Wege in Europa

Filey, York und Castle Howard

Ich bin inzwischen wieder zuhause und ehe ich ein Fazit zum Cleveland Way ziehe, gibt es noch einige Impressionen meiner letzten Tage in Yorkshire.

Filey

Nach dem Abschluss der letzten Etappe auf dem Cleveland Way verbrachte ich einen sehr gemütlichen Abend in meiner Unterkunft. Am nächsten Tag spazierte ich noch am Strand entlang und da Ebbe war, hatte ich einen schönen Blick auf die ganze Seepromenade von Filey.

Es fiel mir zwar schwer Abschied vom Meer und der Küste zu nehmen, aber am Vormittag fuhr ich mit dem Zug weiter nach York, wo ich für die letzten drei Tage blieb.

York

Ich war bereits vom ersten Moment an sehr beeindruckt von York, das für sein gut erhaltenes historisches Stadtbild bekannt ist. Römerzeitliche Überreste, mittelalterliche Stadtmauern, enge Gassen und die Spuren der Wikinger machen die verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte bis heute sichtbar.

Die Stadt entstand im ersten Jahrhundert n. Chr. als römische Siedlung Eboracum und entwickelte sich zu einem wichtigen militärischen Zentrum. Der wohl markanteste Überrest der römischen Zeit ist ein Eckturm der Festung aus dem 3./4. Jahrhundert, zusammen mit einem erhaltenen Abschnitt der römischen Mauer.

Nach der Römerzeit wurde die Stadt Teil des angelsächsischen Königreichs Northumbria und 866 von den Wikingern erobert, die sie Jórvík nannten. Nach der normannischen Eroberung Englands 1066 durch Wilhelm I. wurde York erneut ausgebaut und befestigt; in dieser Zeit entstand auch Clifford’s Tower in seiner ursprünglichen Form. Der heutige steinerne Rundturm entstand allerdings erst im 13. Jh., nachdem frühere Holzbauten zerstört worden waren.

Auch die Kathedrale von York hat eine lange Geschichte, die bis ins 7. Jh. zurückreicht. Die erste Kirche wurde für die Taufe des Königs Edwin von Northumbria errichtet; nach mehreren Neubauten entstand ab 1220 die heutige gotische Kathedrale, deren Bau sich über mehrere Jahrhunderte hinzog. Besonders bekannt sind ihre großen mittelalterlichen Glasfenster. Die Kathedrale von York zählt heute zu den bedeutendsten gotischen Kirchen Englands. Ich besichtigte sie gleich nach meiner Ankunft in der Stadt und war ziemlich überwältigt von der Größe und der prunkvollen Ausstattung.

Man kann auch den Turm besteigen und ich muss sagen, dass schon alleine das Erklimmen der 275 sehr engen Stufen ein Erlebnis für sich war. Der Ausblick lohnte sich auch sehr – nicht nur von ganz oben, sondern auch beim Queren des Daches.

Die Straßen der Stadt erkundete ich vor allem entlang des „Cat Trail“. York ist nämlich bekannt für seine zahlreichen Katzenfiguren, die versteckt an Häusern und auf Dächern der Altstadt zu finden sind. Die Tradition geht bis in die 1920er-Jahre zurück und wurde ab den 1970er-Jahren durch den Architekten Tom Adams wiederbelebt. Auf dem Cat Trail kann man die Katzen suchen und dabei auch gleich York kennenlernen. Da ich immer wieder auch einige Abstecher machte und dazwischen Buchhandlungen sowie Teehäuser aufsuchte und das Castle Museum besichtigte, war ich den ganzen Tag mit dem Weg beschäftigt. Hier eine Auswahl einiger Katzen sowie weitere Impressionen aus der Stadt:

Schon bei der Katzen-Schnitzeljagd ging ich durch die Shambles, eine der bekanntesten historischen Straßen Yorks. Die schmalen, verwinkelten Häuser stammen teilweise aus dem 14. und 15. Jahrhundert und machen sie zu einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Straßen Englands. Da dort am Nachmittag sehr viel los war, suchte ich sie früh am nächsten Morgen nochmal auf und konnte sie da sehr viel ruhiger genießen.

Den Abschluss meiner Zeit in York bildete ein Besuch des National Railway Museum, das trotz seiner Größe kostenlos zu besichtigen ist. Es wurde 1975 eröffnet und beherbergt eine der bedeutendsten Eisenbahnsammlungen der Welt. In den beiden Ausstellungshallen werden historische Eisenbahnwagen und technische Entwicklungen aus Großbritannien und anderen Ländern gezeigt. So ist dort etwa auch ein japanischer Shinkansen aus den 70er Jahren ausgestellt.

Castle Howard

Von York aus machte ich mit dem Bus Nr. 81 einen Ausflug zum barocken Herrenhaus Castle Howard. Am liebsten hätte ich ja Highclere Castle besichtigt, das man aus der Fernsehserie „Downton Abbey“ kennt. Das ist allerdings nicht in Yorkshire und ich muss sagen, dass Castle Howard durchaus ein würdiger „Ersatz“ war. Das von John Vanbrugh entworfene Gebäude wurde Ende des 17. Jahrhunderts für Charles Howard, den Earl of Carlisle, errichtet und über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren erweitert. Ich dachte eigentlich, dass ich dort nur einen halben Tag verbringen würde, aber die Parklandschaft war so weitläufig und bot sich so zum Malen an, dass ich den ganzen Tag dort blieb. Die Besichtigung der Räumlichkeiten des Hauses war natürlich auch sehr interessant, auch wenn es mir gar nicht so recht in den Kopf gehen wollte, dass das der Wohnsitz einer Familie (und zig Dienstboten) war bzw. noch ist, denn der heutige Hausherr Nicholas Howard lebt dort mit seiner Frau in einem privaten Flügel des Gebäudes.

Wenn es auch nicht Downton Abbey war, so war der Besuch von Castle Howard doch auf jeden Fall ein sehr lohnenswertes Erlebnis. Und auch dort fanden bereits Dreharbeiten für Serien statt, nämlich für „Brideshead Revisited“ und „Bridgerton“.

Und damit ging dann auch meine Zeit in Yorkshire zu Ende. Meine Tage in York (und Umgebung) waren ein toller Abschluss meiner Wanderung, auch wenn ich für York mehr Zeit gebraucht hätte. Es gibt dort noch einige Museen, die mich interessieren würden und auch die Stadt selbst hätte ich gerne noch ausgiebiger erkundet. Aber da ich Yorkshire auch landschaftlich einfach wunderschön gefunden habe, hoffe ich, dass ich nicht zum letzten Mal dort gewesen bin.

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