Wege in Europa

Eine italienische Reise: Monfalcone – Santa Croce

Die Fakten
26,2 km 525 hm 321 hm
Start: Monfalcone
Ziel: Santa Croce
Schwierigkeit: großteils einfache Wege, aber teils felsige Pfade, die gutes Schuhwerk erfordern

Meine Unterkunft in Monfalcone war die einzige mit Frühstück, aber wie in Italien so üblich, konzentrierte sich das Buffet vor allem auf Croissants und andere süße Gebäckteile und der „Obstteller“ bestand aus zwei verschrumpelten Äpfeln. Ich hielt mich also nicht allzu lange beim Frühstück auf und war ganz froh, dass ich die restlichen Tage wieder Unterkünfte mit Kochgelegenheit und Selbstverpflegung gebucht hatte.

Beim Weg aus Monfalcone hinaus kam ich nochmal an der Basilika Sant’Ambrogio vorbei, die ich am Vorabend schon von außen fotografiert hatte. Jetzt warf ich auch noch kurz einen Blick ins Innere.

Nach etwa einem Kilometer hatte ich die Stadt hinter mir gelassen und ging durch den Wald bergauf zum Rocca di Monfalcone, einer Festung aus der Spätantike, die im 16. Jahrhundert umgebaut und durch den Turm in der Mitte erweitert wurde. Von hier hatte ich noch einen Blick auf Monfalcone und den Hafen, der nicht gerade eine Perle des Mittelmeers ist.

Auf den nächsten Kilometern folgte ich nun zum ersten Mal hier einem markierten Wanderweg. Der Sentiero dei Castellieri führt durch einen Themenpark rund um den Ersten Weltkrieg. Mehrere Informationstafeln erläutern die erhaltenen Verteidigungsstellungen, die von Österreich-Ungarn im Zuge der Isonzoschlachten hier angelegt wurden.

Man könnte sich hier einige Zeit nehmen, um alle Informationen zu lesen und sich genauer umzusehen. Ich hatte dafür ehrlich gesagt an diesem Morgen nicht so wirklich einen Nerv. Der Tag davor hatte doch irgendwie mein Sicherheitsempfinden erschüttert und so fühlte ich mich auf dem Weg nicht ganz so wohl, obwohl er eigentlich schön zu gehen war. Ich schritt also eher zügig voran und querte zunächst die Autobahn, dann die Bundesstraße. Die Vegetation hier war noch deutlich winterlicher als an den Tagen zurvor, aber ein paar Farbtupfer gab es doch zwischendurch.

Nach gut sieben Kilometern traf mein Weg schließlich mit einer Reihe von Weitwanderwegen zusammen. Die gelben Pfeile und Markierungen des Cammino Via Flavia, der von Muggia bei Triest bis nach Aquileia führt, waren mir auch an den beiden Tagen davor schon einige Male begegnet. Jetzt kamen der Alpe-Adria-Trail (ein 750 km langer Bergwanderweg von Kärnten nach Muggia), die gelbe Variante der Via Alpina (die hier allerdings kaum jemals markiert war) und schließlich der Sentiero Italia. Letzterer ist der längste Fernwanderweg der Welt und führt von Triest durch alle Gebirsgzüge und Regionen Italiens.

Von so vielen Markierungen begleitet, ging es nun bergab Richtung Küste. Kurz vor Villaggio del Pescatore kam ich an einer Kirche vorbei und ging dann auf Waldwegen weiter Richtung Duino.

In Duino ging ich zum Schloss und entschied mich spontan für eine Besichtigung. Das Schloss, das aus dem 14. Jahrhundert stammt und heute der Familie Thurn und Taxis gehört, war ein beliebter Treffpunkt von Literaturen und Musikern sowie von Adeligen, die hier ihre Sommer verbrachten. Franz Liszt, Johann Strauss, Mark Twain, Victor Hugo, Kaiserin Elisabeth und Erzherzog Franz Ferdinand gehörten unter anderem zu den illustren Gästen. Berühmt ist es aber vor allem durch die „Duineser Elegien“ von Rainer Maria Rilke, die er 1911 hier zu schreiben begann. Einige Räume des Schlosses können besichtigt werden und es gab auch eine Ausstellung über Rilke und seine Zeit in Duino. Der Besuch lohnt sich aber ovor allem für die schönen Ausblicke von den Gärten und vom Turm aus. Man hat hier eine tolle Sicht auf die alte Burg von Duino und auf die Küste.

Zugänglich ist auch der Bunker, der 1943 errichtet wurde. Bevor man hinuntersteigt, wird man hier gleich einmal gewarnt, dass die 100 Stufen dann beim Aufstieg ermüdend sein können.

Nach der Schlossbesichtigung folgte ich auf dem Rilkeweg weiter den Spuren des Dichters. Dieser Weg, der an den Klippen entlang von Duino nach Sistiana führt, bekam diesen Namen bereits früh wegen Rilkes ausgedehnter Spaziergänge hier. Da der Weg sehr spektakuläre Ausblicke bietet, ist er sehr beliebt. Viele dürften aber nur ein paar hundert Meter weit und dann wieder zurück nach Duino gehen, da es nach kurzer Zeit wieder deutlich ruhiger wurde.

Am Ende des Weges, mit Blick auf den Hafen von Sistiana, kehrte ich noch in ein Café ein und trank einen Cappuccino. Es war an diesem Tag einfach herrlich in der Sonne und nach etwas trübem Wetter in der Früh hatte es nun auch aufgeklart.

In Sistiana machte ich auf einem sehr steilen Pfad einen ziemlich überflüssigen Abstecher hinunter zum Strand. Ich dachte, dass ich hier am Meer entlanggehen und somit einen langen Abschnitt auf der Straße vermeiden könnte, allerdings fiel mir dann erst auf, dass ich dafür durch Portopiccolo, ein Luxus-Resort, das in einen alten Steinbruch gebaut worden war, durchgehen müsste. Und meine Wanderapp zeigte mir an, dass das Areal nicht öffentlich zugänglich ist. Ich war mir zwar nicht ganz sicher, ob das wirklich stimmte oder sich vielleicht nur auf die Durchfahrt bezog (Portopiccolo ist autofrei), aber um dort nicht vor verschlossenen Toren zu stehen, ging ich dann wieder hinauf zur Straße. Auf das Resort hatte ich dann auch noch einen Blick von oben.

Der Abschnitt an der Bundesstraße entlang, war dann nicht ganz so mühsam wie befürchtet. Es gab durchgehend einen Gehsteig und da neben diesem noch ein Radweg verlief, gab es auch noch einen kleinen „Puffer“ zu den Autos.

Nach etwa zwei Kilometern führte schließlich der Weg links hinauf in den Wald und es folgte einer der schönsten Abschnitte an diesem Tag. Es ging auf schmalen Pfaden teilweise durch den Wald und teilweise über Felsen, wobei sich immer wieder grandiose Ausblicke aufs Meer ergaben. Der Weg war so gut markiert, dass auch auf den Felsen immer klar war, wo es weiterging.

Hier zu wandern machte richtig Spaß und so fand ich es schade, als der Pfad schließlich in einen breiteren Weg mündete. Aber auch dieser Panoramaweg war richtig schön zu gehen und wurde auch eifrig genutzt. Es gab erneut herrliche Ausblicke aufs Meer und auf Schloss Miramare.

Schließlich erreichte ich nach 25 Kilometern rechtzeitig zum Sonnenuntergang einen Aussichtspunkt bei Santa Croce und beobachtete, wie die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand.

Nach diesem krönenden Abschluss der Wanderung checkte ich in meine Unterkunft ein und machte mich dann gleich noch auf zu einem Bioladen in der Nähe, um mich fürs Abendessen und den nächsten Tag einzudecken. Erst danach kam ich so richtig an und stoppte meine gps-Uhr, daher ist die kleine Einkaufstour noch mit auf der Karte.

Fazit: Dieser Tag hatte nicht nur wunderschöne und abwechslungsreiche Wege zu bieten, sondern auch das sehr sehenswerte Schloss Duino. Am Vormittag war ich noch etwas angespannt und bog mit einer gewissen Vorsicht um jede Kurve, aber das legte sich dann im Laufe des Tages (spätestens nach der Besichtigung von Schloss Duino). Die herrlichen Ausblicke und der tolle Sonnenuntergang waren noch das Tüpfelchen auf dem i.

2 Comments

  • Anonym

    Schöne Bilder, bin auf den weiteren Weg neugierig. Ich bin den Rilkeweg auch schon gegangen und einige Wanderungen im Hinterland von Triest (Lipica, Kokos, Val Rosandra).
    Lothar

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