Wege in Österreich

Von Hirschwang an der Rax zum Knofelebenhaus

Die Fakten
16 km ca. 900 hm ca. 900 hm
Start: Hirschwang an der Rax (Bus)
Ziel: Bahnhof Payerbach-Reichenau

An einem Sonntagmorgen Mitte August wollte ich mich früh nach Kaiserbrunn aufmachen, um von dort den Krummbachstein zu besteigen. Da die Tour etwas schwieriger zu werden versprach, wollte ich nicht meine leichten Wanderschuhe anziehen, mit denen ich sonst unterwegs bin, sondern griff zu meinen alten knöchelhohen Wanderschuhen, die in den letzten Jahren im Regal verstaubt sind. Als ich schon aufbrechen wollte, erinnerte ich mich an eine Erzählung meiner Mutter, dass sich bei Wanderschuhen, die jahrelang herumstehen, auch mal die gesamte Sohle auflösen kann. Also zog ich prüfend ein wenig an einer Sohle – die sich daraufhin fast gänzlich vom Schuh löste. Dabei hatten die Schuhe völlig in Ordnung gewirkt!

In aller Hektik, da ich den Zug nicht versäumen wollte, schlüpfte ich daraufhin doch wieder in meine leichten Schuhe und vergaß vor lauter Stress auch noch meinen Wanderführer daheim. Im Zug recherchierte ich mit dem Handy und beschloss, den letzten steinigen Aufstieg zum Krummbachstein lieber bleiben zu lassen und dafür die Wanderung bereits in Hirschwang zu beginnen.

Während die meisten von der Bushaltestelle in Hirschwang zur Rax-Seilbahn strömten, ging ich in die Gegenrichtung zum Einstieg des Wiener Wasserleitungsweges. Einen anderen Teilabschnitt dieses Weges hatte ich bereits früher im Jahr begangen; jetzt wollte ich entlang der 1. Wiener Wasserleitung von Hirschwang nach Kaiserbrunn gehen. Diese ersten paar Kilometer durch das Höllental waren sehr einfach, aber wunderschön zu gehen. Hier im tiefen Tal war es am Vormittag noch kühl, beinahe kalt.

In Kaiserbrunn angekommen, hätte ich auch das Wasserleitungsmuseum besuchen können, aber dafür fehlte mir an diesem Tag die Zeit. Das muss also ein anderes Mal nachgeholt werden.

Und nun fing die eigentliche Wanderung an: über den Miesleitensteig hinauf zum Naturfreundehaus auf der Knofeleben. Es ging stetig durch den Wald bergauf, teilweise auch mit etwas unangenehmen Blicken in die Tiefe. Nein, ausgesetzt war der Weg nicht, aber ich bin offensichtlich nicht mehr so schwindelfrei wie früher als Jugendliche. Ich brachte es noch nicht einmal über mich, den Blick nach unten zu fotografieren. 😉

Der Weg war mit 2 bis 3 Stunden angeschrieben gewesen und als ich schon fast 1,5 Stunden unterwegs war, war ich nicht nur ziemlich müde, sondern auch ein wenig verunsichert. Wie erwähnt, hatte ich meinen Wanderführer zuhause vergessen und es gab hier absolut keinen Empfang und kein Internet. Ich war mir also nicht sicher, wie weit auf dem Steig ich schon gekommen war, ob ich einigermaßen in der Zeit lag oder vielleicht viel länger als angegeben brauchen würde. Und ich wusste, dass eine schwierige Stelle über Schotter noch folgen würde.

Als ich so ein bisschen mit Zweifeln kämpfte, erreichte ich nicht nur die Schotterpassage, sondern stieß auch auf eine Wandergruppe. Ich folgte diesen über den mit Seilen gesicherten Hang hinauf und fühlte mich nun gleich besser: Nicht nur, weil ich mich an eine andere Gruppe andocken konnte, sondern auch, weil ich die Seilpassage als viel leichter empfand als den Weg davor. Nun hatte ich wenigstens etwas, woran ich mich festhalten konnte und außerdem ging der Weg den Hang hinauf anstatt den Hang entlang – das heißt, mein Blick fiel nicht mehr ständig in die Tiefe.

Nach dieser Passage ließ mich die Wandergruppe vor, weil sie meinten, dass ich schneller wäre. Das bezweifelte ich ein wenig, da ich mir selbst sehr langsam vorkam, aber tatsächlich ließ ich sie dann bald hinter mir. Dann tauchte auch endlich wieder ein Wegweiser auf, der behauptete, dass es bis zum Knofelebenhaus noch 1 Stunde zu gehen wäre. Gleich danach wurde aus dem schmalen Pfad dann ein breiter, flacher Weg und ich hatte einen herrlichen Blick auf den Schneeberg und die Rax.

Schließlich tauchte vor mir früher als erwartet das neue Naturfreundehaus auf der Knofeleben auf. Ich hatte für den letzten Abschnitt bei weitem keine Stunde mehr gebraucht und war insgesamt etwas mehr als 2 Stunden auf dem Miesleitensteig unterwegs gewesen. Kein Wunder also, dass ich zwischendurch so müde gewesen war: Während ich mir selbst so langsam vorkam, war ich anscheinend relativ zügig (und für meine Kondition wohl schlicht zu schnell) nach oben gegangen.

Nach einer Pause mit köstlichem Heidelbeerstrudel machte ich mich auf den Weg hinab. Diesmal ging es nicht über den Miesleitensteig, sondern durch die „Eng“, was ein sehr passender Name für diese Schlucht ist.

Dieser Weg war deutlich einfacher als der Miesleitensteig. Trotzdem ging es stellenweise auch ein wenig steiler bergab und es faszinierte mich, in welchem Tempo mich da manche andere Wanderer überholten – die auch nicht unbedingt festere Schuhe anhatten als ich.

In der Eng kann man einen Teil einer rekonstruierten Holzriese bewundern, denn bis in die 1950er Jahre wurde auf solchen solchen Transportrinnen Holz hinunter nach Payerbach gebracht.

Am Ende gab es dann mit dem Mariensteig noch einmal kurz eine gesicherte (aber nicht schwierige) Passage, ehe es durch Straßen zum Bahnhof Payerbach-Reichenau ging.

Fazit: Eine sehr schöne und lohnenswerte, aber nicht ganz einfache Tour. Technisch auf jeden Fall anspruchsvoller als mein Weg auf den Schneeberg über den Bahnwanderweg (auch wenn dieser länger war). Seither habe ich mir neue, feste Wanderschuhe gekauft, die über den Knöchel gehen und ein gutes Profil haben – und ich schätze, dass ich mir leichter getan hätte, wenn ich diese bei der Wanderung schon gehabt hätte.

8 Comments

    • Neyasha

      Jaaaa!
      Ich hatte auch dieses Jahr eigentlich auch über den einen oder anderen Besuch in Deutschland nachgedacht, aber aus bekannten Gründen ist das nichts geworden. Steht aber auch auf meiner Liste für später …

  • Tine

    Wie ärgerlich mit deinen alten Wanderschuhen. Aber zum Glück hast du es noch rechtzeitig gemerkt.
    Die Bilder sehen super aus. Ich mag die Landschaft total gerne – Natur ist einfach beeindruckend!

    • Neyasha

      Ja, die Schuhe waren zugegeben schon ziemlich alt, aber trotzdem nervig. Vor allem, weil die neuen zwar super sind, aber nicht mehr so schön leicht wie die alten.
      Die Landschaft dort war wirklich toll!

  • Konstanze

    Das mit den Sohlen habe ich inzwischen bei so einigen wandernden Bloggerinnen gelesen – anscheinend bieten deshalb auch ziemlich viele Wanderschuh-Hersteller die Neubesohlung der Schuhe an. Ich wäre ja schon neugierg, warum das gerade bei Wanderschuhen so verbreitet zu sein scheint.

    Und ich finde es spannend, dass du dich die ganze Zeit als so langsam empfunden hast, aber doch die Strecke sehr schnell und zügig gegangen bist. Wenn du schon schreibst, dass du nicht nach unten schauen konntest, dann reicht mir das schon, um mich unwohl zu fühlen. Auch wenn du nicht mehr so schwindelfrei bist wie früher, bist du definitiv deutlich schwindelfreier als ich. 😉 Wirst du die Strecke im kommenden Jahr noch einmal mit angemessenerem Schuhwerk ausprobieren?

    • Neyasha

      Das Problem ist, dass Wanderschuhe meistens für die Dämpfung eine Zwischensohle aus Polyurethan haben, das bei langem Nichttragen hart und porös wird. Und es lässt sich auch nicht jedes Modell neu besohlen. Meine neuen Schuhe haben leider auch wieder so eine Zwischensohle, aber sie waren einfach die bequemsten. Ich habe einige Modelle probiert, die in der Hinsicht langlebiger sein sollten, aber was hilft das, wenn man sich darin nicht wohlfühlt. Meine alten Schuhe sind halt um die 10 Jahre ungetragen im Regal gestanden, das ist schon ein Extremfall und jetzt weiß ich wenigstens, dass das bei Wanderschuhen nicht zu empfehlen ist.

      Dieses Gefühl, dass ich langsam bin, liegt vielleicht daran, dass ich letztendlich lange bergauf-Strecken noch immer nicht so gewöhnt bin und daher mein normales Gehtempo von ebenen Strecken als Maßstabe nehme. Ich würde die Wanderung auf jeden Fall gern nochmal machen und dann vielleicht auch bis rauf zum Krummbachstein. Ich glaube auch, dass ich mich bei einem weiteren Mal wohler dabei fühlen würde, weil ich weiß, was mich erwartet, während ich beim ersten Mal die ganze Zeit dachte, dass der Weg vielleicht im späteren Verlauf noch beängstigender wird (was ja nicht der Fall war).

      • Konstanze

        Ah, danke für die Informationen! Und ja, der Sitz ist definitv das Wichtigste bei Wanderschuhen!

        Dann bin ich gespannt, wie du dich fühlst, wenn du die Strecke noch einmal angehst, und ob du dann ganz rauf gehst. 🙂

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