ich wäre vermutlich schon am ersten Anstieg verzweifelt. Dass du dann auch noch „freiwillig“ hoch zur Burgruine gegangen bist, … 🙂
    Ich glaube, der Rest der Strecke wäre total was für mich gewesen. Ich mag es, wirklich lange durch den Wald zu gehen, und verstehe genau, was du mit meditativ meinst. Allein der Geruch von Wald hat auf mich schon eine ganz besondere Wirkung!

    Danke fürs Teilen!

    • Neyasha

      Da ich dieses Jahr noch nicht so viele anspruchsvollere Wanderungen gemacht habe und immer schon zu keuchen beginne, wenn es nur ein paar Meter bergauf geht, hatte ich ehrlich gesagt auch ziemlich Angst vor dem ersten Anstieg. Aber gar so schlimm war er dann letztendlich nicht.
      Ich mag den Geruch von Wald auch sehr gern!

  • Konstanze

    Als erstes las ich natürlich wieder „Welter-Besteig“. Irgendwie will das Wort nicht richtig in meinen Kopf gehen. *g*

    Die anfängliche Steigerung (und der verwurzelte Weg) lassen beim Lesen meinen Magen ebenso umdrehen, wie der schmale gesicherte Pfad. Höhenangst und eine Neigung zu Unfällen sorgen definitiv dafür, dass ich solchen Wanderwegen selbst dann fernblieb, als ich noch jung und fit war. 😉 Umso mehr genieße ich deine Fotos von dem Ausblick, der ist wieder wunderschön, gerade durch das Burgfenster. Und auch wenn du die Warte unspektakulär findest, so wirkt sie auf mich überraschend heimelig. Oh, und die beiden grünen Gesellen sind ja bezaubernd! Schön, dass du sie mit der Kamera festhalten konntest! 🙂

    • Neyasha

      Ich hatte sogar überlegt, ob ich es in der Überschrift als Welterbe-Steig schreiben soll. *gg*
      Ganz schwindelfrei bin ich auch nicht bzw. nicht mehr, als Kind war ich da sehr viel unbekümmerter. Die Wege hier waren allerdings wirklich sehr unproblematisch – vielleicht schaut der gesicherte Pfad auf dem Foto auch ausnahmsweise mal spektakulärer aus als in Wirklichkeit.

      • Konstanze

        *kicher* Wenn es nun einmal „Welterbesteig“ heißt, dann musst du es auch so schreiben – und ich muss mir einfach merken, dass die Zusammensetzung anders ist, als ich auf den ersten Blick denke. 😉

        Oder meine Fantasie lässt ihn schlimmer aussehen, die ist gerade sehr gut darin Unfallpotenzial auszumalen.

        • Neyasha

          Ich hatte gerade einen Kurzurlaub und bin wieder ein paar Etappen gegangen, die ich hier auch beschreiben werde, also ich schätze, es wird beim Namen irgendwann die Gewöhnung einsetzen. 😉

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