Wege in Europa

Gendarmstien 5/Alsstien: Lebøl Løkke – Fynshav

Die Fakten
23,6 km 114 hm 111 hm
Start: Lebøl Løkke
Ziel: Lille Græsgård (kurz vor Fynshav)
Schwierigkeit: auf dem Alsstien ein paar unwegsame Strandabschnitte

Nach einer erstaunlich guten Nacht im Zelt wollte ich mir gemütlich Frühstück machen, musste aber feststellen, dass meine Streichhölzer feucht waren und ich meinen Kocher daher nicht in Gang setzen konnte. Also gab es keinen Kaffee und nur kalten Porridge. Ehe ich mich auf den Weg machte, trug ich mich noch bei Birgit ins Gästebuch ein und las die bisherigen Beiträge.

Statt direkt wieder hinunter zur Küste auf den Gendarmstien zu gehen, machte ich einen Schlenker zu Wassermühle von Vibæk. Die Mühlenanlage mit Wasser- und Windmühle ist aus dem Jahr 1750 und kann im Sommer gratis besichtigt werden. Birgit hatte mir am Vorabend noch erzählt, dass sie jeden Tag die Mühle aufsperrt und schließt.

Nach diesem kleinen Abstecher legte ich die abschließenden fünf Kilometer auf dem Gendarmstien zurück. Zunächst an der Küste, dann durch Felder ging es nach Skovby, wo der Gendarmstien endet.

Einen markierten Endpunkt des Weges konnte ich nicht finden. Da man von Skovby gleich weiter auf den ca. 60 km langen Alsstien wechseln kann und ich auf diesem noch eine Etappe zurücklegen wollte, war für mich die Wanderung aber ohnehin noch nicht zu Ende. Im Supermarkt von Skovby war auch ein kleiner Bäcker und ich fragte nach Kaffee, den es aber leider nicht gab. Als ich mich noch nach einer Toilette erkundigte, ließ mich die Mitarbeiterin in den Personalbereich – und als ich wieder aus der Toilette kam, hatte sie mir sogar in der Personalküche noch einen Kaffee zum Mitnehmen gemacht.

Als ich mich damit gemütlich auf eine Bank vor dem Supermarkt setzen wollte, fing es allerdings zu regnen an und ich flüchtete zur überdachten Bushaltestelle. Hier rief ich auch die Nachrichten auf meinem Handy ab und stellte fest, dass ich für den Tag umplanen musste. Ich hatte insofern bereits meinen Plan geändert, weil ich ursprünglich im Zelt übernachten wollte, für die Nacht aber starke Sturmböen angesagt waren. Daher hatte ich über AirBnB spontan ein Zimmer in Fynshav gebucht, mit dem es aber nun unter anderem aufgrund eines großflächigen Stromausfalls doch nichts wurde.

Ich hätte an diesem Tag mehrere Möglichkeiten mit dem Zelt gehabt – unter anderem auf dem Bauernhof Lille Græsgård, wo ich nun anrief und fragte, ob es dort auch Zimmer gäbe. Und tatsächlich konnte ich dort die Ferienwohnung buchen. Die entsprach zwar nicht ganz meinen preislichen Vorstellungen, aber da nun für den restlichen Tag Regen angesagt war, wollte ich einfach möglichst bald ein Dach über dem Kopf haben.

Nachdem das nun alles geklärt war, machte ich mich wieder auf und ging erst mal auf der Straße weiter, um zum Alsstien zu gelangen. Man könnte von Skovby auch gleich an die Küste gehen und hier dem Alsstien folgen, aber angesichts des Wetters wollte ich keine Etappe von mehr als 30 Kilometern machen und kürzte also ein wenig ab. Zum Gück war der Regen vorerst nicht zu stark.

Der Alsstien führte bald hinunter an die Küste, wo es etwas mühsam über Steine und durch Sand ging. Unterwegs begegnete ich einer Spaziergängerin, die sich ebenfalls mit dem Weg abmühte.

Zur Mittagszeit erreichte ich den Campingplatz von Mommark, wo ich nochmal eine Kaffeepause im zugehörigen Bistro einlegte und mich über eine trockene Sitzgelegenheit freute. Hier kam nun erneut die Spaziergängerin vom Strand vorbei und fragte mich, ob sie sich zu mir setzen dürfte. Sie war aus Deutschland und mit ihrem Mann mit dem Segelschiff unterwegs, mit dem sie nun aufgrund des angekündigten Sturms erst mal in Mommark festsaßen. Sie interessierte sich auch für die Wanderwege hier und wir unterhielten uns eine ganze Weile.

Schließlich musste ich aber doch wieder in den Regen und machte mich auf den Weg. Der Alsstien führte nun teils über Feldwege und Straßen, aber auch wieder direkt an den Strand, wo ich einen weiteren sehr steinigen Abschnitt zu bewältigen hatte. Ohne Regen hätte ich diesen Weg wohl ganz gemütlich zurückgelegt und den Ausblick aufs Meer genossen, aber nun wollte ich einfach nur schnell vorankommen, zumal der Regen immer stärker wurde.

Der Wunsch nach dem raschen Vorankommen wurde mir dann zum Verhängnis, da ich im Wald – kurz vor meinem Ziel – mal wieder eine „Abkürzung“ nehmen wollte. Der Alsstien macht hier einen Bogen, den ich nicht ausgehen wollte und es waren auch Wanderwege eingezeichnet, die geradewegs durch den Wald führen. Irgendwie verlor sich einer dieser Wege aber im Gestrüpp und ich die Orientierung. Normalerweise navigiere ich mit meiner Wanderapp offline – ich lade die Karte herunter und setze das Handy dann in den Flugmodus. Die Navigation über gps funktioniert dann normalerweise sehr gut. An diesem Tag hatte ich aber nach der ganzen Umplanung am Vormittag vergessen mein Handy wieder in den Flugmodus zu setzen und so versuchte es meine Position übers Internet zu bestimmen, was hier im Wald nicht gut funktionierte. Dadurch sprang meine Position auf der Karte ständig umher und ich wusste nicht, wo ich genau war. Und dabei hatte ich mir noch am Vortag fest vorgenommen keine abenteuerlichen Abkürzungen mehr zu nehmen!

Nach einigem Kampf mit Dornen und Herumirren fand ich schließlich wieder zurück auf den Weg. Die unnötige Runde durch den Wald wurde mir insofern zum Verhängnis, als es nun bei kräftigem Wind so richtig zu schütten begann. Zwar war es jetzt nur noch etwas mehr als ein Kilometer, aber bei solchem Wetter fühlte sich das deutlich länger an und ich erreichte tropfnass meine Unterkunft.

Das Foto entstand übrigens am nächsten Tag – bei meiner Ankunft war zwischen Regenschleiern kaum etwas zu erkennen. 😉

Hier wurde ich nun von Marc, der ursprünglich aus Passau kommt, sehr freundlich in Empfang genommen. Die Ferienwohnung war sehr gemütlich, wenn auch für mich alleine viel zu groß. Aber da es noch nicht mal 15 Uhr war, hatte ich zumindest noch ausreichend Zeit, um es mir hier gemütlich zu machen. Während draußen weiterhin ein Regenschauer nach dem anderen niederging, las ich im Wohnzimmer und malte ein weiteres Bildchen.

Da man bei Marc auch selbstgebackenes Brot und Eier von den hofeigenen Enten kaufen kann, wollte ich das tun, wurde bei der Gelegenheit aber zum gemeinsamen Abendessen mit Marc und seiner Schwester eingeladen. Es war ein ganz wundervoller Abend und ein schöner Abschluss meiner Wanderung. So viele nette Begegnungen und Gastfreundschaft an diesem Tag! 🙂

Fazit: Die erste Etappe des Alsstien hat es durchaus in sich mit den weglosen Strandabschnitten. Sonst aber ein sehr schöner Weg, den ich bei besserem Wetter auch sicher mehr genossen hätte.


Die Karte folgt ganz unten im Beitrag; zunächst hier noch ein paar Impressionen meines Spaziergangs, den ich am nächsten Tag noch unternommen habe:

Da ich bis zur Abfahrt meines Busses noch ausreichend Zeit hatte, ging ich an meinem letzten Tag in Dänemark noch nach Fynshav und dann von dort am Strand entlang zum Leuchtturm Taksensand Fyr. Das Wetter war nun wieder freundlicher, aber es wehte ein sehr starker Wind. Die Ergebnisse eines älteren Sturms waren auch noch deutlich am Strand zu sehen.

Der Leuchtturm Taksensand Fyr wurde 1905 erbaut und war damals 32 Meter hoch. 1953 wurde er auf seine heutigen 19 Meter verkürzt – daher wirkt wohl auch der Felsbrockensockel im Vergleich zum Turm so überdimensioniert. Hier malte ich noch mein letztes Bild des Urlaubs, ehe ich zurück nach Fynshav ging und mich vor den Bus- und Zugfahrten nach Hamburg beim gemütlichen Campingcafé noch stärkte.

Ein Fazit zur Wanderung und zu meiner teils etwas geänderten Ausrüstung folgt dann bald noch als Abschluss.

One Comment

  • Moni

    Das klingt nach einem tollen Urlaub! Ja, auch Regen dabei, aber die Zeltübernachtungen scheinen besser zu werden und fein, dass du wieder so viele nette Menschen (neben all der wunderbaren Natur) getroffen hast!

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