Wege in Österreich

Von Gramatneusiedl zum Schloss Ebreichsdorf

Die Fakten
21,1 km 51 hm 35 hm
Start: Gramatneusiedl
Ziel: Ebreichsdorf
An- und Abreise: REX 6 oder S60 von/nach Wien
Schwierigkeit: gemütliche Wanderung ohne Steigungen

Gestern war in Österreich Tag des Denkmals und ich wollte gerne die eine oder andere Besichtigung mit einer kleinen Wanderung verbinden. Da ich zwei Führungen in bzw. bei Ebreichsdorf fand, die interessant klangen, baute ich um diese herum meine Route auf.

Bei strahlendem Sonnenschein stieg ich am Morgen in Gramatneusiedl aus dem Zug und durchquerte hier erst einmal den Ort, ehe ich auf einen schönen kleinen Weg an der Piesting entlang abbog.

Der Weg führte bald wieder von der Piesting weg und folgte nun dem Neubach, der um 1930 als Entlastungsgerinne angelegt worden ist. Er zweigt bei Gramatneusiedl von der Piesting ab und mündet südwestlich von Moosbrunn wieder in diese. An seinen beiden Ufern führen Rad- und Fußwege entlang. Vor mir konnte ich bereits die Häuser von Moosbrunn sehen und in der Ferne recht blass den Schneeberg.

Man könnte dem Neubach etwa drei Kilometer lang folgen, ehe er wieder in die Piesting mündet, aber ich zweigte nach gut einem Kilometer davon ab und ging auf schönen Wald- und Wiesenwegen durch Moosbrunn.

Ich folgte nun wieder der Piesting und genoss die Sonne, auch wenn es teilweise fast ein bisschen zu warm wurde.

Nach etwa zehn Kilometern machte ich eine kurze Pause, ehe ich auf einem schmalen Pfad weiterging. Bald sah ich vor mir die ersten Häuser von Ebreichsdorf. Der Weg ging aber auch, als ich die Siedlung erreichte, weiterhin auf einem kleinen Pfad an der Piesting entlang.

Erst bei den Bahngleisen wechselte ich auf die Straße und ging weiter zum Schloss Ebreichsdorf. Das Wasserschloss wurde im 12. Jahrhundert erbaut und diente gemeinsam mit den Festen in Pottendorf und Ebenfurth zur Verteidigung der Wiener Neustädter Pforte und des Wiener Beckens. Der ehemalige Schlossherr Hieronymus Beck von Leopoldsdorf ließ im 16. Jahrhundert bauliche Adaptierungen und Erweiterungen der Anlage durchführen, die bis heute fast unverändert erhalten blieben. Nachdem das Schloss durch viele Hände ging, ist es mittlerweile seit 1909 im Besitz der Familie Drasche-Wartinberg. Für den Tag des Denkmals öffnete der Schlosspark seine Pforten und ich nahm an einer Führung des derzeitigen Schlossbesitzers sowie einer Mitarbeiterin des Kunsthistorischen Museums teil. Die Innenräume konnten natürlich nicht besichtigt werden, da die Familie hier wohnt, aber wir erfuhren viel über die Geschichte des Schlosses und konnten die Kapelle besichtigen.

Im Schlosspark gibt es einen sehr alten Baumbestand, so etwa eine Platane gleich neben der Brücke, die noch aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Da ich bis zu meiner zweiten Führung noch etwas Zeit hatte, suchte ich mir ein schönes Plätzchen im Schlosspark und füllte die letzte Seite in meinem Skizzenbuch. Da im Schlosspark einiges los war, kamen ein paar Spaziergänger vorbei und waren sehr interessiert an meiner Skizze. Das hätte mich früher sehr verunsichert, aber inzwischen finde ich das immer sehr nett, wenn sich auf diese Weise ein Gespräch ergibt.

Schließlich musste ich aber mein idyllisches Plätzchen verlassen und ging auf der Straße geradewegs nach Weigelsdorf, wo ich mir noch rasch einen Kaffee holte, ehe ich zur Kirche St. Peter und Paul ging, wo um 16 Uhr eine Führung startete.

Die Pfarrkirche steht auf den Fundamenten eine Vorgängerkirche aus der Karolingerzeit und wurde im 13. und 17. Jahrhundert erweitert sowie in der zweiten Erweiterungsphase barockisiert. Vom frühmittelalterlichen Vorgängerbau ist ein Relief aus dem 9. Jahrhundert erhalten, das in der heutigen Kapelle besichtigt werden kann.

Höhepunkt der Führung war das Ossuarium, das mittelalterliche Beinhaus, das im Laufe einer Kirchenrenovierung entdeckt und untersucht wurde. Es enthält über 500 Schädel aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, die Verletzungen aus kriegerischen Handlungen aufweisen. In kleinen Gruppen kletterten wir nach und nach in das nicht ganz leicht zugängliche Beinhaus – da bei der Führung halb Weigelsdorf dabei war, dauerte das eine Weile. Aber die Führung war wirklich sehr interessant und informativ, daher lohnte sich das Warten.

Zuletzt ging ich teils auf der Straße, teils erneut auf schönen kleinen Wegen noch etwa drei Kilometer zum Bahnhof Ebreichsdorf.

Fazit: Ich hatte die Wanderung vor allem als Mittel zum Zweck angesehen, um die Führungen mit etwas Bewegung in der Sonne zu verbinden. Gerade im Vergleich zu den spektakulären Landschaften in Yorkshire hatte ich nichts großartiges erwartet. Aber ich muss sagen, dass es eine richtig nette Tour war – sehr grün und ruhig, mit schönen kleinen Wegen.

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