Nachbetrachtung meiner Wanderung: Wege, Kosten, Kilometer und allgemeine Gedanken

Es ist an der Zeit einen Blick zurück auf meine Wanderung zu werfen. Nach einigen allgemeinen Zahlen und Überlegungen werde ich sie dafür abschnittsweise betrachten und jeweils meine allgemeinen Gedanken sowie einige Fakten (durchschnittliche Übernachtungskosten und zurückgelegte Kilometer) zusammenfassen. Ganz am Ende gibt es noch eine Überblickskarte. Meine Überlegungen zur Ausrüstung kommen später in einem eigenen Beitrag, da dieser hier ohnehin schon sehr lang wird – macht es euch am besten mit einem Kaffee oder Tee gemütlich. 😉
Einige Zahlen im Gesamten
Fangen wir mal mit den nackten Zahlen an: An 46 Wandertagen habe ich 1.025,7 Kilometer zurückgelegt und 17.925 Höhenmeter bergauf sowie 18.358 Höhenmeter bergab bewältigt.
Für meine 53 Übernachtungen habe ich insgesamt 1.616 Euro bezahlt, das sind im Schnitt 30,5 Euro pro Übernachtung. Das finde ich besonders interessant, denn 2022, als ich zum ersten Mal den Olavsweg gegangen bin, waren es insgesamt 1.496,40 für 34 Übernachtungen, also im Schnitt 44 Euro pro Nacht, obwohl die Preise seither stark gestiegen sind.
Die Preise auf den einzelnen Abschnitten waren recht unterschiedlich – das schauen wir uns nachher gleich an. Hier noch eine kleine Aufstellung zur Art der Übernachtung:
- Pilgerherberge: 32 Übernachtungen
- Zelt/Shelter: 10 Übernachtungen
- Hotel/Airbnb: 7 Übernachtungen
- Campinghütte: 4 Übernachtungen
Sehr interessant finde ich, dass ich bei all den Übernachtungen in Herbergen lediglich sechsmal mit anderen Personen das Schlafzimmer teilen musste, obwohl ich immer nur ein Bett gebucht habe. Sonst war ich immer entweder ganz alleine in der Herberge oder wir waren so wenige, dass wir uns auf mehrere Zimmer aufteilen konnten. 2022 hingegen habe ich bei 19 Übernachtungen in Herbergen fünfzehnmal das Schlafzimmer geteilt. Zum Thema Gemeinschaft vs. Alleinsein werde ich später auch noch mehr schreiben.
Nun zur Betrachtung der einzelnen Abschnitte:
Dänemark
In Dänemark bin ich an 16 Tagen 358,5 Kilometer gewandert, im Schnitt pro Tag: 22,4 km 213 hm 216 hm
Ich hätte hier mit einem höheren Schnitt gerechnet, weil ich in Dänemark am Anfang sehr viele lange Etappen zwischen 25 und 35 Kilometer gemacht habe, allerdings gab es dafür auch ein paar sehr kurze Etappen.
Dänemark hat man vielleicht nicht unbedingt als Wanderland im Kopf, aber die Zeit hier war wirklich ein ganz tolles Erlebnis. Die ersten Tage waren landschaftlich nicht so interessant, aber dann wurde es immer schöner. Besonders fantastisch waren die letzten Tage im Norden mit Dünen- und Heidelandschaften und langen Abschnitten direkt an der Küste. Der Hærvejen ist besonders im Süden etwas asphaltlastig, war aber dafür von der Infrastruktur her einfach toll. Es gab täglich Einkaufsmöglichkeiten, günstige Herbergen, die man nicht vorbuchen muss und viele Möglichkeiten zum Zelten. Die Kirchen am Weg waren fast alle geöffnet und hatten so gut wie immer ein WC dabei, auf jeden Fall aber Wasser und eine Rastgelegenheit. Noch dazu war das Wetter (von einigem Regen zu Beginn abgesehen) einfach perfekt zum Wandern. Zwar sind mir hier kaum Pilger begegnet, die in meine Richtung unterwegs waren, aber ich habe dennoch sehr interessante Menschen kennengelernt. Rückblickend finde ich es schade, dass ich mir für Dänemark nicht mehr Zeit genommen habe und nach dem Urlaub mit Julian in Odense einen Teil des Hærvejens übersprungen habe. Für mich ist klar, dass ich unbedingt nochmal in Dänemark wandern möchte. Es ist nur schade, dass einige Tage hier durch meine Probleme mit Blasen überschattet wurden.
Im Vergleich zu Norwegen sind zwar die Herbergen auf dem Hærvejen sehr schlicht und mitunter etwas „lieblos“, aber sie sind auch sehr günstig, was die Übernachtungskosten überschaubar gemacht hat. Im Schnitt habe ich 21 Euro pro Nacht bezahlt, wobei die Kosten für Campingplätze und Herbergen in etwa gleich waren. Wenn man häufiger die Shelter und einfachen Gratis-Zeltplätze nutzt, ginge es noch viel günstiger. Wildzelten ist in Dänemark nur in bestimmten Wäldern erlaubt, aber die Dichte an Zeltplätzen und Sheltern ist sehr hoch.


Tunsbergleden
Auf dem Tunsbergleden von Larvik nach Oslo bin ich an 9 Tagen 200,6 Kilometer gewandert, im Schnitt pro Tag: 22,3 km 388 hm 383,8 hm
Der Tunsbergleden war auf dieser Wanderung meine Nemesis. Ich habe hier mit so vielem gekämpft: Mit meinen Füße und Schuhen, mit der Hitze, mit der kaum vorhandenen Herbergsinfrastruktur und teilweise auch mit der Wegführung.
Dabei fing es mit der Herberge Preståsen in Sandefjord, wo ich die unglaubliche Gastfreundschaft von Nanna erfuhr, und mit der ersten richtigen Pilgergesellschaft so gut an. Aber dann waren von den spärlich vorhandenen Herbergen zwei wegen Urlauben geschlossen und Campingplätze gab es auch nur stellenweise. Nun könnte man in Norwegen ja wild zelten, aber das traute ich mich alleine noch immer nicht. Daher hatte ich so gehofft, dass ich andere Pilger oder sonstige Gleichgesinnte treffen würde, mit denen ich vielleicht gemeinsam zelten könnte, aber außer dem Belgier Pieter zu Beginn (der kein Zelt dabei hatte) begegnete ich niemandem mehr. Auch auf den Campingplätzen war ich immer die einzige Wanderin zwischen Autocampern und vielleicht noch vereinzelten Fahrradfahrern.
Die Strecke frustrierte mich oft, da sie vor allem an den ersten Tagen unglaublich viel Straßen beinhaltete und ich nicht wusste weshalb. Nanna meinte, dass das wäre um an Kirchen vorbeizukommen, aber als ich mir Alternativwege durch den Wald suchte, kam ich trotzdem zu den Kirchen – die ausnahmslos alle geschlossen waren. Ich muss aber fairerweise sagen, dass abgesehen vom hohen Asphaltanteil die Wegführung sehr abwechslungsreich ist. Man kommt durch interessante Städte und an geschichtsträchtigen Orten vorbei, wandert manchmal direkt an der Küste entlang und am Ende auch durch wunderschöne Wälder. Ich glaube, dass ich ohne die Hitze weniger mit dem Weg gehadert hätte, aber jeden Tag durchgehend 30 Grad und mehr (bei Wegen, die oft über viele Kilometer ohne Schatten verliefen) fand ich unglaublich anstrengend.
Da es so wenige Herbergen gab und die Campingplätze an den Küsten mitunter auch recht teuer waren, beliefen sich die durchschnittlichen Kosten hier auf 39 Euro pro Nacht.


Olavsweg „West“: Oslo bis Lillehammer auf der Westroute
Auf diesem kürzesten Abschnitt bin ich an acht Tagen 190,1 Kilometer gewandert, im Schnitt pro Tag: 23,8 km 518 hm 513,9 hm
Als ich vom Tunsbergleden auf den Gudbrandsdalsleden wechselte, war das wie ein Aufatmen: Da ich nun ohne Zelt unterwegs war, war der Rucksack leichter, es gab eine gute Herbergsinfrastruktur und die Hitzewelle ging endlich zu Ende. Zudem war dieser Weg für mich einerseits vertraut und andererseits doch neu. Von Oslo bis Lillehammer gibt es zwei Wegführungen: Eine geht verläuft östlich des Mjøsasees, eine westlich. 2022 war ich auf der Ostroute gewandert und nun war es sehr interessant, im Vergleich dazu die Westroute kennenzulernen. Ich könnte gar nicht sagen, dass ich davon eine „besser“ finde. Beide haben viele schöne und günstige Herbergen auf dem Weg, geschichtlich interessante Orte, schöne Landschaften, aber auch einigen Straßenanteil. Vielleicht ist die Westroute etwas ruhiger – die Straßen, die hier auf dem Programm stehen, sind weniger befahren und es sind auch weniger Pilger unterwegs. Obwohl ich hier zunächst noch immer mit Fuß- und Schuhproblemen zu kämpfen hatte, habe ich die Tage hier geliebt. In vielen Herbergen wurde ich unglaublich freundlich aufgenommen und versorgt und es war schön, dass ich drei geinsame Abende mit der niederländischen Pilgerin Ingrid hatte.
Wie man oben am Tagesschnitt sieht, ging es hier nun richtig mit den Höhenmetern los, aber die Wege waren meist trotzdem recht einfach und da es nun nicht mehr so heiß war, waren die Anstiege nicht so anstrengend. Zwar kam nun auch einiger Regen dazu, aber es war noch immer recht warm; daher war es nicht so schlimm nass zu werden.
Mit 29 Euro durchschnittliche Übernachtungskosten war das der günstigste Abschnitt in Norwegen. Mit Zelt wäre es natürlich noch günstiger geworden, zumal etliche Herbergen auch die Möglichkeit bieten dort zu zelten und zu einem geringen Preis die Infrastruktur zu nutzen.


Olavsweg „Nord“: Dovrefjell und Trøndelag
An 13 Tagen habe ich hier 276,5 Kilometer zurückgelegt, im Schnitt pro Tag: 21,3 km 528 hm 564 hm
Dieser Abschnitt vereint mit dem Dovrefjell und der Region Trøndelag zwei sehr unterschiedliche Gegenden in sich. Ich fasse diese trotzdem zusammen, da dies der Teil des Olavsweges war, den ich bereits kannte und so bildet das für mich eine Einheit.
Landschaftlich ist das wohl der interessanteste Abschnitt. Das Dovrefjell ist atemberaubend schön, aber auch die Moore auf den letzten Etappen gehörten für mich zu den landschaftlichen Highlights. Ich hatte vorher ein bisschen Angst, dass ich meine Wanderung diesmal zu sehr mit meinen Erfahrungen 2022 vergleichen und dann enttäuscht sein könnte, aber das war kaum der Fall. Vor drei Jahren war ich am Dovrefjell gemeinsam mit Kirsti unterwegs und wir hatten großes Glück mit dem Wetter. Daher war das Erlebnis dieses Mal – alleine und mit viel Wind und Regen bei einstelligen Temperaturen – sehr anders. Aber das schöne war, dass es erneut wunderbar war, obwohl ich diesmal eben nicht so perfekte Bedingungen hatte. Und es gab mir auch einen Schub an Selbstbewusstsein, dass ich den Weg dieses Mal alleine bewältigte. Da ich an den Abenden ab und zu andere Pilger traf, fühlte ich mich außerdem nicht einsam.
In Trøndelag setzte sich nach kurzer sonniger Periode leider das Wetter vom Fjell weiter fort, wobei es aber nicht so durchgehend verregnet war wie 2022. Vor drei Jahren war dieser Abschnitt für mich vor allem durch die Gemeinschaft geprägt. Abgesehen von Kirsti gab es andere Pilger, denen ich regelmäßig begegnete – hier sei besonders Thomas zu nennen, mit dem ich wie mit Kirsti noch immer in Kontakt bin. Das war dieses Mal anders. Ich hatte die Herbergen oft für mich alleine, traf aber ein paarmal auch andere Pilger – und zwar immer gerade dann, wenn ich die Gesellschaft dringend nötig hatte. Das Sprichwort „the trail provides“ habe ich ja schon ein paarmal bemüht, aber hier wurde es mir stärker bewusst als je zuvor. Ich verbrachte zwei Abende gemeinsam mit dem französischen Pilger Marc und wanderte zweimal ein Stück gemeinsam mit dem Schweizer Adrian. Mit ihm erreichte ich auch gemeinsam Trondheim, was in dem Moment tatsächlich genau das richtige war.
Da die Pilgerherbergen auf dem Dovrefjell ziemlich teuer sind und ich am Ende in Trondheim in einem Hotel übernachtete, war dieser Abschnitt mit durchschnittlichen Übernachtungskosten von 40 Euro ziemlich teuer. Viele Herbergen in Trøndelag haben aber sehr moderate Preise.


Was für ein Fazit kann man nun nach so einer langen Wanderung ziehen? Es war eine tolle Erfahrung, auch wenn nicht immer alles einfach war. Während ich anfangs eher mit äußeren Problemen wie Blasen zu kämpfen hatte, beschäftigten mich am Ende Gedanken zum „Danach“, die das Wandern auch nicht immer ganz einfach machten. Es gibt manches, was ich rückblickend bei der Wegplanung und Ausrüstung anders machen würde, aber ich bin trotzdem froh, dass ich den Weg so und nicht anders gegangen bin. Die Mischung aus neuen und vertrauten Wegen war sehr schön und ich denke, dass ich nun nach der zweiten Ankunft in Trondheim besser mit dem Olavsweg abschließen kann als damals 2022. Wenn auch nicht mit dem Weitwandern – mit diesem Virus bin ich wohl unheilbar befallen. 😉
Zuletzt gibt es hier noch eine Überblickskarte über meine Wanderung (die gestrichelte Linie zeigt Abschnitte, die ich mit Bus und Zug bzw. Fähre zurückgelegt habe). Ich hoffe, man kann auch auf dem Smartphone einigermaßen etwas erkennen:

4 Comments
Moni
Danke für die Zusammenfassung! Auch wenn ich jede Etappe gelesen habe, bringt so ein Überblick nochmal neue Erkenntnisse. Und: Zahlen sind das eine,aber wenn man dann diese rote Linie über zwei riesige Länder sich ziehen sieht, wird einem deine Leistung nochmal anders bewusst. Wirklich toll!
Judith
Danke! 🙂
Lothar Girolla
war wirklich ein schöner Bericht, werde auch einmal Dänemark erwandern. Vorerst bin ich eher im Süden unterwegs (nächstes Jahr Apenninüberquerung und Alpe – Adria)
Judith
Das klingt auch interessant und ist von den Wegen her sicher sehr viel anspruchsvoller als Dänemark.