Wege in Europa,  Weitwanderwege

Tunsbergleden 8: Drammen – Røyken

Die Fakten
22,7 km 472 hm 348 hm
Start: Drammen
Ziel: Røyken
Schwierigkeit: einfache Wege mit kleineren Anstiegen

Da es in meiner Unterkunft sehr warm war, fühlte ich mich heute schon beim Aufbruch ziemlich aufgeheizt. Und dann ging es gleich mal in der Sonne bergauf. Ich war aber überrascht, wie schnell ich den Stadttrubel von Drammen hinter mir ließ und die Gegend immer ländlicher wurde.

Ich konnte unterwegs sogar ein paar Kriecherl (quasi die Wildform der Mirabelle) pflücken.

An der Stelle sei gesagt, dass der Weg hier einen weiten Bogen nach Norden schlägt. Man könnte auch deutlich direkter gehen, hätte dann aber sehr viel Stadtgebiet und würde die Frogner Kirche verpassen, die ich nach etwa fünf Kilometern erreichte.

Die ursprüngliche Kirche stammte von etwa 1200, brannte aber 1651 nieder. Sie wurde Ende des 17. Jahrhunderts auf den Ruinen neu errichtet. Besonders sehenswert wäre das Innere, aber natürlich war geschlossen.

Von hier war es nicht mehr weit bis zu einem Supermarkt bei Lierbyen, wo ich mir einen Eiskaffee kaufte. Ab jetzt wurde es wieder städtischer und ich ging meist auf Straßen bis Huseby, wo der heilige Hallvard geboren wurde, der Schutzpatron von Oslo. Hier ein kleiner Exkurs ins Reich der Legenden: Im Jahr 1043 wollte Hallvard gerade über den Drammensfjord rudern, als eine schwangere Frau bat ihn mitzunehmen, weil sie unschuldig des Diebstahls bezichtigt würde. Hallvard half ihr und weigerte sich, sie an ihre Verfolger auszuliefern, woraufhin diese beide mit Pfeilen töteten. Sie wollten Hallvard mit einem Mühlstein beschwert im Wasser versenken, aber sein Körper kam trotz Stein zurück an die Oberfläche. Seither wird er als Märtyrer verehrt. Die St. Hallvardskirche in Oslo, deren Ruinen heute Endpunkt des Tunsbergledens und Ausgangspunkt des Weges von Oslo nach Trondheim sind, wurde zu seinen Ehren gebaut. In Huseby ist der angebliche Mühlstein zu sehen; außerdem zwei ältere Grabhügel. In einem davon ist eine Ausstellung über St. Hallvard, die mittels Bezahlung über einen QR-Code besichtigt werden kann. Das wollte aber bei mir nicht funktionieren. Zum Glück konnte ich jemanden auftreiben, der mir freundlicherweise (gratis) aufsperrte.

Ich machte dort nach der Besichtigung auch gleich eine kleine Mittagspause. Danach ging es sehr viel in der Sonne weiter bis zur Kirche von Gullhaug.

Danach ging ich einen eigenen Weg durch Gullhaug hinauf zur alten Drammenbahn. Der Weg dorthin war unglaublich heiß – es ging in der Sonne bergauf und ich hatte das Gefühl zu schmelzen. Aber es lohnte sich, da der Weg an der alten Drammenbahn wunderschön zu gehen war. Es gab zumindest teilweise Schatten und noch dazu zwei Tunnel. Der eine war sehe kurz, aber der andere sorgte für ein paar hundert Meter für eine herrlich kühle Luft. Insgesamt ein ganz fantastischer Wegabschnitt!

In Spikkestad traf ich wieder auf den Tunsbergleden, der hier zusammen mit dem Oldtidsveien („Altertumsweg“) verläuft und meist auch nur mit diesem beschildert ist. Es ging nun wieder ganz ohne Schatten dahin.

Aber zum Glück waren es von Spikkestad keine vier Kilometer mehr bis zur Kirche von Røyken, die mein heutiges Ziel war. Mein Nachtquartier ist nämlich das Pfarrheim von Røyken, in dem Pilger übernachten können. Ich fand eine Nachricht von Pieter vor, der inzwischen ein paar Tage voraus ist, und Kekse von Mia, die hier zuständig ist und mich telefonisch durch das Haus leitete.

Und besonders erfreulich bei diesem Wetter: Der Saal hier ist sogar klimatisiert. Das ist umso erfreulicher, da die Hitze morgen unverändert weitergehen soll.

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