Ostern in Italien: Venedig
Nachdem ich von Siena Abschied genommen hatte, stand noch eine Stadt bei mir am Programm: Nach vierstündiger Zugfahrt erreichte ich am frühen Abend Venedig. Es war mein erster Besuch in der Stadt und ich hatte länger überlegt, ob das der passende Zeitpunkt war. Aber nur hier umzusteigen, kam mir auch unsinnig vor und so hatte ich schließlich doch eine Unterkunft gebucht. Bis zu meiner Abfahrt am Ostermontag blieben mir daher knapp 24 Stunden (abzüglich Schlaf ;-)) zur Erkundung der Stadt. Die Zeit wollte ich gut nutzen und so machte ich mich nach dem Einchecken gleich auf den Weg zum Markusplatz. Ich hoffte, dass ich den Campanile passend zum Sonnenuntergang besteigen könnte.
Schon der erste Weg durch die Gassen war faszinierend. Venedig mit seinen Kanälen ist schon etwas besonderes und obwohl sehr viel los war, fand ich es angenehm einmal ganz ohne Autoverkehr unterwegs zu sein.




Am Markusplatz wurde mir gleich klar, dass mein Blick über Venedig zum Sonnenuntergang nichts werden würde – beim Campanile war eine lange Schlange und ich war wenig motiviert meine begrenzte Zeit hier mit Warten zu verbringen.





Ich spazierte daher lieber am Dogenpalast vorbei zur Lagune und genoss einen schönen Blick auf San Giorgio Maggiore.



Danach ließ ich mich einfach durch die Straßen treiben, ehe ich den nächtlichen Canal Grande bei einer Fahrt mit dem Vaporetto zurück zu meiner Unterkunft bestaunte.


Nachts konnte ich nicht besonders gut schlafen und das war letztendlich ein Glück: Noch vor sechs Uhr machte ich mich erneut auf den Weg zum Markusplatz und nun hatte ich ihn fast für mich alleine. Was für ein Traum! Wer meint, dass es hier ohne Menschenmassen nicht geht, war wohl noch nie früh genug da.





Nach einem kleinen Frühstück beschloss ich mein Glück auch gleich noch bei der Rialto-Brücke zu versuchen und auch hier war es noch menschenleer.


Danach ließ ich aber die touristischen Hotspots erst einmal hinter mir und machte mich auf Richtung Bahnhof, um den Stadtteil Cannareggio zu erkunden. Hier gibt es einige interessante Orte wie etwa die Insel Ghetto Nuovo, die vom 16. bis ins 18. Jh. das Wohngebiet für die jüdische Bevölkerung in Venedig war und zur Namensgeberin aller Ghettos wurde.




In Cannareggio findet man Calle Varisco, die schmalste Gasse in Venedig, die an ihrer engsten Stelle gerade einmal 53 cm breit ist.


Die anderen Gassen waren zwar nicht ganz so eng, aber es gab doch eine Vielzahl an schmalen Gassen und Kanälen mit erstaunlich wenig Menschen. Manchmal war ich sogar ganz einsam unterwegs und machte viele Fotos – etwa von der Ponte Chiodo dar, der einzigen Brücke in Venedig, die keine Brückenbrüstung besitzt.




Sehr spontan besuchte ich die Basilica dei Santi Giovanni e Paolo, eine der bedeutendsten Kirchen der venezianischen Gotik. Hier sind zahlreiche Dogen und andere Adelige bestattet.






Danach fuhr ich ein wenig ziellos mit mehreren Vaporetti durch die Stadt (ich musste ja schließlich meine Tageskarte für die Wasserbusse nutzen), ehe ich auf der Insel San Giorgio Maggiore ankam. Ich besichtigte die namensgebende Basilika aus dem 16. Jh., die unerwartet schlicht ist.



Der Glockenturm hier würde auch einen tollen Blick über Venedig bieten, ist allerdings derzeit geschlossen. Irgendwie hatte ich (außer in San Gimignano) in meinem Urlaub kein großes Glück mit Türmen. Daher nutzte ich die Zeit noch für eine kleine Malsession, da ich hier einen schönen Blick hatte.


Ich war so vertieft, dass ich beinahe die Zeit übersah, denn ich hatte um 14:30 einen Timeslot im Markusdom gebucht. Daher riss ich mich los und machte mich auf den Weg zurück zu Hauptinsel. Hier war der Kontrast zu den frühen Morgenstunden enorm: Auf dem Markusplatz und rundherum war nun sehr viel los; es gab kaum noch ein Durchkommen. Ich muss auch ehrlich sagen, dass mich der Besuch im Markusdom eher enttäuschte. Natürlich ist die byzantinische Architektur und die Innengestaltung mit den goldenen Mosaiken sehr beeindruckend. Allerdings wird man in einem Einbahnsystem durchgeleitet, wodurch man oft kaum die Möglichkeit hat alles in Ruhe zu betrachten. Es ist drinnen auch so dunkel, dass man teilweise kaum Details sehen kann. Ich bereue es zwar nicht, dass ich den Dom besichtigt habe, aber es war nicht ganz das atemberaubende Erlebnis, das ich mir erhofft hatte.






Und damit hieß es auch Abschied von Venedig nehmen. Es ist zweifellos eine faszinierende und einzigartige Stadt und ich bin froh, dass ich sie endlich gesehen habe. Damit bin ich aber auch erst einmal zufrieden – ich habe nicht das Gefühl, dass ich gleich nochmal hin möchte, auch wenn es natürlich noch viel zu besichtigen gäbe.