Wege in Österreich

Am Benediktweg von Lambach nach Wels

Letztes Wochenende war ich in Oberösterreich bei meiner Familie und habe die Gelegenheit für eine gemütliche Wanderung mit meiner Mutter genutzt. Wir begannen unsere Tour mit etwas Kulturprogramm und gingen vom Bahnhof Lambach Markt zunächst zum Benediktinerstift Lambach. Das Stift wurde 1056 von Bischof Adalbero gegründet und ist daher fast 1000 Jahre alt. In seiner langen Geschichte gab es einige Zäsuren: Im 13. Jahrhundert wurde es bei einem Einfall der Bayern zu großen Teilen zerstört, 1784 löste Kaiser Joseph II das Kloster zwischenzeitlich auf und im Zweiten Weltkrieg war in der Anlage eine nationalsozialistische Erziehungsanstalt untergebracht. Aber das Klosterleben wurde stets wieder aufgenommen und das Gebäude wieder aufgebaut. Die Stiftskirche geht in ihrer heutigen Form auf das 17. Jahrhundert zurück und ist unverkennbar im Barockstil ausgestattet. Abgesehen von der Kirche konnten wir zwei Kapellen und ein Museum besichtigen. Besonders beeindruckend waren die romanischen Fresken aus der ursprünglichen Stiftskirche, die zu den ältesten romanischen Wandmalereien in Österreich gehören. Leider darf man diese nicht fotografieren und auch das Stift von außen bekam ich in seiner Gesamtheit nicht aufs Bild (dafür hätten wir auf die andere Flussseite gehen müssen).

Wir verbrachten etwa eine Stunde im Stift und folgten dann nach einer kurzen Wegverwirrung dem Benediktweg, der mir auch bei früheren Wanderungen schon einige Male untergekommen ist. Für den Großteil des Weges waren wir auch parallel zur Wels-Land-Runde unterwegs, die auf einer Länge von 160 Kilometern alle Gemeinden des Bezirks Wels-Land sowie die Stadt Wels verbindet.

Bei Nebel ging es eine Weile auf der Straße entlang, bis der Weg schließlich ans Ufer der Traun führte. Ein kleiner Pfad schlängelte sich sehr schön durch den Wald, meist direkt am Wasser entlang. Nun setzte sich immer mehr die Sonne durch, auch wenn wir meist unter schattigen Bäumen unterwegs waren.

Etwa ab 12 Uhr begannen wir nach einem passenden Pausenplatz Ausschau zu halten, aber wir fanden weder eine Bank noch sonst eine Möglichkeit, wo wir gut eine Rast einlegen konnten. Mein typisches Glück mit Rastplätzen machte sich mal wieder bemerkbar! Erst eine Stunde später wurden wir am Flussufer fündig und aßen auf zwei Steinen sitzend unsere mitgebrachte Jause.

Der Wald lichtete sich nun allmählich und so konnten wir nicht nur die Sonne genießen, sondern hatten auch immer öfter schöne Blicke auf das Wasser (und eine Gruppe Schwäne).

Nach etwa zehn Kilometern, kurz nach unserer Mittagspause, führte der Weg ein wenig von der Traun weg und wir gingen nun auf einem kleinen Damm entlang.

Am Stadtrand von Wels kamen wir an einem Café vorbei und nutzten die Gelegenheit, um hier in der Sonne noch einen Eiskaffee zu trinken. Das war vermutlich der letzte in diesem Jahr.

Bald darauf verließen wir die Traun und gingen durch den Volksgarten in Richtung Welser Altstadt, die wir durch den Ledererturm betraten. Das ist der letzte noch erhaltene Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Wels, da die anderen Türme im 19. Jahrhundert abgerissen wurden. Wels ist die zweitgrößte Stadt in Oberösterreich und hat noch zahlreiche Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit historischen Fassaden.

Da ich in Wels acht Jahre lang in die Schule gegangen bin, wäre es eigentlich mal an der Zeit die Stadt hier ausführlicher vorzustellen. Wir hatten allerdings an diesem Tag noch ein Geschenk zu besorgen und so fiel unsere Runde durch die Stadt eher kurz aus. Da wir beim Einkauf ein wenig die Zeit übersahen, legten wir dann das letzte Stück zum Bahnhof im Laufschritt zurück.

Fazit: Eine unspektakuläre, aber sehr idyllische Wanderung, die großteils auf kleinen Pfaden an der Traun entlangführt. Bis kurz vor Wels war es sehr ruhig; erst als wir uns der Stadt näherten, waren auch einige andere Spazergänger unterwegs. Mit dem Stift Lambach, das sehr sehenswert ist, hake ich nun ein weiteres Benediktinerstift ab, von denen ich in Österreich mittlerweile schon einige besichtigt habe.

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