Cleveland Way 7: Boggle Hole – Scarborough
Die Fakten
22,1 km 618 hm 610 hm
Start: Boggle Hole
Ziel: Scarborough
Schwierigkeit: Die meist schmalen Pfade sind zwar einfach zu gehen, die vielen kurzen, aber steilen An- und Abstiege (oft über Stufen) machen die Etappe dennoch anstrengend.
Ich hatte heute einen gemütlichen Morgen mit einem guten Frühstück und Zeichnen draußen in der Sonne. Ich arbeitete weiter an Whitby Abbey, bin aber nicht ganz fertig geworden.

Im Hostel in Boggle Hole waren einige Wanderer, von denen manche auch auf dem Cleveland Way unterwegs sind. Manche gehen ihn in die entgegengesetzte Richtung und viele nur ein/zwei Etappen an der Küste.
Es war schon kurz nach 9 Uhr, als ich mich auf den Weg machte. Es ging gleich am Anfang wieder kräftig bergauf, aber das bescherte mir bald schöne Blicke auf die Küste vor mir und auch nochmal zurück auf Robin Hood’s Bay.



Abgesehen von kurzen Stücken bergab, ging es nun die ersten Kilometer die meiste Zeit bergauf. Der Weg führte viel durch den Wald und es war eine ganz andere Vegetation als die letzten Tage. Es schien sogar ein eigenes Mikroklima zu herrschen – im Wald regte sich kein Lüftchen und es war fast schon schwül.





Nach etwa vier Kilometern erreichte ich Ravenscar, wo ich das Besucherzentrum ansteuerte. Ich hatte extra noch Die Öffnungszeiten gecheckt, musste aber nun feststellen, dass das Zentrum samt Café ab – haltet euch fest – heute geschlossen ist. Das Café hätte ich so kurz nach dem Start zwar eh nicht benötigt, aber ich wollte mir die kleine Ausstellung über Ravenscar anschauen. Der Küstenort wird auch als „the town that never was“ bezeichnet, da Ende der 1890er Jahre eine Investorengruppe dort einen luxuriösen viktorianischen Urlaubsort errichten wollte. Das Projekt scheiterte an der Geografie: Entgegen der Werbung mit feinen Sandstränden liegt Ravenscar auf über 180 Meter hohen, steilen Klippen, von denen nur ein beschwerlicher Weg zu einer felsigen Küste führt. Die Entwicklungsgesellschaft ging pleite und hinterließ unvollendete Straßen, die ins Nichts führen.


Die Infos konnte ich also nur im Internet nachlesen, aber immerhin hatte das WC in der Nähe geöffnet. Es ging jetzt für eine Weile recht gemütlich oben an der Steilküste entlang. Jetzt, weg vom Wald, war das Wetter traumhaft zum Wandern. Es wehte eine leichte Brise und hatte etwa 18 Grad.


Auf dem zweiten Bild oben sieht man schon die Reste der historischen Radaranlage etwa zwei Kilometer nach Ravenscar. Die Bent Rigg Radar Station war eine wichtige militärische Überwachungsstation während des Zweiten Weltkriegs. Ein Teil der Gebäude ist heute noch erhalten und kann besichtigt werden; den Beobachtungsposten gleich an der Klippe kann man auch betreten.





Auf dem weiteren Weg konnte ich wie schon an den letzten Tagen reichlich Brombeeren naschen. Für Vitamine ist hier also ausreichend gesorgt. Als ich nach etwa drei Stunden eine Bank mit weitem Ausblick erreichte, nutzte ich die Gelegenheit für eine Mittags- und Malpause.

Danach ging es kräftig bergab und wieder in dichten Wald hinein, bis ich direkt am Meer den Wasserfall von Hayburn Wyke erreichte. Im direkten Größenvergleich sieht man, dass er nicht ganz so beeindruckend ist, aber es war dennoch ein sehr schönes Plätzchen.




Kaum bin ich mal unten am Meer, geht der Weg natürlich als nächstes wieder rauf. Und an der Stelle muss ich mal erwähnen, dass die Stufen alle keine normale Höhe haben, sondern deutlich höher sind. Das macht sie zum Rauf- und Runtergehen recht unangenehm.
Ich hätte hier auch die Möglichkeit gehabt zu einem Pub anzubiegen, den ich mir notiert hatte für den Fall, dass ich keinen Proviant mehr hätte oder Schutz vor dem Regen benötigte. Beides war nicht der Fall, daher ging ich weiter auf dem Cleveland Way.


Es ging unablässig weiter hinauf und hinab, daher legte ich nach einer Weile nochmal eine Pause ein. Als ich da saß, kam ein Wanderer mit einem sehr zutraulichen Hund vorbei. Während ich den Hund streichelte, unterhielten wir uns ein wenig. Der andere Wanderer ist einen Tag vor mir auf dem Cleveland Way gestartet, ist aber mit Zelt unterwegs. Ich begegnete ihm später noch einmal, als nun er eine Pause machte.



Schließlich erreichte ich nach einem letzten Abstieg Scarborough, wo der Weg an der Strandpromenade entlangführt.

Meine Unterkunft, diesmal ein nettes Gästehaus, liegt am Rand der Stadt, die ich dann morgen besichtigen werde. Mein Zimmer ist – wie könnte es anders sein – im obersten Stockwerk und es ging also nochmal über einige Stufen hinauf.
Fazit: Obwohl es noch immer an der Küste entlanggeht, änderte sich doch der Charakter der Landschaft und es wurde sehe viel grüner und verwachsener. Auch wenn ich keine langen Anstiege hatte, hatten es die vielen kurzen Steigungen über Stufen heute ganz schön in sich.