Von Eggenburg nach Pulkau: Höhlen und Lost Places
Die Fakten
16,8 km 261 hm 356 hm
Start: Eggenburg
Ziel: Pulkau
An- und Abreise: REX 41 nach Eggenburg; Bus 873 von Pulkau nach Zellerndorf, dort REX 3 nach Wien
Schwierigkeit: Bei Schnee waren einige Wege sehr rutschig, aber sonst eine einfache Wanderung
Im Winter spielt das Wetter immer eine große Rolle bei der Auswahl meiner Wanderungen. Da es am vergangenen Wochenende grau und windig werden sollte, machte ich mich auf den Weg ins Weinviertel, wo zumindest ab dem frühen Nachmittag Sonne angesagt war. Das Buch „111 Orte im Weinviertel, die man gesehen haben muss“ inspirierte mich zu einer Tour von Eggenburg nach Pulkau, wo ich unterwegs ein paar interessante Orte mitnehmen konnte.
Als ich in Eggenburg ausstieg, wurde gleich klar, dass die Bedingungen diesmal „interessant“ waren. Auf dem Wag vom Bahnhof in die Innenstadt war es nahezu spiegelglatt und ich tastete mich vorsichtig voran. Zwar hatte ich meine Grödel im Rucksack, aber dafür wiederum war es zuviel Asphalt. Letztes Jahr im Februar hatte ich Eggenburg bei Sonnenschein erlebt, aber davon konnte nun keine Rede sein. Trotzdem nochmal ein paar zusätzliche Impressionen der Stadt:




Als ich Eggenburg Richtung Norden verließ, wurden die Wege dank Schnee etwas griffiger. Dafür wehte mir nun ungehindert ein eisiger Wind entgegen. Das würde also wohl eher eine Wanderung nach dem Motto „raus aus der Komfortzone“ werden.

Als ich Roggendorf passiert hatte, bog ich in den Wald ein und verpasste dann fast eine Abzweigung nach links zur Fuchsenlucke, da man das Schild fast nur sieht, wenn man aus der anderen Richtung kommt. Da es trotz Schnee auch immer wieder sehr glatte Stellen gab und es nun stellenweise bergab ging, schnallte ich jetzt doch die Grödel an die Schuhe.


Bald darauf erreichte ich meine erste Sehenswürdigkeit auf dem Weg – die „Fuchsenlucke“, in der zahlreiche eiszeitliche Knochenreste von Tieren, darunter auch von Wollnashörnern und Mammuts, gefunden wurden. Man kann auch ein bisschen in die Höhle hineingehen, allerdings ist sie ziemlich niedrig, weshalb ich auf eine ausführlichere Erforschung verzichtete.


In meiner Wanderapp hatte ich hier keinen durchgehenden Weg von der Lucke weg gefunden und befürchtete daher, dass ich wieder einen Kilometer zurückgehen müsste. Aber es gab dann doch einen kleinen Pfad, der mich steil bergab und in einem beherzten Schritt über den Maigner Bach führte, ehe ich wieder auf eine Forststraße traf. Ich hatte nun eine weitere Höhle auf dem Programm und zwar die Muschelhöhle Röschitz. Vor 20 Millionen Jahren erstreckte sich nämlich hier noch eine Küste und Schalen von Napfschnecken, Austern und Kammmuscheln blieben im Höhlendach erhalten. Unmittelbar auf dem Pfad, der zur Höhle abzweigte, fanden Waldarbeiten statt und ich erkundigte mich erst mal, ob ich hier durchgehen könnte. Der Arbeiter bestätigte mir das zwar, meinte aber auch gleich, dass es bei der Höhle nicht allzu viel zu sehen gäbe. Damit hatte er leider recht, denn man kann nur von außen durch ein Gitter in die Höhle hineinschauen und dort nicht viel erkennen.


Einen extra Ausflug zu dieser Höhle kann ich also nur bedingt empfehlen. 😉 Aber ich hatte ja noch einiges mehr auf meiner heutigen Liste. Auf Feldwegen ging ich weiter zum Gelände eines stillgelegten Steinbruchs, in dem während des Zweiten Weltkriegs Kriegsgefangene und Zivilpersonen Zwangsarbeit leisten mussten. Beim Eingang kann mittels eines QR-Codes eine Art audivisuelle Tour geladen werden. Da das Gelände im Schnee teilweise recht unzugänglich war, blieb ich allerdings auf den Hauptwegen und sah daher vor allem die verfallenen Betriebsgebäude und wenig vom Steinbruch.




Als nächstes hatte ich nun den ehemaligen Bahnhof von Pulkau auf meinem Weg, der an der Bahnstrecke Zellerndorf-Sigmundsherberg lag. 1988 wurde der Personenverkehr eingestellt, bald darauf auch der Güterverkehr. Das alte Bahnhofsgebäude war bis vor kurzem (und auch bei der Publikation des oben erwähnte Buches) noch ein echter Lost Place – im Internet findet man noch sehr schöne Fotos, wo das Gebäude allein und verlassen in der Gegend herumsteht. Mir bot sich inzwischen ein anderes Bild: Der Künstler Jürgen Engelmayr kaufte nämlich vor ein paar Jahren den ehemaligen Pulkauer Bahnhof und möchte dort nun eine Kulturoase schaffen. Daher fand ich nun vor allem eine Baustelle nebst einigen skurrilen Skulpturen vor. Ich bemühte mich um ein paar stimmungsvolle Fotos, aber das war nicht so ganz das, was ich hier erwartet hatte …





Aber bei dem trüben Wetter wirkte fast alles wie ein Lost Place – selbst die kleine Kellergasse am Rand von Rafing.

Ich legte hier auf einer Bank eine Pause ein, um Tee zu trinken und mein Jausenbrot zu essen. Nun, da ich nicht mehr in Bewegung war, wurden allerdings meine Hände und Füße in Windeseile die reinsten Eisklumpen. Das Problem mit den Grödel ist, dass sich unter der Befestigung aus Gummi permanent Schnee sammelt, der dann von oben auf die Schuhe drückt. Ich hatte zwar meine Bergschuhe an, die sonst tatsächlich sehr gut wasserdicht sind, aber das hielten sie dann leider auch nicht aus und so hatte ich nun nasse Zehen.
Ich verdrückte also mein Brot in Windeseile und machte mich schnell wieder auf den Weg. Meine eiskalten Füße und die Tatsache, dass noch immer nicht die Spur von Sonne in Sicht war, ließen mich nun allerdings umplanen. Ich hatte eigentlich zu zwei Aussichtspunkten gehen wollen, verschob das aber jetzt auf ein anderes Mal. Zweierlei nahm ich aber auf dem Weg nach Pulkau noch mit: die Bründlkapelle und den Hochkogel, auf dem es sogar ein Gipfelkreuz gibt.



Auf einem kleinen Pfad ging es bergab ans Ufer der Pulkau, der ich nun in die gleichnamige Ortschaft folgte.


Die Geschichte von Pulkau reicht schon bis ins frühe Mittelalter zurück und tatsächlich gab es auch einiges interessantes zu sehen. Das Rathaus stammt aus dem 17. Jahrhundert; die dahinter liegende Filialkirche hl. Blut wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Sehr sehenswert wäre der spätgotische Pulkauer Flügelaltar, aber leider waren alle Türen geschlossen – obwohl zwei Schilder behaupteten, dass der Eingang auf der Westseite geöffnet wäre.


Auf einer Anhöhe steht die Pfarrkirche, die ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammte, aber nach einer Zerstörung im 17. Jahrhundert neu erbaut werden musste. Interessant ist der noch aus dem Mittelalter erhaltene Karner, der seine Form als Rundkapelle den Kreuzfahrern verdankt, die in der Heimat das Heilige Grabes von Jerusalem nachahmen wollten.




Als ich wieder hinunter in die Stadt ging, hatte ich noch etwas Zeit bis zur Abfahrt des Busses. Diese vertrieb ich mir, indem ich zwei kleine Dorfläden erkundete, die aber wirklich sehr überschaubar waren. Um 15 Uhr stieg ich dann am Hauptplatz in den Bus – und ausgerechnet jetzt riss doch noch die Wolkendecke auf.



Fazit: Auch wenn ich keine spektakulären Sehenswürdigkeiten auf dem Weg hatte, gab es doch einiges zu sehen. Das Wetter war aber denkbar ungemütlich und sorgte auch für eine etwas trostlose Stimmung, die man wohl auf den Fotos erahnen kann. Pulkau ist auf jeden Fall einen Besuch wert und vielleicht kann ich es ja nochmal bei Sonnenschein besichtigen, wenn ich die Aussichtspunkte nachhole.