Wege in Europa

Ostern in Italien: Volterra und San Gimignano

Nach meiner Ankunft in und der Besichtigung von Florenz schlug ich mein „Hauptquartier“ in Siena auf und unternahm von dort Ausflüge in die Umgebung. Den Anfang machten Volterra und San Gimignano:

Volterra

Für mich, die ich eine Begeisterung für Antike und Archäologie habe, stand Volterra ganz oben auf der Liste der Orte, die ich in der Toskana sehen wollte. Die Stadt entstand im 4. Jh. v. Chr. und war eine der ältesten und größten etrurischen Städte, ehe sie von den Römern erobert wurde. Sie liegt auf einem 550 Meter hohen Bergrücken über dem Val di Cecina. Von der schönen Landschaft rundherum bekam ich schon bei der Anreise mit dem Bus einen guten Eindruck.

Als ich beim Busbahnhof ausstieg, hatte ich gleich einen tollen Blick über die Dächer der Stadt und das Val di Cecina.

Ich suchte zunächst den archäologischen Park auf und kaufte ein Kombiticket für die etruskischen Ausgrabungen und das römische Theater. Es gäbe in Volterra noch einiges mehr zu besichtigen, so auch einige interessante Museen, aber bei nur drei Stunden Aufenthalt musste ich Prioritäten setzen.

Von der etruskischen Akropolis sind nur noch einige Überreste zu sehen; hier war auch ein Tempelkomplex, der bereits auf das 7. Jh. v. Chr. zurückging.

Man kann hier auch in eine römische Zisterne hinuntersteigen, in der heute einige moderne Skulpturen untergebracht sind, deren Sinn sich mir trotz Infotafel nicht ganz erschloss. Das Wasserbecken an sich ist aber sehr eindrucksvoll.

Danach ging ich weiter zum römischen Theater, das im 1. Jh. v. Chr. unter Augustus erbaut, aber noch in römischer Zeit aufgegeben und zu einer Therme umgebaut wurde.

Danach erkundete ich ausgiebig die Stadt, die mich mit ihren schmalen Gassen sehr faszinierte. Natürlich ist auch der Hauptplatz mit dem Palazzo dei Priori sehr sehenswert, aber das Gewirr der Straßen und die Stadtmauern waren für mich das eigentliche Highlight von Volterra.

Ich hatte eigentlich vorgehabt zu einem Aussichtspunkt zu gehen, der einen Blick auf die interessanten Felsformationen im Norden versprach, aber das war mir dann etwas zu stressig. Stattdessen folgte ich einem kleinen Wanderweg, der mich schließlich durch die Porta e Fonte di San Felice wieder zurück in die Stadt brachte.

Gut drei Stunden hatte ich in Volterra gehabt, ehe es mit dem Bus weiter Richtung San Gimignano ging. Toll für einen ersten Eindruck, aber letztendlich viel zu wenig Zeit für diese faszinierende Stadt. Da die Umgebung auch sehr zum Wandern einlädt, würde ich gern nochmal hierher kommen.

Für eine öffentliche Anreise ist übrigens eine gute Planung erforderlich. Es gibt nur spärliche Verbindungen von und nach Siena und auch die Weiterfahrt nach San Gimignano ist nur zweimal am Tag möglich. Folgende Verbindungen haben sich für mich gut bewährt: Um 8:40 vom Busbahnhof in Siena mit der Linie 131 nach Colle Val D’Elsa und von dort mit dem Bus 770 nach Volterra. Von Volterra kann man um 13:38 den 770 nach Castel San Gimignano nehmen und dort in den SG3 umsteigen.


Panoramarunde um und durch San Gimignano

San Gimignano wird mit seinen eindrucksvollen Türmen auch „Mittelalterliches Manhatten“ genannt und ist ein sehr beliebter Touristenort. Da ich eine Wanderroute gefunden hatte, die tolle Blicke auf die Skyline versprach und es zudem angeblich am späteren Nachmittag meistens ruhiger in der Stadt wird, wandte ich also nach der Ankunft San Gimignano erst einmal den Rücken zu. Gleich nach dem Start hatte ich einen ersten eindrucksvollen Blick zurück auf die Stadt.

Meist auf Schotterstraßen ging es nun an Olivenhainen und Weinbergen vorbei durch eine schöne Hügellandschaft, wobei sich immer wieder neue Blicke auf San Gimignano auftaten.

Bei Fattoria di Pietrafitta bog der Weg schließlich nach Westen und hatte nun neben neuen Perspektiven auf die Stadt auch einen Blick auf die schneebedeckten Berggipfel in der Ferne zu bieten.

Der letzte Kilometer führte dann ein wenig mühsam an der Straße entlang, aber abgesehen davon eine sehr schöne Runde. Ich war sehr überrascht, dass außer mir niemand unterwegs war, erst recht bei dem perfekten Frühlingswetter. Die Aussichten auf San Gimignano fand ich so schön, dass ich sie später auch noch in meinem Skizzenbuch festhielt:

Um 17 Uhr erreichte ich nach gut zwei Stunden Wanderung die Stadt. San Gimignano war auch schon in der Zeit der Etrusker besiedelt, aber die eigentliche Stadt entstand im 10. Jahrhundert aufgrund der Via Francigena, auf der Händler und Pilger nach Rom reisten. Im Hochmittelalter entstanden in zahlreichen italienischen Städten sogenannte „Geschlechtertürme“, mit denen wohlhabende Patrizierfamilien ihren Status demonstrierten, indem sie einander in der Höhe ihrer Bauwerke zu überbieten versuchten.

Der höchste noch erhaltene Turm in San Gimignano ist der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 mit einer Höhe von 54 Metern, der auch bestiegen werden kann. Im Eintritt ist auch das Rathaus mit dem Stadtmuseum enthalten, das ganz interessant ist, aber das tatsächliche Highlight ist natürlich der Ausblick vom Turm.

Danach machte ich noch einen Abstecher zum Rocca di Montestaffoli, ehe ich vor den Toren der Stadt schließlich wieder in den Bus stieg.

Fazit: Zwei wundervolle Städte, deren Besichtigung sich unbedingt lohnt! Ich würde unbedingt auch die Panoramarunde um San Gimignano empfehlen – allerdings nicht im Hochsommer, da es auf der Strecke nur wenig Schatten gibt. Hier noch die Wanderroute:

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