Weitwanderwege

Moselcamino 8: Schweich – Trier

Die letzte Etappe hatte auf dem Weg nach Trier teils schon einen recht städtischen Charakter, teils aber auch unerwartet wilde Pfade.

Die Fakten
24,9 km 568 hm 563 hm
Start: Schweich
Ziel: Trier

Als ich heute morgen in der Küche meinen Gastgeber antraf, fragte mich dieser, ob ich „auf dem einfachen Weg“ an der Mosel entlang nach Trier gehen würde „oder über die Berge“. Da der Moselcamino keinen Hügel auslässt, war es natürlich zweiteres. Bereits auf meinem Weg von der Unterkunft zurück zum Camino ging es leicht bergauf und das setzte sich auf dem folgenden Waldweg fort. Heute war es bereits um 8 Uhr unglaublich heiß in der Sonne, daher war ich froh, dass es immer wieder Schatten gab. Dass es heute zum Ziel ging, war merkbar: Es gab Stempelstationen, einen Pilgerstein und ein Kreuz, das schon mal die verbleibenden 2395 Kilometer nach Santiago de Compostela anzeigte – für alle, die nicht in Trier aufhören wollen.

In Ehrang, das ich am späten Vormittag erreichte, besichtigte ich die Kirche St. Peter, die ich in der Innengestaltung sehr interessant fand. Bei der Holzstatue des Petrus stieg mir unerwartet Zirbenduft in die Nase – und tatsächlich stammt diese vom Südtiroler Bildschnitzer Armin Grunt, der sie aus Zirbenholz gefertigt hat.

Beim Ortsausgang kaufte ich mir noch Kaffee und machte eine Mittagspause, ehe es auf einem überraschend kühlen (aber aufgrund der Nähe zur Autobahn leider lauten) Waldweg bergauf ging. Zwischendurch ging es auch über sonnige und entsprechend heiße Wiesenabschnitte, ehe ein kleiner Pfad steil bergab führte nach Biewer, wo es an einem Jakobsbrunnen vorbeiging.

Danach ging es wieder bergauf zum Felsenpfad, der 3 Kilometer an einer felsigen Hangkante über der Mosel entlangführte – nun schon mit Blicken auf Trier. Ich fand diesen Weg sehr interessant zu gehen und hätte einen solchen so kurz vor der Stadt nicht erwartet.

Hier von der Brücke nach Trier hinüber nochmal zwei Blicke zurück auf den Felsenpfad:

Nach der Brücke würde der Originalweg am Moselufer entlang zur Benediktinerabtei St. Matthias führen. Ich ging stattdessen in die Stadt hinein zur Porta Nigra, ein römisches Stadttor von 170 n.Chr. Die Porta Nigra will ich schon seit Jahren oder eher Jahrzehnten sehen, daher wäre das für mich auch schon ein passendes Ziel gewesen. Es ist auch wirklich ein beeindruckendes Bauwerk, umso mehr aufgrund des stolzen Alters.

Meine Unterkunft, das Hostel St. Clara im Josefsstift, befindet sich un unmittelbarer Nähe der Porta Nigra, daher checkte ich ein und entledigte mich meines Rucksacks. Ich habe hier ein schlichtes Einzelzimmer mit Badezimmer am Gang, außerdem gibt es eine Küche und Gemeinschaftsräume.

Nun vom schweren Rucksck befreit machte ich mich auf den Weg zum eigentlichen Ziel – und fühlte mich ohne Rucksack auf einmal gar nicht mehr wie eine Pilgerin.

Unterwegs besichtige ich gleich noch ein wenig die Stadt und stattete sowohl dem Dom als auch den Barbarathermen einen kurzen Besuch ab. Den Dom werde ich vielleicht morgen nochmal näher besichtigen. Heute Nachmittag war es nicht nur unglaublich voll, sondern ich fühlte mich von der Größe und dem Prunk fast erdrückt (so ging es mir beim Olavsweg auch im Nidarosdom in Trondheim).

Da es am Nachmittag in der Sonne fast unerträglich heiß war (es hatte hier über 30 Grad), zog sich der Weg durch die Stadt ziemlich. Von der Porta Nigra waren es etwa 3 km bis zur Benediktinerabtei St. Matthias. Hier bedindet sich mit dem Grab des Apostels Matthias das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. Ich fand die romanische Basilika vor allem von außen sehr schön; drinnen beeindrucken mich die Fenster deutlich mehr als das Grab. 😉

Während ich hier war, kamen keine weiteren Pilger an (dafür kamen mir ein paar entgegen, als ich die Basilika verließ), daher bat ich eine ältere Frau Fotos von mir zu machen.

Schließlich holte ich mir im Klosterladen noch den letzten Stempel und kaufte mir einen Pin mit der Moselcamino-Muschel. Ich werde es in den nächsten Tagen vermissen, dass ich nicht weiter der gelben Muschel folge. Denn wie meistens bei längeren Wanderungen bin ich zwar einerseits froh, dass es nun geschafft ist (zumal ich durch den Moselsteig-Abstecher jeden Tag ein ziemlich hohes Pensum hatte), finde es aber andererseits auch sehr schade, dass es nun vorbei ist. Da erst mal keine Abkühlung in Sicht ist, habe ich aber auch nichts dagegen, dass ich morgen die weitere Stadtbesichtigung ohne schweren Rucksack machen kann.

Da ich in der Hitze nicht den ganzen Weg wieder zurückgehen wollte, nahm ich den Bus und konnte so auch noch die Porta Nigra vor der Schließzeit von innen besichtigen.

Von der Porta Nigra sah ich nicht nur in eine Richtung den Dom (linkes Bild), sondern auch in die andere meine Unterkunft (rechtes Bild, hinter dem weißen Haus).

Ich werde in einigen Tagen noch ein Fazit zum Moselcamino ziehen, daher möchte ich in diesem ohnehin schon langen Beitrag nicht mehr viel allgemeines dazu schreiben. Als Fazit zur letzten Etappe kann ich sagen, dass diese landschaftlich nicht mit den anderen mithalten kann. Ich fand sie aber grüner und ruhiger als befürchtet – vor allem der Felsenpfad war ein schöner Abschluss der Wanderung, ehe es in dir Stadt hineinging.

8 Comments

  • Konstanze

    Schön, dass du heil an deinem Ziel angekommen bist (und das auf der gesamten Strecke ganz ohne dich durch Gebüsch schlagen zu müssen! 😉 )! Es freut mich zu lesen, dass diese letzte Strecke noch ein paar hübsche Überraschungen für dich bereit hielt.

    Beim Anblick der Wettervorhersage habe ich heute noch an dich gedacht – ein Glück, dass heute dein letzter Wandertag war und du nicht noch eine Woche bei 30 Grad vor dir hast. Ich hoffe, du hast morgen noch einen angenehmen Tag in Trier und kannst die Stadt ganz in Ruhe genießen. 🙂

    • Udo

      Wow, das sind tolle Bilder und lebendige Erzählungen! Ich bin jetzt erst dazu gestoßen, habe dafür aber deine Etappen gleich alle auf einmal gelesen. Wirklich sehr eindrucksvoll!
      Der Moselcamino ist gar nicht soweit weg vom Saar-Hunsrück-Steig, den wir in den Corona-Jahren 2020+21 gegangen sind.

      • Judith

        Es freut mich sehr, dass du die Beiträge gelesen hast. 🙂 Ich musste bei dieser Wanderung sehr oft wehmütig an den Olavsweg und die netten Begegnungen dort denken.
        Der Saar-Hunsrück-Steig klingt auch interessant.

    • Judith

      Hehe, stimmt. Wobei – einmal ging es durch Gestrüpp, aber das war so kurz, dass es nicht wirklich eine Erwähnung wert war.
      Ich habe heute die Stadt und vor allem die antiken Bauwerke ausreichend erkundet. 🙂

  • Karin

    Es freut mich, dass du dein Ziel gut erreicht hast! Nach den wunderschönen Bildern von deiner Wanderung kann ich die Wehmut über das Ende gut verstehen. Die ersten Bilder aus Trier sind toll. Ich finde aber auch, so wie du, die St. Peter Kirche sehr interessant. Wie die Statuen ein Gesamtbild mit Boden- und Wandgestaltung ergeben, finde ich sehr schön und ansprechend. Die Statue von Maria mit dem Kind ist ein totaler Kontrast zu den üblichen Darstellungen, aber sie erscheint mir gerade deshalb besonders interessant. Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit in Trier!

  • Julian

    Danke, dass Du uns nach den anstrengenden Wanderetappen immer noch tagesaktuell ‚auf dem Laufenden‘ gehalten hast, und dies mit so schönen Impressionen.
    In welche Richtung geht Pilgerweg von Trier aus weiter und wäre die weitere Strecke auch so etabliert wie der Moselcamino?

    • Judith

      Zunächst geht es nach Metz weiter und dann nach Vezelay und auf die Via Lemovicensis. Wie gut die Strecke etabliert ist, weiß ich nicht genau, aber die Wege in Frankreich dürften wohl allgemein ganz gut ausgebaut sein.

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