Cleveland Way: Fazit
Wie immer am Ende einer mehrtägigen Wanderung blicke ich auf diese zurück und ziehe ein Fazit zu verschiedenen Aspekten wie Wegbeschaffenheit, Infrastruktur, Ausrüstung, etc. und meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Weg. Es gibt auch noch einen Blick auf alle Bilder, die ich bei meinem Urlaub in England gemalt habe.
Wegführung und Wegbeschaffenheit
Der Cleveland Way ist der zweitälteste der National Trails in Großbritannien (der älteste ist der Pennine Way). Er wurde 1969 eingeweiht und führt in der Grafschaft North Yorkshire auf 109 Meilen bzw. 176 Kilometern von Helmsley nach Filey, wobei man ihn auch in umgekehrte Richtung gehen kann. Bei mir wurden es mit geplanten und ungeplanten Abstechern sowie Wegen zu Unterkünften insgesamt 190 Kilometer.
Das Besondere am Cleveland Way ist, dass er durch zwei ganz unterschiedliche Landschaften führt. Auf der ersten Hälfte geht er durch den North York Moors National Park, die größte Heidemoorlandschaft in England; auf der zweiten dann an der Steilküste zwischen Saltburn-by-the-Sea und Filey entlang und durchquert dabei auch bekannte Städte wie Whitby und Scarborough.
Der Wanderführer teilt den Cleveland Way in neun Etappen ein; ich bin ihn in acht Etappen gegangen, was meiner Meinung nach gut gepasst hat. Ich hatte im Moor etwas längere Etappen und dann an der Küste kürzere, um hier auch Zeit für die Besichtigung der Küstenstädte zu haben.
Der Weg weist keine nennenswerten Schwierigkeiten auf und verläuft großteils auf gut gepflegten Wegen. Im Moor, speziell zwischen Osmotherley und Clay Banks, geht es viel bergauf und bergab, kurz auch mal über Felsen, bei denen man die Hände zu Hilfe nehmen muss. Ich fand aber erstaunlicherweise den Abschnitt an der Küste fast anstrengender. Hier gibt es zwar keine längeren Anstiege, aber sehr viele kurze und steile An- und Abstiege vom Strand hinauf auf die Steilküste und wieder hinunter. Die Küstenwege sind zwar nicht schwierig, beinhalten aber sehr viele Stufen in etwas unbequemer Höhe. Abgesehen davon ist die Wegführung wirklich grandios! Die Mischung aus Moor und Küste ist landschaftlich unglaublich reizvoll und der Weg verläuft so gut wie nie über Straßen (außer, wenn er durch Städte führt). Die steinigen Pfade sind zwar auch nicht immer das angenehmste für die Füße, bieten aber sehr viel Abwechslung. Mir haben meine Weitwanderwege der letzten Jahre fast alle gut gefallen, aber der Cleveland Way sticht da tatsächlich nochmal heraus. So durchgehend schöne Landschaften und malerische Städte hatte ich so geballt noch selten; am ehesten vielleicht noch auf dem Moselcamino, der aber nicht dieselbe Abwechslung zu bieten hat.
Die Markierungen sind übrigens sehr gut, aber eine Wanderapp oder Karten zur Navigation empfehle ich wie immer trotzdem.


Unterkünfte und Verpflegung
Wie bei der Landschaft, ist der Weg auch bei der Infrastruktur gewissermaßen zweigeteilt. Bei den Etappen im Moor hat man unterwegs kaum größere Einkaufsmöglichkeiten; höchstens mal einen Dorf- oder Hofladen. Einkehrmöglichkeiten gibt es immer wieder, allerdings auch nicht auf jeder Etappe. Man sollte hier also ganz gut vorausplanen und etwas mehr Proviant mitnehmen. Bei den Küstenetappen kommt man hingegen täglich durch Städte mit Supermärkten und Einkehrmöglichkeiten. Hier ist die Verpflegung dann also ganz entspannt.
Auch die Unterkünfte sind im Moor meist etwas anders als an der Küste; nämlich oft auf Bauernhöfen und mitunter auch etwas uriger. Mein Highlight hier war die Übernachtung auf der Beak Hills Farm, wo ich gemeinsam mit anderen Wanderinnen liebevoll von Julie verpflegt wurde. An der Küste hat man dann die ganze Bandbreite von Hostels bis hin zu feinen Hotels. Die beiden Hostels, in denen ich übernachtet habe, kann ich sehr empfehlen: In Boggle Hole hat man zwar schlichte Zimmer und sehr einfache, geteilte Badezimmer, aber man hat das Zimmer bei sehr moderaten Preisen für sich alleine. In Whitby gibt es sowohl Schlafsäle als auch Einzel-/Doppelzimmer. Da dieses Hostel etwas teurer ist, habe ich hier im Schlafsaal übernachtet, was sich aber auch sehr gelohnt hat. Die Lage gleich neben Whitby Abbey und mit Blick über die Stadt ist toll und es gibt wunderschöne Gemeinschaftsräume für einen gemütlichen Abend.
Ich hatte bei ungefähr der Hälfte der Unterkünfte Frühstück dabei; bei den restlichen habe ich mich selbst verpflegt. Da man in England immer Wasserkocher und Tee in den Unterkünften vorfindet, konnte ich auch immer sehr gut meinen üblichen Porridge in der Früh zubereiten – und musste den Tee nicht mal selbst mitnehmen.
Ich war dieses Mal sehr luxeriös ohne Zelt unterwegs, aber es gibt viele Möglichkeiten zum Campen unterwegs. Wenn man das Zelt dabei hat, wird Vorausbuchen nicht notwendig sein. Da ich diese Ausweichmöglichkeit diesmal nicht hatte, habe ich bereits länger vorher alle Unterkünfte gebucht. Das hat mich zwar weniger flexibel gemacht, aber dafür hatte ich unterwegs keinen Planungsaufwand mehr, was sehr entspannend war. Es gibt auch etliche Organisationen, die die Buchung und den Gepäcktransport übernehmen, allerdings ist das deutlich teurer als selbst zu buchen.


Wetter und Jahreszeit
Da ja das Wetter in England immer eher unberechenbar ist, lässt sich wohl schwer sagen, was in der Hinsicht die beste Zeit für den Cleveland Way ist. Dieses Jahr war ein ungewöhnlich heißer und trockener Sommer, aber insgesamt sollte man wohl immer auf alles eingestellt sein. Da der Weg oft recht exponiert verläuft, ist man sowohl Sonne als auch anderen Elementen ziemlich ungeschützt ausgeliefert. Das habe ich beim Wind gemerkt, der oft unangenehm stark war. Ansonsten hatte ich wettermäßig alles dabei – von Sonne über Regen bis Nebel und zwar oft alles an einem Tag. 😉 Ich hatte nur selten stabil sonnige Tage, aber es hat auch nur selten lange geregnet (lediglich an einem Nachmittag). Die Temperaturen waren ideal zum Wandern mit meistens zwischen 15 und 20 Grad. Insofern fand ich Anfang September sehr gut geeignet – vor allem auch deshalb, weil zu dieser Zeit noch die Heide blüht. Aufgrund der Trockenheit in den Monaten davor war zwar vielerorts die Vegetation eher braun, aber ich hatte auch immer wieder ein lilafarbenes Blütenmeer. Ich fand den September auch deshalb gut, weil zu dieser Zeit der Sommertourismus an der Küste bereits abklingt. Sonst dürfte dort in den Städten einiges los sein. Auch im September war es noch so, dass ich im Moor oft ganz einsam unterwegs war, während ich bei den Küstenetappen regelmäßig anderen begegnet bin.


Ausrüstung und Malutensilien
In Dänemark bin ich dieses Jahr erstmals auf Trailrunning-Schuhe und Zehensocken umgestiegen und da ich dort so gute Erfahrung damit gemacht habe, bin ich dabei geblieben. Auch auf dem Cleveland Way hatte ich keine Probleme mit Blasen oder sonstigen Wehwehchen an den Füßen. Ich war natürlich vorher etwas skeptisch, was die nicht wasserdichten Schuhe betraf, aber ich muss sagen, dass das weniger Problem war als befürchtet. Einerseits war es irgendwie entspannend die Nässe einfach hinzunehmen – wenn es regnet, werden die Füße eben nass, da war kein Bangen mit dabei, ob die Schuhe „halten würden“. Und andererseits trocknen solche Schuhe tatsächlich sehr viel schneller als Goretex-Schuhe. Gerade bei dem starken Wind ging das meist ratz-fatz und ich hatte nie das Gefühl, dass sich das Wasser in den Schuhen staut.

Ansonsten gibt es dieses Mal zur Ausrüstung nicht so viel zu sagen, da ich ja ohne Zeltausrüstung unterwegs war. So leicht, wie ich mir das gewünscht hätte, war allerdings der Rucksack trotzdem nicht, da es dieses Mal eine Mischung aus Wander- und Stadturlaub war und ich etwas mehr Kleidung mit hatte. Auch bei den Malsachen habe ich mich diesmal etwas ausgetobt und nicht nur mein ganzes Skizzenbuch, sondern auch mehr Materialien mitgenommen. Abgesehen von meinem Mini-Aquarellset hatte ich auch einige Farbstifte mit dabei. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, in einer Kombination mit Aquarellfarben und Farbstiften zu arbeiten – auch wenn das Papier im Skizzenbuch für letztere nicht so gut geeignet ist. Es hat mir sehr viel Freude gemacht ein künstlerisches Reisetagebuch zu erstellen und ich habe wohl soviel gemalt wie noch nie im Urlaub. Wetterbedingt konnte ich oft nicht so gut unterwegs malen, aber ich habe meistens zumindest eine erste Skizze an Ort und Stelle angelegt und das Bild dann später am Abend in der Unterkunft fertiggestellt. Hier gibt es nun einen kleinen Streifzug durch mein Skizzenbuch (es dauert vielleicht einen Moment, ehe das Video startet):
Abschließende Gedanken
Als allgemeines Fazit bleibt mir zu sagen, dass der Cleveland Way bisher eine meiner schönsten Wanderungen war. In punkto Landschaft und Städte jagt ein Highlight das nächste – ich war nach den acht Etappen beinahe schon übersättigt von so vielen wundervollen Eindrücken jeden Tag.
Ich hatte dieses Mal nicht nur alle Unterkünfte vorher gebucht, sondern mir auch jeden Tag alle Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten notiert sowie Öffnungszeiten von allem, was ich besichtigen wollte. Das war während der Wanderung unglaublich entspannend, aber gleichzeitig auch of notwendig, da der Empfang manchmal über weite Strecken miserabel war. Und damit meine ich nicht nur irgendwo zwischen den Hügeln im Nationalpark, sondern sogar in Städten wie Whitby. Daher war ich sehr froh, dass ich fast alles offline vorbereitet hatte.
Wanderbekanntschaften habe ich dieses Mal kaum gemacht. Auf der oben erwähnten Beak Hills Farm war ich zusammen mit vier anderen Wanderinnen, die allerdings alle den Coast-to-Coast-Path gewandert sind. Ansonsten bin ich einigen Wanderern und Wanderinnen begegnet, von denen die meisten mit Tagesrucksack unterwegs waren – was allerdings nichts heißen muss, da es ja auch die Möglichkeit des Gepäcktransportes gibt. Mit ein paar bin ich ins Gespräch gekommen, aber ich bin dieses Mal keiner Person mehrmals begegnet. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es also vielleicht nicht der passende Weg, wenn man gezielt Wandergesellschaft sucht. Mich hat es dieses Mal aber nicht gestört, dass ich soviel Zeit für mich alleine hatte, weil ich dadurch überhaupt erst so viel Zeit zum Malen hatte. Und das ist mir nach ein paar Tagen schon zu so einer schönen Routine geworden, dass ich mich gar nicht nach Gesellschaft gesehnt habe – zumal sich auch immer wieder kurze Gespräche zwischendurch mit den sehr freundlichen Einheimischen ergeben haben. So gesehen war für mich der Weg also auch in der Hinsicht genau richtig!