Gendarmstien 4: Sønderborg – Lebøl Løkke
Die Fakten
18,2 km 184 hm 167 hm
Start: Sønderborg
Ziel: Lebøl Løkke
Schwierigkeit: einfache Wald- und Küstenwege
Meine vierte Etappe begann mit einem sehr gemächlichen Morgen am Campingplatz, da ich Schloss Sønderborg besichtigen wollte, das erst um 10 Uhr öffnet. Auf dem Weg zum Schloss machte ich noch eine Runde durch die Innenstadt für ein paar mehr Eindrücke von Sønderborg:



Das Schloss, das der Stadt den Namen gab, wurde vermutlich bereits im 12. Jahrhundert als Festung zum Schutz vor Seeräubern errichtet. Während die Burg im Laufe der folgenden Jahrhunderte ausgebaut und erweitert wurde, wuchs auch der Ort bis zum 15. Jahrhundert zur Stadt heran. Im 16. Jahrhundert wurde das Schloss dann zu einer prächtigen Renaissanceresidenz ausgebaut und erfuhr weitere Umbauten im Barock. Im Deutsch-Dänischen Krieg und in weiterer Folge auch unter preußischer Herrschaft diente das Schloss als Kaserne. Als Sønderborg nach 1920 wieder dänisch wurde, entstand darin bereits erstmals ein Museum. Heute wird dort die wechselhafte Geschichte des Schlosses und der Region gezeigt.


Ich war mit der Besichtigung eine ganze Weile beschäftigt und machte mich daher erst zur Mittagszeit auf den Weg. Für diesen Tag hatte ich aber aus diesem Grund ohnehin eine recht kurze Etappe geplant. Gerade, als ich loswanderte, setzte leichter Regen ein, der aber bald wieder aufhörte. Es ging viel durch den Wald, aber auch immer wieder an der Küste entlang und über Feldwege. Sehr abwechslungsreich also.



Oft waren am Strand die deutlichen Spuren vergangener Stürme zu sehen.

Nach einem Einkauf in Høruphav und anschließender Mittagspause am Strand ging ich noch zur ehemaligen Torpedostation Høruphav Klint. Diese wurde 1906 unter preußischer Herrschaft als Test- und Versuchsstandort für Torpedos errichtet. Während des Ersten Weltkriegs war sie ein wichtiger militärischer Forschungs- und Produktionsstandort mit mehreren hundert Beschäftigten. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die deutsche Kriegsmarine das Gelände erneut für militärische Forschungsarbeiten. Nach Kriegsende wurde das Areal zeitweise zu einem Flüchtlingslager umfunktioniert. Dort lebten über 1.000 deutsche Flüchtlinge, womit es eines der größten Flüchtlingslager in Südjütland war.
Heute sind nur noch ein paar Überreste der Anlage erhalten. Da ich passend zu meiner Wanderung gerade einen Roman gelesen hatte, der in dieser Gegend spielt und bei dem das Flüchtlingslager eine Rolle spielte, machte ich trotzdem diesen kleinen Abstecher.

Da von dort zwar kein Verbindungsweg zum Gendarmstien eingezeichnet war, ich aber dennoch einen verwachsenen Pfad erkennen konnte, dachte ich, dass ich hier geradewegs weitergehen könnte. Als ich bald mitten im Gebüsch steckte, merkte ich schnell, dass das nicht die beste aller Ideen war. Letztendlich musste ich feststellen, dass es kein Durchkommen gab und musste mich also wieder zurückkämpfen. Zum wiederholten Male nahm ich mir vor keine „Abkürzungen“ mehr zu nehmen. Es dürfen Wetten abgeschlossen werden, wie lange dieser Vorsatz anhielt.


Als ich wieder zurück auf dem Weg war, ging es wie schon auf den Kilometern zuvor sehr schön wechselweise an der Küste entlang und über Feldwege. Am Himmel hingen verdächtige Wolken, aber noch blieb es trocken.



Kurz vor meinem Ziel erreichte ich ein Bootshaus, das einst Siegfried Lenz gehörte. Und die Kuhweide unmittelbar nebenan gehörte bereits zu meiner Unterkunft.


Diesmal hatte ich nämlich wieder einen privaten Zeltplatz gefunden: Birgit, die mit stolzen 92 Jahren noch ihre Kühe versorgt und jeden Tag die nahegelegene Mühle von Vibæk für Besucher öffnet, beherbergt in ihrem Garten Wanderer und Wanderinnen. Diese können auch einen Pavillon mit schönem Blick auf die Flensburger Förde sowie ein rustikales Badezimmer nutzen. Ich war an diesem Abend die einzige hier, unterhielt mich aber dafür eine Weile mit Birgit, die früher selbst Wandergruppen über norwegische Berge geführt hat.


Als ich mein Zelt aufgestellt und mich häuslich eingerichtet hatte, zogen die verdächtigen Wolken nun doch immer näher und es begann zu regnen und zu donnern. Birgit kam extra nochmal im Regen zu mir, um mir zu sagen, dass ich ins Haus kommen könnte, falls das Gewitter näher käme, aber es zog mit einiger Entfernung vorbei. Der Regen hielt allerdings eine Weile an und so malte ich im trockenen Pavillon meinen Ausblick. Und danach gab es noch einen Regenbogen über Birgits Haus.


Fazit: Eine weitere schöne Etappe und ein abwechslungsreicher Tag mit tollem Zeltplatz zum Abschluss.