Wege in Europa

Ostern in Italien: Siena

Mein „Hauptquartier“ während meines Osterurlaubs in der Toskana hatte ich in Siena. Die Stadt geht zwar vermutlich schon auf eine etruskische Siedlung zurück, erlangte aber erst im Mittelalter eine größere Bedeutung. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte sie ihre Blütezeit, besonders durch Handel und Bankwesen. Die Universität Siena, die 1240 gegründet wurde, gehört zu den ältesten Universitäten Italiens. Auch heute ist Siena vor allem für die gut erhaltene mittelalterliche Altstadt bekannt, die seit 1995 zum UNESCO-Welterbe gehört. Berühmt ist auch der Palio di Siena, ein Pferderennen, das bereits seit dem Mittelalter von großer Bedeutung für Siena ist. Bei dem Rennen, das auf der Piazza del Campo ausgetragen wird, treten zweimal im Jahr jeweils zehn der 17 Bezirke (Contrade) gegeneinander an.

Einen ersten Eindruck der Stadt bekam ich am Gründonnerstag, als ich am Nachmittag aus Florenz anreiste. Ich war gleich von Anfang an begeistert von den schönen Gassen und dem harmonischen Gesamteindruck der Altstadt.

Da meine nächsten Tage mit Ausflügen eher verplant waren, nutzte ich die ersten Stunden in Siena gleich, um den Dom zu besichtigen. Der Dom von Siena mit seiner Fassade aus schwarzem und weißem Marmor ist eines der beeindruckendsten Bauwerke der italienischen Gotik. Der Bau begann Anfang des 13. Jh.s und zog sich bis in das 14. Jh. hinein. Ursprünglich war geplant, den Dom noch größer zu bauen – er sollte der größte Kirchenbau seiner Zeit werden. Dieses Projekt wurde jedoch wegen Geldmangel und Problemen mit der Statik aufgegeben.

Wie man auf den Fotos wohl sehen kann, ist der Dom auch im Inneren reich geschmückt. Einzigartig ist der Boden mit kunstvollen Marmorintarsien, der allerdings aus konservatorischen Gründen meist zu einem großen Teil abgedeckt ist. Lediglich für zwei Monate im Jahr (meistens zwischen Ende August und Ende Oktober) ist er in seiner ganzen Pracht zu sehen. Einen kleinen Eindruck bekam ich aber doch auch:

In einem Nebenraum des Doms befindet sich die Piccolomini-Bibliothek mit einem berühmten Freskenzyklus von Pinturicchio und einer Sammlung von Chorbüchern.

Mehr über den Dom und seine Kunstwerke erfährt man im angrenzenden Museum, für das ich eine Kombikarte hatte. Es befindet sich im Seitenschiff des unvollendeten „Neuen Domes“, jenem Ausbauprojekt, das ich oben erwähnt habe. Das Highlight hier ist die Terrasse der Facciatione, die von unten einen guten Eindruck des unvollendeten Bauwerkes vermittelt und von oben einen grandiosen Blick auf den Dom und die Stadt bietet.

Von Ausblicken war auch meine restliche Zeit in Siena geprägt. Am Ostersonntag wollte ich eigentlich in der Früh den Torre del Mangia, den Turm des Palazzo Pubblico, besteigen. Aber leider war der Turm wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, wovon auf der Webseite nichts zu lesen gewesen war. Daher war ich nicht die einzige, die mit langem Gesicht vor dem Eingang stand. Somit konnte ich also den Turm und die Piazza del Campo, auf der das anfangs erwähnte Pferderennen abgehalten wird, nur von unten bestaunen.

Zumindest den Palast selbst konnte ich aber besichtigen. Der Palazzo Pubblico wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut und diente als Regierungssitz der Republik Siena. Heute beherbergt er nicht nur das Rathaus, sondern auch das Stadtmuseum.

Von der Terrasse hatte ich einen weiteren schönen Blick auf Siena und die Umgebung.

Am Vorabend hatte ich nach meiner Wanderung noch einen Aussichtspunkt bei der Basilica di San Domenico aufgesucht und die Stadt in einem schönen Abendlicht erlebt. Jetzt suchte ich diesen und einen weiteren Aussichtspunkt noch einmal auf für einen Blick auf die Stadt bei Tageslicht

Zuletzt machte ich auf dem Weg zum Bahnhof noch bei der Fortezza Medicea Halt, einer Festung aus dem 16. Jahrhundert. Hier begann ich schließlich noch ein Bild von Siena, das ich später zuhause fertig malte.

Und damit ging meine Zeit in Siena auch schon zu Ende und ich bestieg den Zug nach Venedig, wo ich noch einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Hause machte.

Fazit: Siena ist eine wunderschöne Stadt, die selbst zu Ostern erstaunlich ruhig war. Mancherorts war natürlich schon einiges los, aber es kam mir nirgends überfüllt vor und es waren nicht nur Touristen unterwegs, sondern auch viele Einheimische. Da auch die Umgebung fantastisch ist und noch einiges zu bieten hätte, möchte ich unbedingt noch einmal nach Siena reisen. Dann kann ich hoffentlich auch den Turm nachholen.

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