Haworth: Wanderung auf dem Brontë Way und Fahrt mit dem Dampfzug
Die Fakten
11,5 km 298 hm 298 hm
Start und Ziel: Bahnhof Haworth
Schwierigkeit: einfache kleine Wanderung, nur einmal ein ziemlich verwachsener Abschnitt
Ich bin derzeit in England, genauer in Yorkshire, wo ich den Cleveland Way wandern werde. Rundherum habe ich aber auch noch einige Besichtigungen auf dem Programm und die gestrige ist es wert hier einen eigenen Beitrag zu bekommen – zumal sie auch eine Wanderung beinhaltete.
Als ich überlegte, was ich in Yorkshire auf alle Fälle machen möchte, war mir schnell klar, dass ich Haworth, die Heimat der Brontë-Schwestern besichtigen wollte. Und beim Recherchieren, wie man öffentlich dort hinkommt, stieß ich auf eine Museumsbahn, die Keighley & Worth Valley Railway. Das schlug gleich eine Brücke zu einem weiteren literarischen Werk, denn diese Bahnlinie ist Schauplatz von Edith Nesbits „The Railway Children“ – zumindest in der bekannten Verfilmung von 1970.
Die Bahnstrecke von Keighley nach Oxenhope wurde 1867 eröffnet. Dass sie überhaupt gebaut wurde, hängt übrigens auch mit den Brontë-Schwestern zusammen. Der Bauingenieur John McLandsborough war ein Bewunderer von Charlotte Brontë und sehr überrascht, dass Haworth keine Zuganbindung hatte. Er schlug daher die neue Strecke vor und wurde auch der führende Ingenieur für den Bau. Ende 1961 wurde die Strecke eingestellt, aber 1968 wieder im Museumsbetrieb eröffnet. Seither verkehren hier historische Diesel- und Dampfloks.
Ich startete in Keighley, wo auch ein Anschluss an das moderne Bahnnetz besteht, und besuchte in Ingrow das dortige Eisenbahnmuseum. Nicht nur Ingrow mit dem Museum, sondern auch die weiteren Bahnhöfe sind eine Besichtigung wert! Ich hatte sehr viel Freude mit meiner Zeit in und bei den Zügen. Hier einige Impressionen:










In Haworth hätte ich eigentlich zuerst das Brontë Parsonage Museum besuchen wollen, aber da für den Nachmittag Regen und Gewitter angesagt waren, zog ich meine Wanderung vor. Ich ging durch die hübschen Gassen von Haworth zur Kirche, die Ende des 19. Jahrhunderts neu erbaut wurde. Lediglich der Kirchturm stammt noch aus dem Mittelalter. Der Vater der Brontë-Schwestern war hier 40 Jahre lang Pfarrer.





Hinter der Kirche war dann auch bereits der Brontë Way ausgeschildert, ein 69 km langer Weitwanderweg, der zahlreiche Orte aus dem tatsächlichen Leben der Schwestern und aus ihren Büchern verbindet. Ich hatte nur einen kleinen Abschnitt davon vor.
Gleich außerhalb von Haworth tauchte ich in die Heidelandschaft ein, auf die ich mich schon gefreut hatte. Die Trockenheit der letzten Wochen machte sich zwar bemerkbar, aber es gab doch erstaunlich viel Grün und Lila zu sehen.




Auf manchmal schmalen Pfaden, manchmal breiteren Wegen ging es in leichtem Auf und Ab durch das Moor. Zwischendurch machte ich eine Malpause, legte aber nur eine erste schnelle Skizze an, da ich nicht wusste, wie lange das Wetter halten würde.
Auf dem Weg war reger Verkehr und ich musste manches Mal geduldig ausharren, um keine Wandergruppen auf dem Foto zu haben.




Nach fünf Kilometern erreichte ich schließlich die Brontë-Brücke, zu der die Schwestern gern Spaziergänge unternommen hatten. Die ursprüngliche Brücke wurde allerdings 1989 durch eine Sturzflut zerstört, daher handelt es sich um einen Nachbau.
Da es hier nun vor Menschen nur so wimmelte, konnte ich die Brücke kaum fotografieren. Und so spektakulär ist sie nun auch wieder nicht. 😉


Da ich nicht den selben Weg wieder zurückgehen wollte, bog ich auf einen kleinen Pfad ab, der hier links bergauf führt. Dieser wird anscheinend kaum begangen, denn er war so verwachsen, dass ich manchmal bezweifelte, ob ich noch auf dem richtigen Weg war. Er führte mich am (auch sehr überschaubaren) Brontë-Wasserfall vorbei



Schließlich wurde der Weg wieder flacher und deutlicher zu erkennen, bis er in einen Güterweg mündete. Überall erstreckte sich nun die lila Heideblüte und ich konnte mich gar nicht daran sattsehen. Noch dazu war hier nun gar niemand unterwegs und ich hatte die Pracht ganz für mich alleine.




Ich war so begeistert von der Landschaft, dass ich erst spät mitbekam, dass sich hinter mir der angekündigte Wetterumschwung zusammenbraute.


Jetzt hieß es einen Zahn zulegen und ich kürzte meine eigentlich geplante Runde ein wenig ab. Gerade, als ich wieder auf den Brontë Way stieß, begann es zu regnen. Ich eilte die letzten paar hundert Meter nach Haworth und erreichte das Brontë Parsonage Museum leicht durchnässt. Trotzdem noch ein gutes Timing! Das Museum mit den Räumlichkeiten der Familie und einigen Informationen war dann auch interessant, aber meiner Meinung nach kein Muss. Es waren allerdings einige Brontë-Liebhaber aus aller Welt da, die ganz aus dem Häuschen waren, was dann auch wieder schön war. Im Shop hätte ich dann auch gern noch einige schöne Werkausgaben gekauft, aber die müsste ich dann die nächsten Tage tragen. Daher hielt ich mich eisern zurück. Die restliche Zeit bis zur Abfahrt der letzten Dampflok verbrachte ich noch in einem Teehaus und auf dem Rückweg zum Bahnhof kam sogar wieder ein wenig die Sonne heraus.
Abends in meiner Unterkunft in Leeds beendete ich noch die Seite in meinem Skizzenbuch:

Fazit: Eine sehr schöne Wanderung, wobei man nicht unbedingt den Weg zur Brücke gehen müsste. Andere Wege dort sind vermutlich ebenso schön und ruhiger. Die gesamte Runde war aber auf alle Fälle sehr lohnenswert. Und ich kann euch nur wärmstens empfehlen einen etwaigen Besuch in Haworth mit einer Fahrt der Keighley & Worth Valley Railway zu verbinden.